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Umweltschutz

20.09.2016

Einsatz für jeden noch so kleinen Flecken Natur

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Für Gudrun Schmidbaur ist eine Wiese erst dann schön anzusehen, wenn sie belebt ist. Eine monotone Rasenfläche lockt keine Bienen, Hummeln und Schmetterlinge an. Wo es aber Pflanzen gibt, leben auch die Insekten gern.
Bild: Stefanie Brand

Gudrun Schmidbaur sorgt dafür, dass die Lebensräume für Insekten im Wittelsbacher Land erhalten bleiben. Wie sie das schafft.

Tagtäglich fährt Gudrun Schmidbaur durch das Wittelsbacher Land zur Arbeit. Mit wachen Augen und einer großen Liebe zur Natur kann es dann passieren, dass sie anhält und den so herrlich blühenden Blutweiderich an der Staatsstraße zwischen den Hollenbacher Ortsteilen Mainbach und Motzenhofen vor der Sense bewahren will. „Ich hatte die Pflanze schon lange im Blick“, erklärt sie. Das sei mit Blick auf das leuchtende Lila auch nicht sehr schwierig, schließlich falle der Blutweiderich im Straßengraben durchaus auf.

Umso schneller musste sie handeln, als sie die Mähmaschine in der Nähe entdeckte. Gudrun Schmidbaur hielt an und bat den Mann, der vermutlich der Straßenmeisterei angehörte, diesen Bestand doch möglichst stehenzulassen. Ob er auf sie hören würde, wusste sie nicht. Doch auf dem Rückweg von Aichach in ihren Wohnort Meitingen (Landkreis Augsburg) sah sie ihn immer noch: den Blutweiderich. Mittlerweile ist viel von der Pracht verblüht. Gudrun Schmidbaur ist dem Unbekannten sehr dankbar, dass er das Kraut nicht abgemäht und damit Lebensraum für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge erhalten hat.

Glas Honig als Dank

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Auch einen anderen Naturschützer konnte sie überzeugen, Blühpflanzen auf einer Wiese zwischen Häuserblocks nahe des Aichacher Stadtzentrums stehen zu lassen. Zum Dank bekam er ein Glas Honig als symbolisches Dankeschön.

Günther Remmert ist Hausmeister in Aichach und werkelt auf dem Terrain, das Gudrun Schmidbaur von ihrem Bürofenster aus sieht. Als auch er mit dem Rasenmäher anrücken wollte, um dort zu mähen, wo gerade eine spät blühende Löwenzahnart ihre Blüten emporstreckte, versuchte sie auch bei ihm sein Glück und bat ihn, einen Blühstreifen stehen zu lassen.

Kein Problem für Remmert, der im kleinen Pöttmeser Ortsteil Schnellmannskreuth aufgewachsen und ohnehin sehr der Natur verbunden ist. Margeriten und Kornblumen, die Remmert noch aus seiner Kindheit kennt, sind in der Ortsmitte fast vollständig verschwunden. Umso lieber kam er der Bitte nach, auf der gepflegten Rasenfläche ein Eldorado für Bienen und Schmetterlinge zu schaffen – und das ganz einfach, indem er nicht mähte.

Beschwerden als Reaktion

„Es geht nicht um große Aktionen, sondern um das Belassen von Natur“, erklärt Gudrun Schmidbaur. Als Vorsitzende der Meitinger Ortsgruppe des Bunds Naturschutz weiß sie, wovon sie spricht. Doch dieses Belassen werde häufig falsch verstanden, bedauert sie. In den Augen vieler sieht eine ungemähte Wiese „ungepflegt“ aus.

Günther Remmerts Kollegen ist es genauso ergangen. Auch er kam der Bitte von Schmidbaur nach, einen Blühstreifen auf der Rasenfläche stehenzulassen. Das Resultat: Es gab Beschwerden, er habe seine Arbeit nicht ordentlich gemacht.

Remmert freut sich, einen kleinen Beitrag dazu geleistet zu haben, den Insekten einen Lebensraum zu geben. Er wird auch künftig darauf verzichten, die Wiese kahl zu mähen. Gerne wird er denen, die sich beschweren, erklären, wie traurig die Welt ohne Bienen, Hummeln und Schmetterlinge aussähe.

Termin Im Klostermühlenmuseum Thierhaupten (Landkreis Augsburg) findet am Sonntag, 2. Oktober, von 11 bis 17 Uhr ein Erntedankfest mit Pflanzentauschbörse statt. Besucher können unter anderem Königskerzen bekommen.

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