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Wertstoff

28.09.2013

Die Vereine fürchten die Blaue Tonne

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Altpapier ist ein begehrtes Gut. Unser Leser Herbert Köppel hat aber diese Reklame-Zeitungen unsachgemäß entsorgt beim Spaziergang am Kellerberg in Aichach entdeckt.
Bild: Köppel

Mit Altpapiersammlungen werden vor allem die Jugendabteilungen unterstützt. Das neue Angebot des Landkreises Aichach-Friedberg macht das aber schwierig.

Im Grunde ist Geld nur Papier. Doch auch aus Papier lässt sich Geld machen. Der Entsorgungsriese Remondis holt schon seit 2007 im Wittelsbacher Land Papier in Tonnen (rund 10000 im Kreis) ab. Jetzt steigt auch der Landkreis ein und bietet ab 2014 eine Blaue Tonne an, die kostenlos abgeholt wird (wir berichteten). In gut zwei Wochen sind schon 5000 Tonnen bestellt worden. Jetzt fürchten viele Vereine und Hilfsorganisationen, dass sie eine wichtige Einnahmequelle verlieren, denn auch sie sammeln Papier, um das wertvolle Altmaterial wieder zu Geld zu machen.

Bernhard Fendt, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Oberbernbach, betont, dass sich die Mitglieder des Sozialverbandes seit Jahren um die Papierentsorgung im Stadtteil kümmern. „Lustig ist, dass jetzt, wo der Papierpreis hoch ist, jeder ein Stück vom Kuchen will. Als der Preis noch niedrig war, waren alle froh, dass wir das machen.“ 

Neben den Mitgliedsbeiträgen sei das Altpapier die einzige Einnahmequelle der Kolpingsfamilie. Zwar gibt es bereits mit Remondis ein privates Unternehmen, das Papiertonnen aufstellt, aber der Landkreis fahre nun eine „massive Kampagne“. Zudem sei ein öffentlicher Anbieter vertrauenswürdiger als ein privater, weiß Fendt.

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Auch Franz Ziegler, Vorsitzender der Jugendfördergemeinschaft (JFG) Wittelsbacher Land, befürchtet deutliche Einbußen. „Wenn diese Tonne flächendeckend kommt, dann müssen wir uns überlegen, ob sich das überhaupt noch rentiert.“ Viele Fußballvereine in der Region sammeln Altpapier und stecken die eingenommenen Gelder in den Jugendbereich. Bei der JFG werden dafür zum Beispiel Trainingsgeräte und Trikots gekauft sowie die Weihnachtsfeier finanziert.

Angst vor steigenden Mitgliedsbeiträgen

Beim Kreisverband Aichach- Friedberg des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) wird das Geld für den Unterhalt der Rettungswagen und die Ausbildung der Helfer ausgegeben. Wie viel im Jahr zusammenkommt, kann Linda Leise vom BRK-Kreisverband nicht sagen.

Beim BC Adelzhausen decken die Altpapier-Einnahmen einen Großteil der Kosten der Jugendabteilung, sagt der Vorsitzende Andreas Asam. Ziel des Vereins sei es, die Beiträge für Kinder möglichst niedrig zu halten. „Wenn wir diese Einnahmen nicht mehr hätten, dann müssten wir die Beiträge wohl erhöhen.“ Jedoch vertraut er auf den Zusammenhalt in der Ecknachtal-Gemeinde. Seiner Meinung nach werden die Adelzhausener weiter ihr Papier an Straßenrand stellen. „Ich habe die Hoffnung, dass die Leute wissen, dass wir auf die Einnahmen angewiesen sind.“

Beim VfL Ecknach wird die Einführung der Tonne ebenfalls mit Sorge beobachtet. Vier Mal im Jahr sammelt der Verein Altpapier. Die Einnahmen fließen in die Jugendarbeit, wie Johannes Erbe, Vorsitzender Spielbetrieb, sagt. „Es ist ein gewisser Standard, der bei uns herrscht, ob wir den ohne die Einnahmen halten können, ist fraglich.“

Erbe sagt: „Das mit der Firma Remondis hat nicht so wehgetan, aber durch den Landkreis befürchten wir höhere Einbußen.“ Allerdings hat auch er die Hoffnung, dass die Ecknacher weiter ihren Verein unterstützen. Auch die Vereinsvorsitzenden vom TSV Rehling und der DJK Gebenhofen vertrauen auf die Hilfsbereitschaft der Anwohner in ihren Dörfern.

Das Landratsamt Aichach-Friedberg weist darauf hin, dass die Kommunale Abfallwirtschaft in ihrem Infobrief zur Einführung der Blauen Tonne dazu aufgerufen hat, weiterhin den Vereinen Altpapier im Rahmen von Sammlungen zur Verfügung zu stellen.

Die Vereine wurden in einem gesonderten Schreiben über die Blaue Tonne informiert. Darin bot die Behörde auch an, „das gesammelte Papier über den Landkreis zu den Konditionen unserer Verträge zu vermarkten“. Dadurch hätten die Vereine den Vorteil, den Wertstoff „zu den vermutlich höheren Erlösen des Landkreises“ verkaufen zu können. Die Bedenken der meisten Vereinsvorsitzenden hat dieses Schreiben aber nicht beruhigt. „Wenn wir die Blaue Tonne nicht als Affront werten sollen, warum muss das Landratsamt dann diesen Brief schreiben?“, fragt Bernhard Fendt.

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