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Jubiläum

24.06.2017

Ein Priester mit Leib und Seele

Am morgigen Sonntag feiert Pfarrer Othmar Kahlig sein 50. Priesterjubiläum. In der Pöttmeser Pfarrkirche St.Peter und Paul wird der Geistliche mit Pfarrer Thomas Rein und Kaplan Helmut Epp den Gottesdienst zelebrieren.
Bild: Vicky Jeanty

Der langjährige Gundelsdorfer Pfarrer Othmar Kahlig ist seit 50 Jahren Priester. Sein Ruhestand ist nicht ruhig

Pöttmes Othmar Kahlig war sieben Jahre alt, als er mit seinen Eltern, der älteren Schwester und dem sechs Wochen alten Bruder den heimatlichen Hof in Groß-Petersdorf, Kreis Olmütz, im ehemaligen Sudetenland, verlassen musste. Im Mai 1947 ging es im Viehwaggon über Prag nach Bobingen. Der heute 76-Jährige erinnert sich noch an viele Details der abenteuerlichen Flucht.

Dass er nun 50 Jahre im Dienst des Herrn wirkt, hält er für gar nicht selten. Selten ist jedoch das Jubiläumsdatum: Vor 50 Jahren wurde er an einem 25. Juni in der Christ-König-Kirche des Augsburger Ortsteils Hammerschmiede geweiht. Am Sonntag ehrt die Pfarreiengemeinschaft Pöttmes den beliebten Geistlichen mit einem Festgottesdienst und gratuliert im Anschluss beim traditionellen Pfarrfest.

„Das war halt so“, wiederholt Kahlig rückblickend. Das war halt so, dass die Familie in Bobingen in einer Baracke wohnte und dann in einen Hof in Schwabmünchen einquartiert wurde, in dem bereits drei Familien wohnten. Die Flüchtlinge seien nicht sonderlich beliebt gewesen, sagt Kahlig. Vieles, was sich derzeit mit den Asylbewerbern abspiele, erinnere ihn an früher. Die Mutter half bei den Feldarbeiten, der Vater fand eine Anstellung als Zimmermann in Lagerlechfeld und später in Langerringen (Landkreis Augsburg). Hier wurde Kahlig eingeschult. Othmar Kahlig war ein begabter Schüler und ein eifriger Ministrant. Der Pfarrer überzeugte die Eltern, dass der Bub nach Augsburg an die Ober-Realschule gehen sollte. Nach der Aufnahmeprüfung wechselte er auf das Gymnasium St. Stephan. Dort machte er nach acht Jahren das Abitur. Inzwischen wohnten die Eltern in der Hammerschmiede in einer Wohnsiedlung, die die Stadt von und für Bauarbeiter hatte bauen lassen. „Ein rotes Viertel, da war was los“, erinnert sich Kahlig.

Nach dem Abitur teilte der junge Mann den Eltern mit, dass er Priester werden wolle. Der Vater reagierte fassungslos, er hatte sich eine andere Zukunft für ihn vorgestellt. Othmar Kahlig studierte zunächst noch in St. Stephan, bevor er an das Priesterseminar Dillingen ging und dort 1966 zum Diakon geweiht wurde. Seine Primiz feierte er in der Heimatkirche in der Hammerschmiede. Nach Stationen in Schiltberg, Oettingen und Kaufbeuern kam er 1986 nach Gundelsdorf. Hier wirkte er als Pfarrer bis zu seiner Emeritierung vor sechs Jahren. Seitdem wohnt er in Pöttmes.

Der Ruhestand wurde schnell zum Unruhestand. Seit dem Tod seiner Haushälterin versorgt sich der Geistliche selbst. Jeden zweiten Sonntag hält er den Gottesdienst in den Ortsteilen, er kümmert sich regelmäßig im Pflegeheim St. Hildegard um Senioren. Aus Zufall betätigt er sich als Ahnenforscher. In alten Kirchenbüchern im ehemaligen Troppau, dem jetzigen tschechischen Opava, stieß er auf seine Vorfahren „Kolig“, die später als Kahlig gelistet wurden und bis 1680 zurückzuverfolgen sind.

„Es geht immer alles weiter“, sagt Othmar Kahlig, wenn er sein Leben und das seiner Eltern und Geschwister betrachtet. Schicksalsschläge gehörten dazu, aber auch viele schöne und bewegende Momente. Mit seinem ersten Auto chauffierte Kahlig seine Eltern in die alte Heimat. Ein wichtiges Stück emotionale Aufarbeitung sei das gewesen, sagt er. Auch eine Bestätigung dafür, dass seine Familie in Augsburg längst eine zweite Heimat gefunden hätte.

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