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Obergriesbach

18.09.2019

Die Post in Obergriesbach ist bald Geschichte

Jeden Tag werden in der Post-Servicestelle im Tante-Emma-Laden von Birgit Ostermayr in Obergriesbach viele Päckchen und Pakete aufgegeben. Ab 1. Oktober ist das vorbei.
Bild: Katharina Wachinger

Plus Unerwartet hat Birgit Ostermayr die Kündigung für die Poststelle in ihrem Laden erhalten. Kunden wollen das nicht hinnehmen.

Eine Poststelle gibt es in Obergriesbach schon seit über 140 Jahren. Wie aus der Chronik hervorgeht, eröffnete das „Königliche Ober-Post-Amt für Oberbayern“ am 25. Mai 1875 eine Poststelle im damals neuen Bahnhof. Obergriesbach und sein Einzugsgebiet hatte also seither immer eine Poststelle. Birgit Ostermayr führt die Postgeschäfte als Post-Servicestelle seit 2006 in ihrem Tante-Emma-Laden. Doch am 1. Oktober ist damit Schluss. Sie hat von der Post die Kündigung für die Servicestelle bekommen.

Birgit Ostermayr erzählt: „Im September war eine Gebietsleiterin von der Post da.“ Der Vertrag wurde aufgekündigt – unerwartet und sehr kurzfristig. Nach gesetzlicher Vorgabe einer flächendeckenden Grundversorgung muss keine Poststelle vorhanden sein, wenn die Einwohnerzahl unter 2000 liegt. Derzeit liegt die Einwohnerzahl Obergriesbachs nur knapp darunter. Nach offiziellem Stand vom 31. März hat Obergriesbach mit Zahling 1954 Einwohner. Über Jahre waren es knapp über 2000 Einwohner.

Obergriesbach: Unterschriftenaktion gestartet

Im Moment herrschen im Ort Ratlosigkeit und vor allem Ärger über die Schließung. Birgit Ostermayr hat eine Unterschriftenaktion gestartet. In wenigen Tagen haben sich rund 500 Kunden eingetragen. Auch die Gemeinde steht hinter der Aktion. Die Kunden kommen nicht nur aus Obergriesbach, sondern zum Einzugsgebiet gehören auch Griesbeckerzell, Zahling, Sulzbach und darüber hinaus. Die Kunden schätzen auch die Öffnungszeiten.

Die Post in Obergriesbach ist bald Geschichte

Schon „morgens um sechs Uhr“ wenn sie den Laden öffnet, kämen die ersten Kunden, erzählt Ostermayr. Gerade hat sie zwei Wagen mit Päckchen und Paketen zur Abholung bereitgestellt, als schon der nächste Kunde seine Postsendung bringt, die noch mitsoll. Jeden Tag hat Ostermayr eine Vielzahl von Päckchen, Paketen und Briefen. Die Einzelhändlerin hat zwar keinen Computer zur Postannahme, aber die Preise hat sie alle im Kopf, und die Abfertigung geht schnell. Auch die Parksituation vor dem Geschäft ist ideal.

Post: Viele Kunden machen ihrem Ärger Luft

Viele Kunden machen ihrem Ärger Luft über die Schließung. „Da ist immer die Rede von CO2-Ausstoß-Vermeidung“, aber mit Schließung der Post-Servicestelle müssten die Kunden weitere Wege in Kauf nehmen, regt sich Heinz Hamm auf. Jedes Einschreiben, Päckchen oder Paket verursachten dann zwölf beziehungsweise 14 Autokilometer. Ganz zu schweigen von den Öffnungszeiten, die Berufstätige mit üblicher Arbeitszeit nicht nutzen könnten. Die Postfiliale in Aichach hat von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17.30 Uhr geöffnet, in Dasing gar nur bis 16.30 Uhr ohne Mittagspause. Eine andere Kundin hat schon eine Beschwerde an die Bundesnetzagentur geschickt, wie sie im Laden erzählt. Keiner will es glauben, dass die Post in Obergriesbach bald Geschichte ist, und möchte irgendwie helfen, die Schließung zu vermeiden. „Bei der Post gibt es keine Beschwerdestelle für ihr Anliegen, wohl aber bei der Bundesnetzagentur“, hat Birgit Ostermayr nach intensiver Recherche herausgefunden. Die nächsten Tage wird sie die Unterschriftenlisten dort einreichen.

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