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Archäologie

27.05.2015

Eisengewinnung wie früher am Grubet

Das Renneisen wurde einst zur Weiterverarbeitung zu Barren geschmiedet. Die  Kelten brachten es als Spitzbarren in den Handel.
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Das Renneisen wurde einst zur Weiterverarbeitung zu Barren geschmiedet. Die  Kelten brachten es als Spitzbarren in den Handel.
Bild: Erich Echter

Experten demonstrieren im Rahmen eines internationalen Symposiums bei Algertshausen, wie ein Rennofen funktioniert und wie dabei Eisen hergestellt wird.

Um 1500 bis 2000 vor Christus wurde an den Zwillingsflüssen im heutigen Irak, an Euphrat und Tigris, bereits Eisen gewonnen. Das bestätigten archäologische Ausgrabungen. Am Grubet nahe Algertshausen ( Aichach) wurden seit dem siebten Jahrhundert Eisenknollen zu Eisen verarbeitet. Am Sonntag demonstrierte Archäologe Martin Straßburger mit zwei Rennöfen am Archäologenplatz den Schmelzvorgang.

Zuvor hatte in Aichach ein internationales Symposium zur Montan-Archäologie stattgefunden (wir berichteten). Pünktlich um 14 Uhr erfolgte am Samstag der Abstich des Rennofens. Seinen Namen bekam der Ofen, weil die Schlacke durch Öffnungen aus dem Ofen in die Herdgrube rann (Rennofen). Straßburger und seine Gehilfen demonstrierten mit einer Feldschmiede, wie das Produkt des Schmelzprozesses – eine mit Schlacke durchsetzte Eisenluppe – zu einem Eisenbarren ausgeschmiedet wurde.

Der Rennofenprozess kann nur mit sehr hochwertigem Erz, wie es einst im Grubet vorkam, stattfinden. Denn bei der Schlackebildung wird viel Eisen gebunden. Das Rennverfahren war bis ins Mittelalter die einzige Möglichkeit, verarbeitbares Eisen herzustellen. Durch Raffinieren – Ausschmieden, Falten und Feuerschweißen – wurde das Eisen homogenisiert und gebrauchsfähig gemacht.

Der Schmelzpunkt liegt bei 1535 Grad Celsius

Die Gewinnung von Eisen im Rennofenverfahren unterscheidet sich gravierend von der Eisengewinnung im Hochofen: Der Schmelzpunkt des kohlenstoffreinen Alpha-Eisens liegt bei 1535 Grad Celsius. Diese hohe Temperatur wird in Rennöfen nicht erreicht. Die Bildung von Eisen im Rennfeuer ist folglich eine Feststoffreaktion. Nicht das Eisen wird flüssig (wie im Hochofen), sondern die Schlacke.

Der Rennofen diente wahrscheinlich schon den Germanen um 500 vor Christus zur Roheisenherstellung. Das Eisen löste zu jener Zeit die Bronze ab. (ech)

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