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20.06.2009

Ein leidenschaftlicher Sammler und Musiker

Aichach (ech) - Am 20. Juni 2009 ist es hundert Jahre her, dass ein Aichacher Original das Licht der Welt erblickte. Die Rede ist von Heini Baronner - weit über die Grenzen des Altlandkreises Aichach hinaus bekannt als leidenschaftlicher Musiker und Sammler von echter Volksmusik. So hat Heini Baronner viel Musikgut erhalten, das sonst wohl verloren gegangen wäre. Experten bezeichnen den Vollblutmusiker heute noch als einen Kiem-Pauli (Paul Kiem, bayerischer Volksmusiker, Anm. d. Red.) vom Aichacher Land. Am 28. April 1972 starb er mit 62 Jahren nach einem schweren Verkehrsunfall.

Geboren wurde Heinrich Baronner am 20. Juni 1909 in Willprechtszell, wo sein Vater Alois von 1904 bis Dezember 1909 Schullehrer war. Dann zog die Familie, zu der auch die Geschwister Hans, Sophie und Toni zählten, nach Tödtenried. Alois Baronner war dort Lehrer und Organist, später auch in Obergriesbach. Als Alois Baronner 1938 starb, zog seine Frau Anna nach Aichach. Nach ihrem Tod im Jahre 1960 wurde sie auf dem Alten Friedhof neben ihren Mann begraben. In diesem Familiengrab fand auch Heinrich Baronner seine letzte Ruhe.

Sein erstes Geld verdiente sich Heinrich Baronner mit seinem Hobby, dem Fotografieren. Davon leistete er sich eine Flöte - wohl der Start seiner Musikerleidenschaft. Mit zwölf Jahren fing er an zu musizieren und brachte sich die meisten Instrumente selbst bei. Nur im Klavierspielen nahm er ein Jahr lang Unterricht. Das Orgelspiel erlernte er an der Musikhochschule. Über zwölf Instrumente beherrschte Heini Baronner, wobei die Klarinette sicher sein Lieblingsinstrument war.

Mit seiner Schwester Sophie spielte er schon als Jugendlicher in einer Aichacher Kapelle mit.

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In den Nachkriegsjahren spielte er bei Hochzeiten und zum Tanz

Nach der Volksschule erlernte er an der Handelsschule in Augsburg den Beruf des Kaufmanns und trat 1939 in den Dienst des Aichacher Finanzamtes. Nach den schweren Kriegsjahren kehrte er 1945 in seine Heimatstadt zurück. Die Zeit bis 1953, bis er seine Arbeit beim Finanzamt wieder aufnehmen konnte, überbrückte er mit seiner Musikkapelle. Die spielte nicht nur in Aichacher Tanzsälen und bei Volksfesten auf, sondern auch bei Bauerhochzeiten im Umland. Dabei übernahm Baronner meistens auch das "Aussingen" beim Krauttanz. Nebenbei war Baronner auch Organist in Walchshofen. Die Kapelle spielte bei Bällen mit sechs bis acht Mann, manchmal auch mehr. Meist aber trat sie beim Stieglbräu in Aichach auf. Baronners Markenzeichen war der "Klarinetten-Muckl", bei dem er sein Instrument hoch in die Luft warf und wieder auffing. Die Leute hielten ihn für einen Sonderling und nannten ihn scherzhaft "Patroner-Heini".

In Fachkreisen dagegen war Baronner als besonderer Kenner altbayerischen Musikguts bekannt. Leidenschaftlich sammelte er uralte Noten ("Tänze aus dem Aichacher Land"). Stücke, zu denen es keine Noten gab, brachte er zu Papier. Sein Weggefährte Heinz Bühler sagte einmal: "Wenn der Heini ein altes Musikstück hörte, konnte er sofort die Noten auf Papier schreiben, was wir anderen Musikanten nicht konnten."

Das legendärste Stück dürfte der "Landesvater-Dreher" gewesen sein, den er für den damaligen Ministerpräsidenten Alfons Goppel aufschrieb. Als Goppel Aichach besuchte, wurden ihm die Noten überreicht, worauf der Landesvater seinen Dreher mit seiner Frau tanzte, begleitet von Heini Baronner.

Der Bayerische Rundfunk lud die Bauernmusi oft ins Studio ein

Aus Liebe zur Volksmusik gründete Baronner mit Musikerfreunden auch die mittlerweile legendäre Aichacher Bauernmusi. 1966 wurde der Bayerische Rundfunk (BR) auf diese aufmerksam: Beim Musikantenwettbewerb in Rosenheim, an dem sich Kapellen aus ganz Bayern beteiligten, belegten die Aichacher den dritten Platz.

Danach engagierte sie der Rundfunk für die Radiosendung "Am Abnd in der Stubn". Wegen ihrer Fachkompetenz lud der BR die Aichacher Bauernmusi immer wieder ins Studio ein und nahm mit ihr an die 45 Titel für die Nachwelt auf Band auf.

Erfolge im internationalen Bereich hatte Heini Baronner mit der Bauernmusi Ende der 60er-Jahre bei einer Tournee durch Irland und 1971 bei einer Unesco-Volksmusikveranstaltung in Hindelang. Baronners letzter großer Auftritt war Anfang 1972: Im Münchner Löwenbräukeller umrahmte er die Sendung "A weni kurz - a weni lang".

Am 28. April 1972 starb Heinrich Baronner: Er war mit dem Auto in der Aichacher Bahnhofstraße gegen einen Baum geprallt. Seine Bauernmusi war da noch bis September ausgebucht.

1989, zu Baronners 80. Geburtstag, beschloss der Stadtrat auf Vorschlag des damaligen Bürgermeisters Alfred Riepl einstimmig, den Weg an der Heimgartenanlage entlang des Griebacherls "Heini-Baronner-Weg" zu nennen. In der Heimgartenanlage hatte der Volksmusikant ein Gartenhäuschen besessen, wo er zur Freude der Nachbarn oft auf seinen Instrumenten übte.

Gedenken Zu seinem 100. Geburtstag widmet die Stadt Aichach Heinrich Baronner eine Sonderausstellung. Eröffnet wird sie am 19. September im Stadtmuseum.

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