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Musik

19.02.2018

Ein Konzert der Kostbarkeiten

Die Bläser von namhaften Orchestern überzeugten: Es spielten (von links) Sebastian Poyault, Chloé Payot, Christoph Knitt, Florian Bensch, Paul Wheatley, Felix Hetzel de Fonseka, Johannes Lamotke, Milos Mitrovski und Georg Arzberger.
Bild: Manuela Rieger

Das Charlottenburger Bläserensemble gastierte mit dem Bassisten Paul Wheatley im Aichacher Pfarrzentrum

Was macht den Reiz vieler Adaptionen von Arien oder Liedern für Instrumentalisten aus? Zum Beispiel die Möglichkeit, unterschiedliche Charaktere der Instrumente zu zeigen und Klangpersönlichkeiten zu schaffen. So geschehen im Aichacher Pfarrzentrum bei der Konzertreihe von Arzberger Classics mit den Charlottenburger Bläsersolisten. Alles doppelt: Auf diese Kurzformel kann man die Besetzung des Bläseroktetts bringen, denn die Instrumente Oboe, Klarinette, Fagott und Horn waren jeweils zweifach vertreten.

Die Besetzung des Bläseroktetts hatte ihre Blüte im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert und diente insbesondere dem Adel dazu, seine Gäste mit Bearbeitungen bekannter Werke zu unterhalten. In dieser Tradition bewegt sich auch das Programm der Charlottenburger Bläser. Allerdings handelt es sich nicht um mittelmäßige Bearbeitungen, sondern ausschließlich um qualitativ anspruchsvolle Kompositionen. Mit Mozarts c-Moll-Serenade KV 388, der „Nacht-Musique“, steht zudem ein Meisterwerk auf dem Programm. Doch zu Beginn Mozarts „Così fan tutte“ (So tun sie alle). Die absurde Geschichte der Verlobten, die am Ende gut ausgeht. Inmitten all dieser Poesie kommt einer der nachdenklichsten Momente: Soave sia il vento (Mögen die Winde sanft sein). Die Frauen wünschen Alfonso und den Soldaten sichere Reise, wenn ihr Schiff segelt. In dem wellenförmigen Spiel des Bläseroktetts zusammen mit dem Kontrabass von Paul Wheatley ist ein Hauch des ruhigen Ozeans zu hören. Die Musik ist ausdrucksstark und kann nicht vollständig in Worten beschrieben werden.

Einem tragischen Schicksal gehört der Beginn des zweiten Teils des Konzerts. Wahrlich eine gewagte Kontrastdramaturgie: Erst im Jahr 1990 begann die Musikwelt, sich auf den völlig vergessenen jüdischen Komponisten Gideon Klein zu besinnen. Erst damals konnte Kleins Werk durch einen glücklichen Fund um sein 1939/40 komponiertes Divertimento ergänzt werden. Es folgt im Klang und in der volksmusikalischen Inspiration der tschechischen Bläsertradition von Dvorák, verbindet diese jedoch mit sarkastischem Humor und einem todernsten Blick auf die Lebenswirklichkeit, die Klein in dieser Zeit umgab. Gideon Kleins Divertimento für Bläseroktett, das als Schlüsselwerk seines Schaffens gilt und die politischen Erlebnisse dieser Zeit verarbeitet – der unterhaltsame Duktus eines klassischen Divertimentos verwandelt sich hier in sein Gegenteil. Eine kleine Herausforderung für die Oboisten Chloé Payot und Sebastian Poyault. Die Fagottisten Christoph Knitt und Florian Bensch müssen im zweiten Satz vollen Einsatz zeigen. Die Hornisten Johannes Lamotke und Felix Hetzel de Fonseka zusammen mit den Klarinettisten Milos Mitrovski und Georg Arzberger begeistern alle ihr Publikum und erhalten verdienten Applaus.

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Der erste Satz ist ein greller, grotesker Marsch im Fünfvierteltakt, der an seinen Lehrer Arnold Schönberg oder auch manchen an Paul Hindemith erinnert. Im Allegretto entfalten sich geschwätzige Motive zwanglos über einer immer wieder unterbrochenen Wiederholung der Fagotte. Das wunderschöne Variationsthema des Adagios entnahm Klein aus Janáceks Tagebuch eines Verschollenen, bevor der Komponist im vierten Satz Zuflucht zur Vitalität tschechischer Volkstänze nimmt.

Zur Versöhnung mit dem Publikum noch Mozarts Serenade in c-Moll. Nach einer Zugabe mit einem weiteren Stück aus „Così fan tutte“ werden die neun Musiker, die allesamt in namhaften Orchestern spielen, endgültig von der Bühne entlassen.

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