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Aichach

07.09.2019

Drogen-Prozess: Tote Briefkästen dienen als Lieferadresse

Vor dem Amtsgericht Aichach musste sich ein 23-Jähriger wegen Drogenhandels verantworten.
Bild: Alexander Kaya/Symbolfoto

Ein 23-Jähriger bestellt Drogen im Darknet und verkauft sie. Dann verpfeift ihn ein Kunde. Bei den Ermittlungen kommt noch ein anderes Verbrechen ans Licht.

Einen schwunghaften Handel mit Ecstasy-Tabletten hat ein heute 23-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis ab Oktober 2017 betrieben. Rund ein Jahr lang ging das so. Dann verpfiff ihn einer seiner Abnehmer. Im Verhör bei der Polizei gab der 23-Jährige sogar mehr zu, als die Beamten ihm hätten nachweisen können. Dieser Punkt sprach bei der Verhandlung vor dem Schöffengericht am Aichacher Amtsgericht für ihn. Dort musste er sich wegen vorsätzlichen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in 15 Fällen und drei Fällen von Drogenhandel in nicht geringer Menge verantworten. Durch die Ermittlungen konnte die Polizei sogar ein anderes Verbrechen aufklären.

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Der Angeklagte beschrieb sich selbst vor Gericht als gelegentlichen Drogenkonsumenten. Seit knapp zwei Jahren greife er am Wochenende immer mal zu Ecstasy oder Amphetaminen, sagte er aus. Nachdem er seine Drogen vorher über Bekannte oder in Clubs gekauft hatte, verfiel er eines Tages auf die Idee, sie im Darknet – einem schwer zugänglichen Bereich des Internets – zu bestellen.

Aichach: Der Angeklagte verwendete die Briefkästen von leeren Wohnungen

Mindestens 15 Mal habe der 23-Jährige innerhalb eines Jahres jeweils mindestens 100 Ecstacy-Tabletten bestellt, warf ihm Staatsanwältin Stefanie Dylla vor. Mindestens drei Mal bestellte er 200 Tabletten pro Lieferung. Liefern ließ er sich die Drogen entweder nach Hause oder an verschiedene tote Briefkästen. Dazu verwendete der Angeklagte vor allem im Raum Augsburg die Briefkästen von leeren Wohnungen: Bei seinen Bestellungen gab er sie als Lieferadresse an.

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Die Drogen verkaufte er anschließend mit Gewinn. Bei einem Verkauf schnappte ihn die Polizei. Einer seiner Kunden hatte ihn verpfiffen. Bei einem fingierten Drogenkauf mit diesem Kunden verhaftete die Polizei den Angeklagten. Dieser sei bei seiner Aussage „sehr kooperativ“ gewesen, so der Polizeibeamte. „Er hat mehr angegeben, als wir ihm in dem Moment hätten nachweisen können.“

Außerdem spuckte der Computer beim Abgleich der DNA-Daten einen Treffer aus. Der Polizei gelang es damit, einen zwei Jahre zurückliegenden versuchten Einbruch aufzuklären, bei dem der Angeklagte Schmiere gestanden hatte. Er war deshalb heuer im Mai vom Amtsgericht wegen versuchten Einbruchs, Diebstahls und Sachbeschädigung zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Amtsgericht: Staatsanwältin berücksichtigt, dass der Angeklagte kooperativ war

Staatsanwältin Dylla berücksichtigte, dass der Angeklagte so kooperativ und ehrlich war. Er war nicht nur mit der Durchsuchung seiner Wohnung einverstanden gewesen, sondern stellte den Beamten auch die Zugangsdaten für sein Bitcoin-Konto zur Verfügung – eine digitale Währung, mit der er die Drogenkäufe bezahlte. Allerdings sei der 23-Jährige kein unbeschriebenes Blatt, so Dylla mit Blick auf dessen einschlägige Vorstrafen. Den logistischen Aufwand, den er mit seinem Drogenhandel betrieb, wertete sie als „beträchtliche kriminelle Energie“. Die Staatsanwältin forderte unter Einbeziehung der zehnmonatigen Bewährungsstrafe eine dreijährige Haftstrafe. Außerdem plädierte sie für den Einzug von rund 6300 Euro, die der 23-Jährige mit den Drogen verdient hatte. Verteidigerin Petra Dittmer machte deutlich, dass ihr Mandant von den Drogen wegwolle und den Kontakt zu seinem Freundeskreis abgebrochen habe. Sie plädierte für eine zweijährige Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Das Schöffengericht folgte der Argumentation der Staatsanwältin. Es verurteilte den Angeklagten zu drei Jahren Haft und ordnete den Einzug von 6300 Euro an. Das Gericht würdigte die Ehrlichkeit des 23-Jährigen, sah aber auch das planvolle Vorgehen mit den toten Briefkästen. „Das war der Einstieg in die Karriere als Drogendealer“, sagte Walter Hell, Vorsitzender des Schöffengerichts.

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