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07.10.2008

Eine musikalische Reise in den Wilden Westen

Aichach Ein einsamer Cowboy, die weite Prärie und in der Ferne die Trommeln eines Indianerstammes. Das Berliner Liedermacherduo Holger Saarmann und Vivien Zeller nahm seine Zuhörer mit dem Programm "Winnetou ist ein Christ - Lieder so deutsch wie der Wilde Westen" mit in das Nordamerika zur Zeit der ersten deutschen Auswanderer. Das Aichacher Publikum schlüpfte dabei schnell in die Rolle der Auswanderer und hörte in seiner Blockhütte in Wyoming, die kurz vorher noch die Paul-Gerhardt Kirche gewesen war, gespannt die Lieder und Anekdoten der Einwanderer.

Wie der Musiker Holger Saarmann, so war auch Karl May, Autor der Winnetou-Romane, nie in Amerika gewesen. Doch beide faszinierte der Mut der deutschen Auswanderer. "Pennsylvania Dutch" nennt sich der Teil der Deutschen, der im gleichnamigen Bundesstaat lebt, wobei "Dutch" für Deutsche und nicht für Niederländer steht.

Holger Saarmann begann, sich auf die Suche nach dem unbekannten Liedgut der deutschen Auswanderer zu machen. Die Sammlung von Kinder- und Volksliedern sowie religiös angehauchter Stücke präsentiert er zusammen mit der Folk-Geigerin Vivien Zeller. Das Programm wurde durch eigene Kompositionen ergänzt. Die Texte sind teilweise in Englisch und Hochdeutsch, meistens aber in "Pennsylvanischem Deutsch" verfasst, einer Mischung aus südwestdeutschen Mundarten wie Fränkisch, Schwäbisch und Pfälzisch.

So einfach wie authentisch waren auch die Instrumente an diesem Abend: Mit einer Geige, einer Gitarre und zwei Glöckchen entstand eine Atmosphäre wie an einem Lagerfeuer im Wilden Westen. Von langsamen Balladen bis zu schnellen Volkstänzen - das Berliner Duo bot einen Rundumschlag. Die Lieder erzählten oft von ganz alltäglichen Problemen und Erfolgen der Einwanderer.

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Selbst getextete "Ballade des armen Webersohnes"

Die Übergänge zwischen den Liedern bildeten oftmals Passagen aus Winnetou III. Viel interessanter als die Geschichten von Old Shatterhand und seinem Begleiter scheint Holger Saarmann aber die Person Karl May selbst. Seine selbst getextete "Ballade des armen Webersohnes" zeigt den Lebensweg des Autors, der sich durch zahlreiche Betrügereien über Wasser hielt und mit seiner grenzenlosen Fantasie doch noch Erfolg hatte. Denn seine Romane über den Wilden Westen faszinierten ganze Generationen von Lesern.

Schließlich wird, wie es der Titel des Liederabends bereits angedeutet hat, auch die umstrittene Stelle des dritten Winnetou-Romans thematisiert. Hier bekennt sich der Indianer im Sterben zum Christentum und erkennt, dass seine eigene Religion nur Tod propagiert habe. Hatten Vivien Zeller und Holger Saarmann zuvor noch die Stellen aus Winnetou mit einer kabarettistischen Note vorgetragen, so fehlte nun das nötige Augenzwinkern. Denn wie hinlänglich bekannt ist, zeigte die grausame Ausrottung der Indianer durch die Siedler, dass diese nicht zu Gewaltlosigkeit neigten.

Der kurzweilige Abend neigte sich schließlich dem Ende zu. Nach drei Zugaben entließen Holger Saarmann und Vivien Zeller die Zuhörer wieder in die ungefährlichen Verhältnisse der "Alten Welt".

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