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Passionssingen

27.03.2012

Dreimal erschallt der Ruf „Kreuzige ihn“

Von der Empore erklangen alte Bläsermusiken aus dem 18. Jahrhundert gekonnt intoniert von dem Quintett der Pöttmeser Blaskapelle, von Michael Arzberger (links an der Trompete) zusammengestellt.
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Von der Empore erklangen alte Bläsermusiken aus dem 18. Jahrhundert gekonnt intoniert von dem Quintett der Pöttmeser Blaskapelle, von Michael Arzberger (links an der Trompete) zusammengestellt.

In der voll besetzten Pöttmeser Kirche St. Peter und Paul erleben die Besucher Musik, die ins Herz geht, und berührende Texte

Pöttmes Passionsspiele gehören zu den ältesten Vertretern des geistlichen Schauspiels, die sich seit dem 10. Jahrhundert aus der Osterliturgie entwickelt haben. Ausgangspunkt sind die dramatischen Berichte der Evangelisten, die zur darstellerischen und musikalischen Gestaltung geradezu herausfordern. Eine andere Art der Passion fand sehr gelungen am Passionssonntag in der Pöttmeser Pfarrkirche St. Peter und Paul statt. Nahezu ausschließlich einheimische Kräfte wirkten mit. Nur der Landfrauenchor trat als überregionaler Chor auf. Er beeindruckte nicht nur Pfarrer Thomas Rein, sondern auch die Besucher in der voll besetzten Kirche.

Wohldosiert und auf das Geschehen am Ölberg und der Verurteilung Jesu durch Pilatus abgestimmt war die Zusammenstellung von Gesang, Instrumentalmusik und Meditationstexten. Die Melodien sind zum Teil Jahrhunderte alt und stammen beispielsweise aus dem bayerischen Kloster Weyarn, aber auch aus dem Sudetenland oder gar von den Wolgadeutschen, wie Rupert Reitberger berichtete.

Zu hören waren das Bläserquintett, das Michael Arzberger aus der Pöttmeser Blaskapelle geformt hat, und der Echsheimer Männerchor unter der Leitung von Hans Käfer, ebenso wie der Riadmeshauser Gsang und die Stemmerhof-Musi – für beide war Marelies Hammerl aus Kühnhausen zuständig. Der Landfrauenchor des Wittelsbacher Landes sang unter der Leitung von Rupert Reitberger, der sowohl für das Programm als auch für die Gesamtleitung verantwortlich war.

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Sie alle führten abwechselnd mit einfühlsamen Weisen auf den Blas- und Volksmusikinstrumenten und betrachtenden Gesängen in Dur- und weichen Molltonarten – jeder auf seine Art und doch sich einfügend in das große Ganze – die Zuhörer vom Abschied im Abendmahlsaal über den Weg zum Ölberg. Dorthin, wo Jesus von den Jüngern verlassen allein mit der Todesangst kämpft und „der rote Schweiß von Jesu rann“, wie es in einem Lied hieß.

Die Meditationstexte, die Reitberger einstreute, ergänzten die Geschichte vom Leiden Jesu, wie diese von Zeitzeugen damals überliefert und in Verbindung mit den Berichten der Evangelisten zusammengefügt und geformt wurde.

Ganz undramatisch vollzieht sich die Gefangennahme. Doch dann wird die Szene vor dem Gericht des Pilatus sowohl zum dramatischen wie auch zum musikalischen Höhepunkt. Mit einer alten, aus dem 18. Jahrhundert stammenden Aufzugsmusik der Bläser konnte man das Vorführen Jesu von einer Kohorte begleitet, vor den Richter Pilatus erahnen. In das anschließende Bass-Solo des Pilatus (Rupert Reitberger mit bewegendem Vortrag) mischte sich der dreimalige Ruf der vereinten Chöre „Kreuzige ihn“, bis endlich das Todesurteil gesprochen ist. Geißelung, Dornenkrönung und Kreuzigung sind nur noch notwendige Folgen, die zu beklagen sind. „Aber es musste so kommen. Das Erlösungswerk erforderte den Tod. Ohne seinen Tod würden wir keine Weihnacht kennen, ohne Karfreitag gäbe es keinen Heiligen Abend“, berichtete Reitberger.

So war dieses Passionssingen sicher ein Höhepunkt in der Pfarrei St. Peter und Paul vor der anstehenden Karwoche. Pfarrer Thomas Rein wies eingangs auf die Töne des Leidens, der Rufe der Schmerzen, aber auch auf die Musik, die ins Herz geht, hin. Alle Akteure wurden dem gerecht. Am Schluss bedankte sich Pfarrer Rein mit großer Freude bei den Sängern und Musikern. Unterstützt wurden seine Worte vom Beifall der Besucher, die abschließend gemeinsam das Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“ sangen. Der erbetene Spendenerlös ist für den Bau eines Pfarrheimes gedacht. (rs)

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