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Kabarett

22.10.2019

Eine Zeitreise mit Schlaglöchern

Für Begeisterung und Lachtränen sorgt das wirklich schlechte Lied mit dem Titel „Ja Ja das Lied ist schlecht“.
Bild: Alice Lauria

Im ausverkauften Aichacher Pfarrzentrum treiben Herbert und Schnipsi dem Publikum die Lachtränen in die Augen – mit dem Besten und ein bisschen vom Schlechtesten aus fast vier Jahrzehnten auf der Bühne

Zu Beginn stehen zwei Gestalten im quietschgelben Friesennerz mit Regenmützen auf der Bühne des Aichacher Pfarrzentrums St. Michael vor knapp 320 Zuschauern im ausverkauften Haus. Bei näherem Hinsehen ähneln die Gestalten dann doch dem Ehepaar Hanns Meilhamer und Claudia Schlenger, besser bekannt als das bayerische Kabarettistenduo „Herbert und Schnipsi“.

Sofort werden die Zuschauer entführt in die Sommerferien des Paares, beim Angeln in Schweden. Zu dumm nur, dass es pausenlos regnet, die Fische an Herberts Angel nicht anbeißen, weil die als Köder genutzten Kekse im Wasser einfach zerfallen und natürlich, weil Schnipsi beim besten Willen nicht aufhören kann zu reden. Außerdem sollten die beiden schließlich in Schweden unbedingt Elche zu Gesicht bekommen. „Ich sehe aber keine Elche, nur zwei Rindviecher, und des san wir“, stellt die pausenlos plappernde Schnipsi enttäuscht fest.

Seit 37 Jahren steht das Komikerpaar nun schon sehr erfolgreich gemeinsam auf Deutschlands Bühnen. Auch in Radio und Fernsehen sind sie regelmäßig zu hören und zu sehen. Nachdem in der vergangenen Woche zwei geplante Auftritte im Tourplan krankheitsbedingt abgesagt werden mussten, konnten die beiden nach Abklingen ihrer Erkältung am Sonntagabend zum Glück in Aichach wieder auftreten.

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Mit einer Tour unter dem Titel „Zeitreise mit Schlaglöchern“ sind Herbert und Schnipsi derzeit unterwegs und spielen noch einmal das Beste – und laut Herbert auch ein bisschen vom Schlechtesten – aus über drei Bühnenjahrzehnten. So erzählen sie von ihren Anfängen, als zuerst Hanns Meilhamer alias Herbert noch alleine auf der Bühne stand. In Erinnerung hieran sagt er grinsend zu seiner Frau: „Mit dir ist alles schöner, aber vorher war’s einfacher“. Verschiedene Lieder gehören ebenso seit jeher zum Programm des Kabarett-Kultduos. So vertonte Herbert Anfang der 80er-Jahre gerne Artikel der Bild-Zeitung zu sehr unharmonischen Liedern, aber auch ein Titel mit dem Namen „Ja Ja das Lied ist schlecht“ haben sie im Repertoire. Und wie Schnipsi betont: „Des is wirklich schlecht, war aber so gewollt.“

Ihr erstes gemeinsames Lied „Muatter, i bin a Kuckuck“, soll als versteckter Hinweis für junge Eltern dienen, denn: „Freut euch, wenn ihr endlich wisst, dass Erziehung sinnlos ist“ heißt es in diesem urkomischen Ständchen. Zuweilen bestechen ihre Dialoge als sich immerzu kabbelndes Ehepaar durch ihre Albernheit, in anderen Szenen und Sketchen wiederum brillieren die geistreichen Pointen. Die bayerische Mundart ist authentisch, gut verständlich und gibt den Gesprächen zwischen den Eheleuten erst die richtige Würze. So versteckt sich auf einem Friedhof Herbert vor Schnipsi und beschreibt sie im Zuge dessen als „so a Broade, a Gstumperte“ auf eine Art, welche ohne den bayerischen Dialekt nur halb so komisch wäre.

Das ist so vom ersten Sketch der beiden um einen mit Venus-Strahlen verstrahlten sich wehrenden und äußerst kampflustigen Mantel an, bis hin zu echten Klassikern das beliebten Duos wie „Im Himmel“ und „Silvester auf der Hütte“. In Ersterem erfährt der soeben ins Jenseits gereiste Herbert, dass er nach nur wenigen Minuten schon als afrikanisches Baby wiedergeboren werden soll. „Jetzt krieg i in diesem Leben scho wieder koa Tretauto“, stellt er daraufhin bestürzt fest.

Schnipsi beweist sich als wahre Verwandlungskünstlerin in dem Lied „Ich bin besser als wie du“. Da verkörpert sie eine ältere Frau über vier Stationen ihres Lebens vom Kind bis zur glamourös dargestellten verbitterten Dame. Brüllend komisch auch der „Schneckenblues“ der beiden Slapstick-Künstler. „Wia a Schnecken ziag i hinter mir a rotzige Spur. Und vor mir ist no alles trocka, aber des rotz i a no zua!“ treibt dem Aichacher Publikum die Lachtränen in die Augen.

Beim Schlusslied „Was wär i ohne di“ fangen die beiden dann wild an den Text umzudichten: Von „Ohne mei Frau gang ja gar nix“ zu „Hilflos wie a Furz im Sturmwind warst du ohne mi“ kommen sie dann aber zu dem Schlussurteil: „Nix war i ohne di“. Damit aber nicht genug, Herbert bezieht auch das Publikum mit ein „Wir ohne eich warn bloß halb so reich“.

Beherzt unterbrochen von seiner Schnipsi „Sag a mal spinnst du?“, geht der Abend in tosendem Applaus zu Ende.

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