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Ausstellung in Pöttmes

10.05.2015

Eine Hand greift nach der Friedenstaube

Über die gelungene Kunstausstellung "Frieden durch Dialog -70 Jahren Frieden in Deutschland" freuten sich Veranstalter und Künstler am Donnerstagabend: (von links) Bürgermeister Franz Schindele, Armin Hennig, Landrat Klaus Metzger, Andrea Dresely, Roland Fürstenhöfer, Bernd T.Zimmermann, Antje Sträter und Kulturreferentin Ludwiga Baronin Herman. Im Hintergrund, Bernd T. Zimmermanns Installation "Drei Feldbetten".
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Über die gelungene Kunstausstellung "Frieden durch Dialog -70 Jahren Frieden in Deutschland" freuten sich Veranstalter und Künstler am Donnerstagabend: (von links) Bürgermeister Franz Schindele, Armin Hennig, Landrat Klaus Metzger, Andrea Dresely, Roland Fürstenhöfer, Bernd T.Zimmermann, Antje Sträter und Kulturreferentin Ludwiga Baronin Herman. Im Hintergrund, Bernd T. Zimmermanns Installation "Drei Feldbetten".
Bild: Vicky Jeanty

Im Pöttmeser Kultursaal zeigen sechs Künstler ihre Arbeiten zum Thema „Frieden durch Dialog – 70 Jahre Frieden“.

Mit aller Kraft reckt sich die linke Hand in Richtung fliegende Taube. Die rechte scheint gesenkte Stierhörner abzuwehren. Bernd Thomas Zimmermann hat sich von Picassos Bild „Guernica“ inspirieren lassen und daraus eine eigene Installation geschaffen. Der filigrane Radierungskünstler Roland Fürstenhöfer begnügt sich mit einem messerscharfen Schwert, das in einer menschenleeren grünen Flusslandschaft darauf zu warten scheint, dass jemand es „begräbt“. Zwei von vielen ausdrucksstarken künstlerischen Motiven, die belegen, wie die Themen Krieg und Frieden empfunden und umgesetzt werden können. Sechs Künstlern aus Pöttmes und Umgebung bot die Pöttmeser Kunstausstellung ein Forum, ihre aktuellen oder älter datierten Arbeiten im Kultursaal zu zeigen. Knapp 60 Besucher waren zur Eröffnung am Donnerstagabend gekommen.

Die 17 Exponate in Pöttmes sind trotz der überschaubaren Zahl repräsentativ für die thematische Vielschichtigkeit, die künstlerisch-kreative Fantasie und Individualität, die Freiheit in der Wahl der Materialien. Andrea Dresely (Wiesenbach) webt ihre Kunst ein- und vielfarbig in Teppiche. Antje Sträter (Pöttmes) schreibt Gedichte mit Tusche auf Pergamin, Bernd T. Zimmermann (Pöttmes) stellt drei Feldbetten auf. Armin Hennig (Petersdorf) malt die Geschichte des Krieges in ein Geschichtsbuch, Roland Fürstenhöfer (Pöttmes) radiert und koloriert auf kleinem Raum seine künstlerischen Visionen. Ludwiga von Korff (Schorn) fotografiert in Schwarz-Weiß das Eingangstor des Lagers Dachau. Manches erschreckt, manches wirkt versöhnlich, je nachdem wie stark Krieg oder Frieden leitmotivisch, direkt oder verschlüsselt, in den Vordergrund treten.

Die Realität hat die Ausstellung eingeholt. „Unser Ziel ist es, für die Themen zu sensibilisieren, die täglich da sind“, betonte die Kulturreferentin und sprach von einem Prozess, der nie zu Ende sein werde. Diese Themen – Krieg, Leid, Vertreibung, der Wunsch nach Frieden – gingen angesichts der Flüchtlingsdramen jeden Einzelnen an, hatte zuvor Bürgermeister Franz Schindele angedeutet. „Ganz aktuell sind wir aufgefordert, die Flüchtlinge mit offenen Armen aufzunehmen“, so Schindele.

Landrat Klaus Metzger griff auch diesen Aspekt auf. Bedankte sich ausdrücklich bei all den Ehrenamtlichen, die sich, wie „Friedensstifter“, in der Asylbewerberbetreuung engagieren. Mit einer Aphorismenauswahl quer durch die Jahrtausende verdeutlichte Metzger als Schirmherr, wie sehr sich die Haltung der Menschen zu Frieden und Krieg im Lauf der Jahre verändert hat. Wie schwer man sich tat, und immer noch tut, eine für alle gültige und befriedigende Formel zu finden, die Kriege verhindern und Frieden erhalten könnte. So mussten es Denkanstöße bleiben, die der Landrat mittels der prägnant formulierten Aphorismen erläuterte.

Eines scheint sicher: Friede als Tugend, als Geisteshaltung, wie es bei Spinoza heißt, ist harte Arbeit. „Der Friede muss gestiftet werden, er kommt nicht von selber.“ (Immanuel Kant). Nach Stefan Zweig muss man Frieden beginnen wie Krieg. Frieden und Ordnung müsse man zuerst in sich selber haben, meint ein Thomas von Kempen, oder, wie Kant es allumfassend formulierte: „Friede ist das Meisterwerk der Vernunft“. Wie steht der Künstler in diesem Prozess? Der Künstler, so der Landrat, finde seinen Frieden in seinem Werk oder seinem Werksprozess, zumindest temporär. In seiner Laudatio hob er die Verdienste und Auszeichnungen, die künstlerische Individualität der sechs anwesenden Künstler hervor, ging kurz auf deren Werke ein.

Der Pianist Markus Kreul am Flügel gab der Veranstaltung mit zwei Stücken von Chopin (Vier Mazurkas) und Liszt (Pilgerjahr in Italien, ein Ausschnitt) den exquisiten musikalischen Glanz.

Laufzeit Die Ausstellung ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses bis zum 19. Juni zu besichtigen.

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