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Aichach-Friedberg

12.12.2013

Die Wackerls geben den Kampf um ihr Pflegekind nicht auf

Die Unterschriftenliste aus Todtenweis hat inzwischen die dritte Station erreicht.
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Die Unterschriftenliste aus Todtenweis hat inzwischen die dritte Station erreicht.
Bild: Ulrich Wagner

Sozialministerin Emilia Müller hat ein offenes Ohr für den Kampf der Familie aus Todtenweis um die ihr einst anvertraute Sandra. Ein Video enthält eine herzzerreißende Botschaft.

Sie hat Gehör gefunden bei Sozialministerin Emilia Müller. Diesen Eindruck jedenfalls brachte die Delegation aus Todtenweis am Dienstag vom Besuch in München mit nach Hause. Ihr Anliegen ist bekannt: Sie unterstützt die Familie Wackerl im Kampf um ihr früheres Pflegekind Sandra (Name geändert). Petra Wackerl sagte nach dem Termin: „Wir wurden ernst genommen.“ Trotzdem dürfte ein Ergebnis mehrere Wochen auf sich warten lassen.

"Katastrophe für das Wohl des Kindes"

München ist nach dem Landratsamt in Aichach und der Stadt Augsburg die dritte Station für die Unterschriftenliste, die Helga Escher und Monika Haas gesammelt haben. 2493 Menschen in und um Todtenweis hatten die Forderung unterschrieben, dass die Wackerls ihr Pflegekind zurückbekommen sollen. Das Mädchen war bei ihnen aufgewachsen. Aufgrund eines Schulwechsels verloren die Wackerls aber ungewollt ihren Pflegeelternstatus.

Die Entwicklung schilderte Rechtsanwältin Therese Steber in München im Detail und bezeichnete sie gegenüber der Ministerin als „Katastrophe für das Wohl des Kindes“. Die Ministerin selbst äußerte sich nicht offiziell. Die Pressestelle ihres Ministeriums teilte gestern aber mit, Müller habe eine Prüfung zugesagt und bereits Kontakt mit der Regierung von Schwaben aufgenommen. Die Angelegenheit werde dort überprüft, so Pressesprecher Karl-Heinz Meyer.

Mehr war offiziell nicht zu erfahren. Todtenweis’ Altbürgermeister Josef Kodmeir aber ist nach dem Treffen mit der Ministerin überzeugt: „Sie wird sich einsetzen. Sie hat verstanden, um was es geht.“ Diesen Eindruck teilt auch Petra Wackerl. Müller sei interessiert gewesen und habe häufig nachgefragt. Auch die ältere Halbschwester Sandras, die bei den Wackerls lebt, kam zu Wort. Sie ist die einzige der Familie, die Sandra in den vergangenen Monaten sehen durfte. „Ihr geht es nicht gut. Ihr hört keiner zu“, berichtete die 17-Jährige.

Pflegerin lehnt Besuche ab

Die Sozialministerin kann das auch selbst von Sandra hören, wenn sie möchte. Denn die Wackerls haben ihr ein Video übergeben, das das Mädchen selbst von sich gedreht hat. Es sei herzzerreißend, schildert Petra Wackerl, wie die 13-Jährige um ihre Rückkehr nach Todtenweis flehe. Die Aufnahmen gehen der Pflegemutter so zu Herzen, dass sie sie inzwischen nicht mehr ansehen kann. Derzeit dürfen die Wackerls alle zwei Wochen 15 Minuten mit Sandra telefonieren. Zuletzt hat ihre erste Frage gelautet: „Darf ich Weihnachten heim?“ 13 Jahre lang hat das Mädchen die Feiertage in Todtenweis verbracht. Und heuer? Laut Petra Wackerl lehnt die zuständige Pflegerin es ab, dass Sandra zu ihnen kommen darf.

In Todtenweis ist derweil nach dem riesigen Erfolg der Unterschriftenaktion bei den Initiatorinnen Ernüchterung eingekehrt. „Da haben wir uns schon viel mehr versprochen“, sagt Monika Haas, die nun verhalten abwartet, ob der München-Besuch eine Wirkung haben wird.

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