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Kabarett

19.11.2019

Dietmayr im Hexenkessel

Michi Dietmayr überzeugte das Publikum bei seinem Auftritt im Canada in Obermauerbach. Foto: Alice Lauria

Der Kabarettist trifft in Obermauerbach auf viele Fans. Die lachen zum Teil Tränen und denken über seine Texte nach

Michael Dietmayr freut sich über „So vui Leit“ und „So scheene Leit“ im Canada in Obermauerbach. Der Münchener Liedermacher und Musikkabarettist gibt sich in dem ausverkauften Lokal vor knapp 120 Fans die Ehre.

Dietmayr singt bayerisch humorvoll in seinem bekannten Klassiker „Hunger, Pipi, Kalt“ über die Wehwehchen der Frauen, um im nächsten Atemzug die passende Antwort zu präsentieren. Bei „Fuaßboi, Schweinsbraten und a Hoibe Bier“ singt der Saal inbrünstig mit. Auch hier natürlich Frauen gegen Männer. Mit bestechend witzigen Texten wie „Von der great Lady phantastic zum Trottel der Stochastik“ zeigt Dietmayr nicht nur sein gesangliches, sondern auch vor allem auch sein rhetorisches Geschick beim Dichten und Reimen.

Sind viele Lieder vor allem amüsant und sollen zum Lachen bringen – was auch meisterlich gelingt – so sind doch auch viele Texte tiefgründig, melancholisch oder gesellschaftskritisch. Eine äußerst gelungene Mischung. So mutet der Refrain eines seiner ersten Lieder als gut gemeinter Ratschlag an „Einfach mal an Gang rausnehma, a bissl relaxen und nach hinten lehna“. Er referiert, selbst zweifacher Vater, urkomisch über pubertierende Kinder und ihren „Teenie Slang“.

Das Publikum ist voll bei der Sache und antwortet auf Dietmayrs Einlagen mit schallendem Gelächter. Der Comedian selbst bezeichnet das Canada daher als Hexenkessel. Wahrlich ist die Stimmung kaum zu überbieten. Im Publikum sitzen offenbar viele echte Fans des 44-Jährigen. Seine Idee, eine Kinderweihnachts-CD zu erstellen, sorgt für Lachtränen. Titel wie „In der Ochsenbraterei“ oder „Ich geh in meine Taverne“ könnten dort ebenso vertreten sein wie „I nieß dir ins Gnack“ statt „Feliz Navidad“. Das Publikum begleitet ihn beim Schreiben eines „Welthits“ mit gleichnamigem Titel. Frei nach dem Motto „Den schick i bis nach Kanada, made in Bavaria“.

Ob das Publikum schreckhaft ist, will der Münchner Kabarettist wissen, denn „Meine Frau kocht ab jetzt nur noch vegan“ und seine Antwort hierauf an die Gattin „ich frage sie, ob sie’s nicht wusste, ich hätt gern was mit Schweinekruste“ sind unter anderem der Inhalt des Liedes „So was verrücktes, so was fatales“. Melancholische Töne gibt es zu hören bei „Himmel warum weinst du“, ein 20 Jahre altes Lied, das nach einer Trennung entstand. Dietmayrs gefühlvolle Stimme voller Tiefe und Kraft zieht die Zuhörer in ihren Bann. Zeitweise rauchig, aber immer voller Emotionen.

Kein Auge bleibt trocken bei seiner Parodie auf den sächsischen Dialekt „Lüscht aus, Höse runter“. Die meisten Besucher scheinen es schon sehnsüchtig erwartet zu haben. Er echauffiert sich ebenso über Oktoberfest-Besucher, die die Münchner im bayerischen Dialekt belehren wollen, über den Unterschied zwischen München und „Minga“, über Mütter beim Jugendfußballspiel und die Erkenntnis seiner Beobachtungen derselben, die sind nämlich „der simple Beweis dafür, dass Weltfrieden ned geht“. Sein Lied voller Selbstironie „Schatz bitte nicht jetzt“ vertauscht geschickt die Rollen von Mann und Frau in der Partnerschaft und ihre stereotypischen Macken.

Dietmayr lebt sein Programm mit vollem Körpereinsatz. In einer gesellschaftskritischen Ballade heißt es „So a Kriag hat a grausames Gsicht, nur an Sieger bekanntlich nicht“ und regt zum Nachdenken an. Zwischen Liedern ohne Sinn, die ihn selbst herzlich zum Lachen bringen, kommen auch „Schenk ma a Liacht“ und „Scheißegal heit ist unser Fest“ im Repertoire des Kabarettisten vor. Bei seinem Hit „I hob koa Bier mehr“ bleibt im Canada kein Stuhl still stehen. 120 Zuschauer klatschen und singen lauthals mit. Mit „I hab an Frosch ogsoacht“ und seinem Sommerhit „Nippel schauen“ geht der Abend in einem Feuerwerk aus Lachsalven zu Ende.

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