1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Diskussionen am Spielfeldrand

Fußball

30.08.2014

Diskussionen am Spielfeldrand

In Merching haben Funktionäre des Bayerischen Fußballverbands im vergangenen Jahr eine Dokumentation über die Fair-Play-Liga gedreht. Das Konzept wird bayernweit eingeführt. Unmut löst das Verhalten vieler Eltern aus. 
Bild: Otmar Selder

Ab der kommenden Spielzeit führt der Verband bayernweit die Fair-Play-Liga beim kleinen Nachwuchs ein. Nicht jedem gefällt das Konzept ohne Schiedsrichter und Tabellen

Im Mai passierte schier Unglaubliches: ein Spielabbruch in der Fair-Play-Liga. Die F2-Begegnung zwischen dem TSV Meitingen und dem TSV Steppach endete jäh, als eine Mutter das Spielfeld stürmte, ihren weinenden Sprössling vom Rasen trug und einen Meitinger Spieler verbal anging. In hitziger Atmosphäre eskalierte der Streit, böse Worte fielen zwischen Trainern, Betreuern und Eltern. Letztlich entschied das Sportgericht: Meitingen verlor am grünen Tisch 0:2 und musste 100 Euro Strafe zahlen, Steppach noch 30 Euro.

Kreisjugendleiter Oskar Dankesreiter fühlt sich durch diesen Vorfall bestätigt. Die Probleme der Fair-Play-Liga sieht er nicht in den Kindern, die ohne Schiedsrichter ihre Angelegenheiten selbstständig regeln, sondern in den Erwachsenen am Spielfeldrand. „Das ganze Konzept steht und fällt mit dem Verhalten der Trainer, Betreuer und Eltern“, betont Dankesreiter mantramäßig. Niemand wolle den Trainern Anweisungen verbieten oder Eltern zum Schweigen bringen. „Aber alles muss im fairen Rahmen bleiben.“

Über zwei Jahre konnten sich Vereine ein Bild machen. Auf dem Verbandstag Mitte Juli in Bad Gögging hat der Bayerische Fußballverband (BFV) die bayernweite Einführung der Fair-Play-Liga beschlossen. In der F-Jugend (U9) wird künftig auf einen Unparteiischen verzichtet, nachdem sich Funktionäre bei Kreis- und Bezirkstagen darauf verständigten.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Unumstritten ist die Einführung nicht. Wiederkehrend wird Kritik an der Fair-Play-Liga geübt, die ohne Punkte und Tabellen auskommt. Einige Vereine fordern die Abschaffung. Deshalb leisten Kreisjugendleiter Dankesreiter und seine Verbandskollegen dieser Tage in Schulungen Überzeugungsarbeit.

Im Kreis Augsburg spielten schon in der vergangenen Saison alle F-Jugendlichen im Fair-Play-Modus. Dankesreiter macht sich keine Illusionen, verweist dabei auf den Abstand der Eltern zum Spielfeld, der bisher auf 15 Meter angesetzt war. „Wenn kein Verbandsfunktionär anwesend war, hat sich kaum einer daran gehalten“, sagt er. Dankesreiter räumt ein, dass dieser große Abstand auf etlichen Sportanlagen sowieso kaum zu schaffen sei.

Auch deshalb hat der BFV die Regeln vor der Pflichteinführung modifiziert, mit zwei Änderungen. Eine: Der Abstand der Zuschauer wird auf drei Meter verringert. Das wiederum sei eigentlich viel zu wenig, merkt Dankesreiter an. Er will sich daran jedoch nicht stören, solange alles geordnet abläuft.

Dies gelingt aber nicht immer, erklären Kritiker wie der Neusäßer Jugendtrainer Tobias Reiter. „Wer behauptet, die Kinder wollen nur Fußball spielen, Gewinnen ist ihnen nicht wichtig, der hat noch nie mit einem Siebenjährigen ‚Mensch ärgere dich nicht‘ gespielt“, erklärt er als Vater zweier kickender Söhne im Kleinschülerbereich.

Kritisiert wird zudem das Verhalten dominanter Kinder, die auf dem Platz ihre Gegenspieler überstimmten und nicht jedes Foul zugeben. Es gebe brave Kinder und andere, die mit dem Ball weiterliefen, weiß Georg Lechner, Jugendleiter des SV Obergriesbach. Prinzipiell sei er aber vom Konzept überzeugt, wie er betont. BFV-Funktionär Dankesreiter berichtet, auch hier wird nachgebessert. Weil es für Kinder mitunter schwierig ist, Spielsituationen und Fouls einzuschätzen, soll künftig ein Fair-Play-Leiter an der Seitenlinie stehen, den die Vereine vor Anpfiff bestimmen. „Bei krassen Fouls soll er eingreifen“, sagt Dankesreiter.

Oft werde dies aber gar nicht nötig sein, prophezeit Norbert Aulinger. Als Nachwuchstrainer des SVO hat er erst die Testphase begleitet, dann die erste reguläre Spielzeit. Wenn die Kinder grob die Regeln beherrschten, habe alles gepasst, berichtet Aulinger. Wie Dankesreiter nimmt er Trainer, Betreuer und vor allem Eltern in die Pflicht. „Wenn alle vernünftig sind, kommt etwas Gutes dabei heraus.“

Aulinger vertritt die Meinung, dass gerade im Kindesalter der Spaß beim Fußballspielen im Vordergrund stehen sollte – nicht Ergebnisse, Punkte und Tabellen. Erfolg spiegle sich nicht in Meisterschaften wider, meint er. „Als Trainer freue ich mich, wenn die Kinder im Spiel umsetzen, was wir im Training geübt haben.“

Auch ohne offizielle Tabellen, indirekt wirken sich die Spielausgänge aus. Nach der Herbstrunde werden die Mannschaften in stärkere und schwächere Gruppen eingeteilt, um die Chancengleichheit zu erhöhen. Ein ähnliches Verfahren schwebt Kreisjugendleiter Dankesreiter im Hallenfußball vor. Die Landkreismeisterschaft ist Geschichte, stattdessen wird über Spieltage diskutiert, die aufeinander aufbauen. Wie im Freien sollen die Teams dann nach Leistungsstärke in unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden. "Kommentar

Fair-Play-Schulung Am Mittwoch, 3. September, um 19 Uhr im Sportheim der DJK Stotzard.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
86690250.jpg
Aichach-Friedberg

So denkt die CSU-Basis über den Seehofer-Rückzug

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen