Engagement

17.10.2016

Ein Dorf wird Wirt

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Der Vorstand des Bürgervereins: (von links) Stefan Achter, Jürgen Hörmann, Cornelia Breitsameter, Sabine Liebl, Peter Joder, Simone Seyfried und Konrad Achter.
Bild: Katharina Wachinger

Das Bürgerhaus in Zahling hat sich gut etabliert. Sein zweites Leben verdankt das Gebäude vor allem den Bewohnern des Obergriesbacher Ortsteils.

Obergriesbach-Zahling „Bürgerhaus Zahling – do bin i dahoam“, steht auf dem Schild am Ortseingang. Dahoam fühlen sich dort mittlerweile nicht mehr nur Zahlinger Bürger, auch Gäste aus der Umgebung kommen gerne. Der Zusammenhalt wird in dem Ortsteil von Obergriesbach großgeschrieben. Mit dem Bürgerhaus und den regelmäßigen Veranstaltungen, die dort seit etwa drei Jahren das Haus beleben, ist die Dorfgemeinschaft noch enger zusammengerückt.

Nachdem das ehemalige Wirtshaus schon eine Weile leer stand, legte die Gemeinde Obergriesbach 2013 den Zahlinger Vereinen nahe, das Haus in Eigenregie zu bewirtschaften. Nach anfänglichem Zögern erklärten sich die Vereine zu einen Probebetrieb bereit. Im Januar 2014 wurde der Bürgerverein Zahling mit Peter Joder als Erstem Vorsitzenden gegründet. Die Wirtschaft und der Saal waren damals voll – viele wollten als Mitglied dabei sein.

Heute zählt der Bürgerverein 321 Mitglieder, und das bei einer Einwohnerzahl von 515. Einige bauliche Veränderungen, für die die Gemeinde das Geld gab, waren nötig. Die Mitglieder führten die Arbeiten in Eigenregie aus: die Toiletten wurden erneuert, im Saal schalldämmende Elemente angebracht und optische Verschönerungen vorgenommen. Sämtliche Nebenkosten für die Wirtsräume zahlt der Verein.

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Peter Joder sagt aber auch: „Es brauchte einige Wochen, bis es lief. Wir haben uns am Anfang andere Bürgerhäuser angeschaut.“ Bürgermeister Josef Schwegler und die Gemeinde sind dem Bürgerhaus gegenüber positiv gestimmt. In Zukunft sei gerade für kleine Gemeinden ein Bürgerhaus wichtig, ist Schwegler überzeugt.

Das Bürgerhaus in Zahling sei ein Vorzeigebeispiel. Vorrangig sollte mit dem Projekt den Vereinen eine Plattform geboten werden – mit dem Hintergedanken, das Gebäude zu erhalten. Der Schützenverein hat im Obergeschoss seine Bleibe und der Chor im Anbau sein Domizil. Die Freitage als feste Termine kommen gut an und werden von den Zahlingern mit Ideen und Einsatz mitgetragen.

Die Speisekarte reicht von Hausmannskost über nordische Gerichte und bietet auch mal russische und türkische Speisen oder Pizza. Die wechselnden Wirte sollten aber Mitglieder sein, um sich zu identifizieren und den Betrieb kennen zu lernen. Darauf legt der Vorstand Wert. Jürgen Hörmann sagt: „Wir freuen uns über jeden Gastwirt“.

Montags bietet eine ausgebildete Tanzlehrerin „Tanzen für Groß und Klein“ an. Der Dienstag gehört den Frauen vom Yoga. Zur Unterstützung der Seniorengruppe Obergriesbach-Zahling gestalten die Zahlinger zwei Mal im Jahr einen Seniorennachmittag. Und die Stefan-Bradl-Fans kommen zu ihren Treffen im Bürgerhaus zusammen. Nicht zu vergessen sind die Faschingsfeiern. Die Frauen freuen sich, dass sie jetzt auch alleine ins Wirtshaus gehen können, weil sie hier nun eigentlich immer Freunde und Bekannte treffen würden. Das Bürgerhaus solle aber keine Konkurrenz zur Gastwirtschaft sein und könne auch nicht privat gemietet werden, betont Jürgen Hörmann. Mitglieder können es aber für private Feiern nutzen.

Das Gebäude gehört der Gemeinde Obergriesbach und war früher ein Schulhaus. Von 1951 bis 1969 waren hier zwei Klassen untergebracht – im Keller befand sich das Haus der Bäuerin mit Waschmaschinen und einer Kühlanlage für das ganze Dorf. Bald darauf folgte der Kastl-Wirt, der 32 Jahre das Gasthaus betrieb. Die Wirtsleute Annemarie und Josef Kastl waren über Zahling hinaus bekannt für ihre gute bayerische Küche.

Kleinere Veränderungen stehen immer wieder mal an. So wurde vor kurzem die Erneuerung des Biergartens gefeiert. Warum das Ganze so gut funktioniert, fasst Schriftführerin Sabine Liebl in einem Satz zusammen: „Ein Dorf wird Wirt“.

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