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Geschichte

19.04.2016

Ein 500 Jahre altes Buch kehrt nach Aichach zurück

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Christoph Lang, Leiter des Stadtmuseums, (rechts) ist es gelungen, ein 500 Jahre altes Buch des Aichacher Astronomen, Mathematiker und Arztes Johannes Angelus zu kaufen. Bürgermeister Klaus Habermann ist stolz auf diesen Schatz.
Bild: Gerlinde Drexler

Johannes Engel aus Aichach war Mathematiker, Astronom und Arzt – und als Gelehrter gefragt. Dass sich die Erde um die Sonne dreht, sah er wie Nikolaus Kopernikus. Aber die Sache mit dem „Paukstudio“ bleibt rätselhaft

Er gehörte zu den Studenten der ersten Stunde an der 1472 gegründeten Bayerischen Landesuniversität in Ingolstadt. Später wurde Johannes Engel, ein gebürtiger Aichacher, dort selbst Professor. Augsburg war eine der Städte, in denen er im 15. Jahrhundert als wissenschaftliche Kapazität auf dem Gebiet der Mathematik, Physik, Astronomie und Medizin galt. Seine Werke sollen auch Einfluss auf die großen deutschen Astronomen Johannes Kepler und Nikolaus Kopernikus, beides Zeitgenossen, gehabt haben. Ein besonderes Zeugnis vom Wissen dieses Wissenschaftlers hat nun das Stadtmuseum Aichach erworben: eines der wenigen erhaltenen Bücher von Johannes Engel. Das Besondere daran: Es wurde 1502 in Venedig gedruckt und ist damit das älteste Buch eines Aichachers, das das Stadtmuseum besitzt. Es sei eine Seltenheit, wenn überhaupt ein Buch von Engel auftauche, freut sich der glückliche Museumschef Christoph Lang.

Der Autor wurde etwa um 1460 in Aichach geboren. Konrad und Elisabeth Engel, Schuhmachersleute, dürften die Eltern des berühmten Mathematikers Johannes Engel gewesen sein, vermutete bereits der damalige Kreisheimatpfleger Karl Leinfelder im September 1956 in einem Artikel für das Aichacher Heimatblatt. Auch darüber, wo das Geburtshaus des Gelehrten gestanden war, hatte Leinfelder recherchiert. Nach seinen Feststellungen muss es im sogenannten Schledergäßchen gewesen sein, der heutigen Essiggasse in Aichach.

Seine Studien soll Engel in Wien begonnen haben. Um 1472 taucht der Name des Astronomen erstmals in Unterlagen der Universität Ingolstadt auf. „Johannes Engel de Aichach“ wurde als erster Lector ordinarius für Mathematik und Astronomie mit planmäßiger Besoldung an die Universität Ingolstadt berufen. Engel habe an der Universität die erste Fachprofessur für Mathematik innegehabt, hat Museumsleiter Lang recherchiert.

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Erst sechs Jahre nach seiner Promotion war Engel im September 1480 ins Konzil der Artistenfakultät aufgenommen worden. Im Biografischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München berichtet Christoph Schoener darüber, dass Engel gemeinsam mit dem gebürtigen Landshuter Ulrich Ranpeck und einem weiteren Magisterkollegen versuchte, eine Art „Paukstudio“ aufzubauen. Interessierte Studenten sollten gegen Entgelt in humanistischen Fächern unterrichtet werden. Das Projekt war ein finanzieller Misserfolg. Schoener vermutet, dass dieses Scheitern sowie Engels Verbindung mit Ranpeck der Grund waren, warum er erst so viele Jahre später in die Fakultät aufgenommen wurde.

Der Gelehrte befasste sich intensiv mit Astronomie und Astrologie. Ab 1484 erschienen von ihm regelmäßig Almanache und Praktiken, die aber nur teilweise überliefert sind. Engel verfasste regelmäßig astrologische Tafelwerke, insbesondere für medizinische Anwendungen und Voraussagen der politischen Ereignisse und des Wetters. Solche Berechnungen erfolgten damals auf der Grundlage der Alfonsinischen Tafeln aus dem 13. Jahrhundert. Er habe in der Zeit unter Kaiser Maximilian I. in den Städten Ingolstadt, Würzburg, Venedig, Augsburg und Wien auf dem Gebiet der Mathematik, Astronomie und Medizin als wissenschaftliche Kapazität gegolten, schreibt Leinfelder. Engel (lat. Ioannes Angelus) starb 1512 in Wien. Museumsleiter Lang berichtet, dass der gebürtige Aichacher ein früher Anhänger von Nikolaus Kopernikus war. „Er war einer der Ersten, die ihm mit dem heliozentrischen Weltbild gefolgt sind.“

Das rund 500 Jahre alte Buch des Gelehrten ist in Latein verfasst und trägt den Titel „Astrolabium planum in tabulis ascendens etc“. Es gehe darin vor allem um die Sternzeichen und deren Deutung, sagt Lang. Etwas Besonderes sind die vielen Abbildungen von interessanten altkolorierten figürlichen Holzschnitten auf den schon etwas vergilbten Seiten.

Für Lang hat das Buch noch eine andere Bedeutung. „Es steht genau am Beginn des Interesses an Naturwissenschaften.“ Das Buch sei ein „pars pro toto“ für die Zeitenwende, begeistert sich der Museumsleiter. Es stehe also als Teil des Ganzen stellvertretend für das Ganze. Im Rahmen vom „Studium generale“ plant Lang für das kommende Semester Beiträge über Engel, Universitätsklüngel und die Bedeutung von Mathematik und Astronomie in der damaligen Zeit. Außerdem soll das Buch parallel dazu im Stadtmuseum ausgestellt werden.

Das Museum hat laut Lang für das Buch „eine niedrige vierstellige“ Summe bezahlt. 2003 war eines der wenigen erhaltenen Exemplare von Engels Buch „Astrolabium planum in tabulis“ im Auktionshaus Christies in London für 13000 Pfund verkauft worden. Schon damals war die Stadt interessiert, ein Amerikaner ersteigerte es.

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