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Aichach-Friedberg

21.06.2019

Ende der Spargelzeit: Weniger Spargel, höhere Preise

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Am Johannitag, dem heutigen 24. Juni, wird traditionell zum letzten Mal in dieser Saison Spargel gestochen. Jetzt dürfen die Triebe ins Kraut schießen, damit die Pflanzen im Boden für das nächste Jahr Kraft tanken können.
Bild: Ingo Wagner/dpa

Die heimischen Spargelbauern haben eine eher durchschnittliche Saison hinter sich. Warum sie nach 2018 zufrieden sind, ein Problem ihnen aber Sorgen macht.

Spargelliebhaber schauen heute ungern in den Kalender. Denn an diesem Montag endet die Saison. Zu Johanni hören die Spargelbauern auf zu stechen. Einige verkaufen noch ein paar Tage, bei anderen war schon am vergangenen Wochenende oder zu Beginn der Pfingstferien Schluss.

So zum Beispiel bei Claudia Westner auf dem Gut Haslangkreit in der Marktgemeinde Kühbach. Dort war bereits am 9. Juni der letzte Verkaufstag. „Die späte Anlage war eine junge Anlage, da kann man nicht so lange stechen“, sagt Westner. Die gebürtige Rheinländerin ist seit März Vorsitzende des Spargelerzeugerverbandes Südbayern und trat damit die Nachfolge von „Spargelpapst“ Josef Plöckl an. Im Großen und Ganzen sei die Saison normal verlaufen, sagt Westner. Nach einem extremen Jahr wie 2018 darf das als gute Nachricht gelten. Damals machte auch den Spargelbauern die große Hitze zu schaffen. Der Spargel schoss geradezu aus dem Boden. Das brachte nicht nur in sehr kurzer Zeit sehr viel Arbeit mit sich, sondern ließ auch die Preise fallen. „Letztes Jahr haben wir draufgezahlt“, sagt Westner über sich.

Seit Donnerstag gibt es bei Spagelbauer Paul Gamperl aus Ainertshofen frischen Spargel. Katharina Röger mit ihren frisch gestochenen Spargel
Bild: Erich Echter

Die Saison ist heuer besser verlaufen

Heuer sei die Saison besser verlaufen. Das bestätigt Peter Strobl, Geschäftsführer des Spargelerzeugerverbands Südbayern. Es sei keine Rekordernte zu verzeichnen gewesen, aber eine zufriedenstellende Ernte. Die Preise seien stabil gewesen. Im vergangenen Jahr hingegen war das Überangebot so groß, dass die Bauern den Spargel zum Teil gar nicht los wurden und stellenweise sogar während der Saison aufhörten zu stechen.

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Warum der Spargelanbau weniger lukrativ ist

Deutliche Kritik übt Strobl an der Preispolitik großer Supermarktketten. Gerade zu Saisonbeginn nutzten manche von ihnen den Schrobenhausener Spargel mit sehr niedrigen Preisen als Lockmittel und setzten so die Erzeuger unter Druck. Diese könnten ihre Ware am Spargelstand nicht mehr zu ihren Preisen verkaufen. „Das hat uns sehr aufgestoßen“, so Strobl. Auch Claudia Westner kritisiert dieses Vorgehen: „Es bürgert sich leider ein, dass große Supermarktketten vor Ostern Saisonprodukte dazu nutzen, um Kunden zu ziehen.“ Gerade wenn die Nachfrage groß sei, verkauften sie Waren wie Spargel oder Erdbeeren extrem günstig. Eine Supermarktkette habe für das Kilo Spargel beispielsweise 5,90 Euro verlangt. Auch wenn die Qualität nicht vergleichbar sei – „die Leute haben diesen Preis dann im Kopf“, sagt Westner. Dass der Spargelanbau für einige Landwirte nicht mehr so lukrativ ist, macht Strobl auch daran fest, dass die Anbaufläche nicht mehr ausgeweitet wird: „Wir sind an den Grenzen des Absatzmarktes angekommen.“ Während der Preis über diese Saison dann doch einigermaßen gehalten werden konnte, waren die Erntemengen wechselhaft: Während sie anfangs bei Westner gut ausfielen, wurden sie zur Mitte der Saison aufgrund einer Kältephase geringer. „Leider auch kurz vor dem Muttertag“, wo die Nachfrage meist hoch sei, bedauert Westner.

Es fehlt an Arbeitskräften

Was immer mehr Spargelbauern zu schaffen macht, ist der Arbeitskräftemangel. „Wir bekommen nicht mehr so leicht gute Leute zum Stechen“, berichtet Strobl. „Das ist ein Thema, das die Spargelwirtschaft umtreibt.“ Hier mache sich der Mindestlohn bemerkbar. Die Leute arbeiteten inzwischen lieber woanders, wo sie ebenfalls den Mindestlohn erhielten, und nicht mehr saisonal. So gebe es in Polen inzwischen zum Teile bessere Verdienstmöglichkeiten. Das habe dazu geführt, dass vermehrt Kräfte aus Rumänien auf den Spargelfeldern im Einsatz seien. Um den Personalmangel aufzufangen, hoffe man auf Arbeiter aus dem früheren Jugoslawien. Verhandlungen dazu liefen, so Strobl. Nicht nur für die körperlich anstrengenden, sondern auch für die einfacheren Tätigkeiten sei es schwer, Leute zu finden, erzählt auch Claudia Westner. Ihr eigener Betrieb habe diese Probleme zum Glück nicht. 16 Erntehelfer stechen den Spargel auf der rund 15 Hektar großen Fläche. Dazu kommen zwei bis drei Aushilfen und die eigene Familie.

Einen immer größeren Anteil macht der grüne Spargel aus. „Früher hatten wir zwei Reihen, jetzt ist es fast ein Hektar“, erzählt Westner. Doch auch hier machte ihr das Wetter zu schaffen. Ende April, Anfang Mai wehte der Wind die Folien weg, dann folgte Bodenfrost. „Da war der Grünspargel gleich mal kaputt.“ Eine Woche sei so verloren gegangen. Zuletzt, mit schönerem Wetter, sei die Nachfrage gestiegen, weil die Menschen grillten und sommerlichere Gerichte kochten.

Lesen sie dazu auch den Artikel: Juliane Wenger ist Spargelkönigin und die Glosse: Spargel und Wildsauen zieht es in den Süden

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