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17.07.2010

Ein gar nicht lammfrommer Bauer

Beim Altstadtfest in Friedberg wurde das Theaterstück "Der Schafweideprozess" aufgeführt. Der Staatsanwalt verliest gerade die Anklageschrift. Foto: Miriam Schmidt
Bild: Miriam Schmidt

Friedberg Eine Gerichtsverhandlung nach neunjähriger Beweisaufnahme - und das wegen grasender Schafe. Heutzutage wäre das undenkbar. Anfang des 19. Jahrhunderts hat sich dies aber so in Stätzling abgespielt.

Beim Verfassen an historische Unterlagen orientiert

Zum Altstadtfest ließ die Volksschule Stätzling-Derching diesen Rechtsstreit im Friedberger Schlosshof wieder aufleben. Rektor Hermann Kollmansperger hatte das Stück "Der Schafweideprozess" verfasst, das von der Schulspielgruppe (Leitung: Tina Almanstötter und Rosi Kuttner) auf die Bühne gebracht wurde. Beim Verfassen orientierte sich der Schulleiter an historischen Unterlagen. Auf der "Anklagebank" saß der revolutionäre Andres Bauer aus Stätzling. Er hatte ohne Erlaubnis seine Schafe auf der Weide grasen lassen und somit gegen das "Schafweiderecht" verstoßen. "Ja, soll ich's mit Sauerkraut oder Radieschen füttern", sagte der Bauer frech, als er dem Graf von Stätzling vorgeführt wurde. Das verärgerte den Grafen so, dass er nur durch Tanz und Musik wieder besänftigt werden konnte.

So stellten die Instrumental- und Tanzgruppe unter Leitung von Simone Berchtenbreiter und Sabine Simon mit Geige, Blockflöte, Orff, Gesang und Tanz die gute Laune des Grafen wieder her. Und auch beim Richter hinterließ Andres Bauer keinen guten Eindruck. "Ja freilig, hab i des gewusst. Aber es hat mir gestunken", sagte er. Als der Richter dann ungläubig nachhakte, bekam er "übel gerochen - geärgert hab i mi" als Antwort. Und auch mit dem Vorwurf, der Graf wolle nur die Preise für die Schafswolle drücken, konnte der Bauer nicht gerade beim Richter punkten. Da halfen selbst die Ermutigungen der anderen Bauern wie "zeig's ihm" nichts.Und auch, dass der Verteidiger sich auf Grundrechte berief, konnte Andres Bauer nicht retten. "Wir leben hier in Bayern, nicht in Frankreich", bekam er vom Richter zu hören. So wurde Bauer schließlich für schuldig befunden.

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Nicht nur bayerische Texte werden beherrscht

Und die Gerichtskosten mussten die Stätzlinger Bauern auch noch übernehmen. Seit Februar hat die Schulspielgruppe für diesen Auftritt geprobt. Beherrscht werden mussten nicht nur bayrische Texte. Auch Latein wurde in der Aufführung einbezogen: "Quod licet Iovi, non licet bovi." (Was Jupiter erlaubt ist, ist dem Rindvieh noch lange nicht erlaubt.) So gab es trotz der eigentlich traurigen Geschichte doch etwas zu lachen bei witzigen Sprüchen.

Am Schluss waren auch die Schauspieler zufrieden

Dafür ernteten fast 40 Akteure einen riesigen Applaus. So waren auch die Schauspieler letztendlich zufrieden. "Es war lustig", sagte Christopher Reindl, der Andres Bauer gespielt hatte. Da konnte sich Theaterleiterin Rosi Kuttner anschließen: "Es war unglaublich, wie sie sich gesteigert haben."

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