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Bombenfund

27.12.2016

Eine Ausnahmesituation auch für das Wittelsbacher Land

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247 Feuerwehrleute aus dem Landkreis Aichach-Friedberg waren bei der Evakuierung im Zuge der Entschärfung der Fliegerbombe in Augsburg im Einsatz.
Bild: Alexander Schmid (Feuerwehr)

Viele Ehrenamtliche aus dem Landkreis waren wegen der Evakuierung in Augsburg im Einsatz. Die Friedberger Pfarrei Sankt Jakob hat ein ganz besonderes Erlebnis

Der Bombenfund in Augsburg kam sogar in der Friedberger Weihnachtspredigt vor. Stadtpfarrer Markus Hau sagte: „Wer von uns hätte das je gedacht, dass wir Friedberger zur Weihnachtskrippe für Augsburger werden.“ Die Friedberger hatten ihr Pfarrzentrum für 25 Menschen mit Behinderungen aus der Caritas-Wohnstätte Ulrichsheim angeboten. „Menschen aufzunehmen, das gehört zu Weihnachten“, so Hau. Etwa die Hälfte der 25 Ulrichsheimer, die früh am Morgen ihr Zuhause verlassen hatten, feierte den Festgottesdienst in der Pfarrkirche mit. Für sie hatte man die erste Reihe reserviert. Als Hau sie begrüßte, fingen die Gottesdienstbesucher spontan zu Klatschen an. Friedberger hatten einen Weihnachtsbaum für das Pfarrzentrum gestiftet, den die Ministranten schmückten. Der Kirchenchor sang für die Gäste, danach gab es Pizza. Und für eine Frau wurde die „Herbergsuche“ zu einem besonderen Tag: Sie feierte ihren 69. Geburtstag.

Doch nicht nur die Pfarrei in Friedberg bot Unterkunft, auch die Meringer Caritas-Seniorenzentren St. Agnes und St. Theresia machten mit. St. Agnes hat 60 Bewohner des Caritas-Seniorenzentrums St. Anna Lechhausen aufgenommen, St. Theresia 25. Klaus Mayinger, Leiter von St. Agnes, war von dem Zusammenhalt begeistert. Er selber spielte an der E-Orgel Weihnachtsmusik. Nach dem Mittagessen konnten alle Gottesdienst feiern. Danach gab es Kaffee und Kuchen sowie einen Spielfilm. Die alten Menschen waren trotz aller Gastfreundschaft aber froh, als sie wieder abgeholt wurden, so Caritas-Sprecher Bernhard Gattner.

247 Feuerwehrleute aus dem Wittelsbacher Land machten sich laut Kreisbrandrat Ben Bockemühl mit ihren Fahrzeugen nach Augsburg auf. Aus allen Gemeinden waren Hilfskontingente abgestellt worden. „Nach einer Einweisung haben die Einsatzkräfte die Anwohner geweckt und gewarnt. Um 12.07 Uhr waren unsere Abschnitte in Lechhausen und Hochzoll dann evakuiert“, so Bockemühl. Gegen 16 Uhr, während die Sprengmeister noch mit der Entschärfung der Bombe beschäftigt waren, seien die meisten Feuerwehrler aus dem Landkreis wieder abgerückt. Für Bockemühl hatte der Einsatz auch etwas Gutes: „Alle haben zusammengearbeitet. Wir haben Schokoladennikoläuse an Kameraden verteilt und mit unseren Kollegen von THW, BRK und Polizei eine Art Weihnachtsfeier bei Kaffee und Plätzchen gehabt.“

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Thomas Winter, Rettungsdienstleiter beim BRK Aichach-Friedberg, berichtet, man sei inklusive Wasserwacht mit 130 Helfern von Pöttmes bis Mering im Einsatz gewesen – über 40 mehr, als sich zuerst gemeldet hatten. Die Kräfte waren auf dem Plärrergelände stationiert und holten von dort bis nachmittags immobile Menschen ab. Abends brachten sie sie nach der Entschärfung wieder zurück – teilweise bis gestern Morgen um sechs Uhr. Danach mussten sie die Wagen noch waschen, säubern und in die Dienstellen zurückbringen. Laut Winter hatte sich auch das Krankenhaus Friedberg auf die Situation eingestellt und Kapazitäten bereit gehalten, die dann auch zum Einsatz kamen.

Michael Rosner, Malteser, erzählt: „Auch von uns fiel eine Last ab, als die Bombe entschärft war. Wir waren am Plärrer für ,akute Anforderungen‘ stationiert. Letztlich wurden wir aber nicht für einen Transport benötigt. Um 12.30 Uhr konnten wir abrücken.“

Von Berufs wegen im Einsatz war Marion Brülls. In Friedberg als Stadträtin bekannt, leitet sie in Pfersee die Förderstätte Sankt Blasius des Ringeisen-Werks. Diese nahm eine Gruppe aus einem Blindenheim auf, darunter Bettlägerige. „Es war schön, dass wir helfen konnten“, sagt Brülls. Als sie am Morgen ins Haus kam, hatte sie allerdings einen kleinen Schock: Die Heizung war aus, alles eiskalt. Als sie verzweifelt beim Heizungsnotdienst anrief, war dieser sofort parat und half telefonisch, die Heizung anzuwerfen.

Viele Friedberger nahmen Freunde und Verwandte auf. Manche Augsburger quartierten sich aber auch in Hotels und Pensionen des Landkreises ein. So verlautete aus dem Friedberger Hotel und Restaurant Kussmühle bereits Ende der Woche, es sei wegen der Evakuierung ausgebucht. "Kommentar

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