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Auftritt

26.03.2015

Einfühlsam, poetisch und trotzdem komisch

Autor Sasa Stanisic las am Deutschherren-Gymnasium in Aichach und unterhielt sich dann entspannt mit den Schülern.
Bild: Anna Schmid

Schriftsteller Sasa Stanisic liest am Aichacher Gymnasium aus seinen Büchern. Dabei erzählt er auch vom großen Traum seiner Mutter

Sasa Stanisic, aufgewachsen in Bosnien-Herzegowina und mit 14 Jahren nach Deutschland immigriert, schreibt auf eine Art und Weise, die man ihm nicht auf Anhieb zutraut. Bei der Begrüßung durch Schuldirektor Gerhard Haunschild auf der Bühne des Aichacher Deutschherren-Gymnasiums wirkt der Schriftsteller befangen und unruhig. Sobald er jedoch ans Mikrofon tritt, das Buch vor sich aufschlägt und zu lesen beginnt, verändert sich die Atmosphäre.

Sein Text hat den klangvollen Namen „Mit Mutter auf Hirschjagd gehen“ und bringt die Schüler in der Aula mit den ersten Sätzen zum Lachen. Stanisic gestikuliert, grinst mit schelmisch glitzernden Augen und verleiht der Geschichte mit seinem hörbaren Akzent einen eigenwilligen Klang.

Der Text handelt von seiner Mutter, der er das Computerspiel „Minecraft“ zeigt, und von ihrer Reaktion darauf: nächtliches Durchzocken, nachlässig gekochtes Essen und übermäßiges Urlaubnehmen. „Minecraft“ simuliert eine verpixelte Welt, in der durch Erzförderung alle möglichen Gebilde gebaut werden können. Trotz aller Abenteuer in dem „virtuellen Sandkasten“, wie Sasa Stanisic das Spiel bezeichnet, hat die Geschichte einen ernsten Kern. Seine Mutter stürzt sich in die Fertigstellung eines großen Hauses am Meer, ihrem Traum, um die Familie, die getrennt und über die Welt verstreut lebt, an einem schönen Ort zu vereinen.

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Schwierige Themen in einen komischen Mantel zu packen, ist Stanisics großes Talent. In einem Ausschnitt aus seinem Roman „Vor dem Fest“ geht es ebenfalls um eine Mutterfigur, die er aus der Perspektive des Sohnes schildert: „Meine Mu wiegt 130 Kilogramm. Im Frühling kommen 30 Kilogramm Gedanken dazu.“ Einfühlsam, poetisch und trotzdem komisch beschreibt er die Situation der Kranken, den Kampf mit dem Gewicht und ihre Liebe zur Geschichte: „Manchmal riechen ihre Finger nach dem letzten Jahrhundert“, liest Stanisic.

Im nächsten Abschnitt geht es bereits wieder um eine „Arschbombe, die Landschaften formt“. Seine Sprache ist jugendlich, Wörter wie „krass“, „abgehen“ und „reinhauen“ nehmen dem jede Steifheit.

Bei einem anschließenden Gespräch mit zwei Schülerinnen plaudert Sasa Stanisic entspannt über seine Schulzeit, über seine Jugend und sein Leben als Schriftsteller. Er erzählt, wie sein Deutschlehrer ihn ermutigte und unterstützte, Texte auf Deutsch zu verfassen, und wie er durch diese Wertschätzung am Schreiben festgehalten hat. Den Begriff „Muse“ hält er für aufgeblasen. Zum Schreiben gehört für Stanisic vor allem Disziplin. Für ihn kommen die Ideen von überall her, vor allem durch das Treffen von neuen Menschen und das Kennenlernen unbekannter Milieus.

Auf die Frage, welche Nachricht er an die heutige Jugend hat, reagiert er eindringlich: „Man sollte sich früh viele Dinge überlegen, die man erreichen will.“ Es sei wichtig, bewusst zu wollen, sich diese Verlangen zu erträumen und diszipliniert zu erarbeiten. Die Lesung endet in Applaus und vielleicht vielen neuen Gedanken, denen der bosnische Schriftsteller durch seine inspirierenden Erzählungen Anstoß gegeben hat.

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