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Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt

19.12.2011

Engelslocken und Drachenfeuer sind gefragt

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4 Bilder
Sieht nicht sehr appetitlich aus, aber es funktioniert: mit der Nase Flöte spielen.

Mit dem Landsknechtstross 1504 geht es auf Schloss Scherneck zurück in frühere Zeiten

Rehling-Scherneck Gar schaurig war’s am Freitagabend beim Auftakt zum dritten mittelalterlichen Weihnachtsmarkt auf Schloss Scherneck. Heftige Regengüsse gingen über Zelte und Buden nieder, Windböen zerrten an den Leinen, von Besuchern keine Spur. Das Tollwood-Festival in München wurde am Freitag abgesagt, den Augsburger Christkindlesmarkt hatte man kurzfristig dichtgemacht, nur die Recken aus Scherneck trotzten mit Kutten und mittelalterlichen Gewändern Wind und Wetter.

Thomas Miller, 1. Vorsitzender und Hauptmann des Landsknechts-trosses 1504, verlegte die offizielle Eröffnung kurzfristig auf Samstag. Da gab es anfangs sogar eine leichte Schneedecke, die Besucher liefen vor allem gegen Abend scharenweise ein. Das gewohnt kurzweilige mittelalterliche Spektakel vor imposanter Kulisse war auch am Sonntag ein großer Erfolg. „Wir sind sehr zufrieden“, meinte Thomas Miller auch im Namen der Händler.

Simon, der Schmied, fertigt jedem seinen eigenen Talisman

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Der Markt stand zunächst unter keinem guten Stern. Mitten in den Vorbereitungen erlitt die Wirtin des Bräustüberls einen Herzinfarkt, was laut Thomas Miller nicht nur die Organisatoren aus der Bahn warf. Man habe sogar überlegt, das Fest kurzfristig abzusagen, aber, so Miller, „das hätte die Edeltraud nicht gewollt“. In Übereinstimmung mit dem Wirt hat der Landsknechtstross 1504 den allseits beliebten Weihnachtsmarkt trotzdem ausgerichtet. Lediglich am Freitagabend blieben die wetterfesten Recken unter sich, ebenso die Budenbesitzer, die sich dick eingemümmelt in ihren Ständen verschanzten und auf Besserung hofften.

Umso spektakulärer ging es am Samstag und Sonntag zu. Mit großartigem Engagement und viel Einfallsreichtum zauberten die Organisatoren und zahllosen Helfer eine ganz eigene Atmosphäre in die mittelalterliche Zeltstadt im Innenhof des Schlosses. Vor allem bei einbrechender Dunkelheit tauchten die zahlreichen Lagerfeuer, die vielen Fackeln sowie das festlich erleuchtete Schloss das Geschehen in ein besonders romantisches Licht, das man auf anderen Weihnachtsmärkten so nicht findet.

Edel gekleidete Ritter mit pelzbesetzten Umhängen, kernige Recken mit Lanzen, Wachen in historischen Uniformen, Gaukler, Zauberer, Hexen und zarte Minnesänger zogen durch die Zeltstadt und erweckten den Eindruck, als ob sie ihr Lebtag nichts anderes täten.

Historische Handwerkskünste lebten auf, und vor allem Simon, der Schmied, war stets dicht umlagert, denn auf seinem Amboss konnte man sich seinen eigenen Talisman schmieden. An zahlreichen Ständen gab es viel kunstvoll selbst Gemachtes zu bestaunen, und auch beim kulinarischen Angebot hatte man die Qual der Wahl. Engelslocken aus heißen Kartoffelchips oder doch der deftige Landsknechttopf, ein Schluck Drachenfeuer oder nur ein Bälgertrunk?

Eine Märchenfee erzählte im eigenen Zelt spannende Geschichten, es gab mittelalterliches Kegeln für Kinder und Axtwerfen für die Erwachsenen. Statt Weihnachtslieder aus dem Lautsprecher spielte die Altdorfer Landknechtsfanfare 1525 aus Weingarten die Busine, eine Art Trompete – einst das Lieblingsinstrument der Ritter bei festlichen Anlässen. In der Schlosskapelle warteten die Spielleute Bordunitas am Sonntag mit einem Konzert alter Weisen auf (eigener Bericht folgt).

Ganz zum Schluss brachte der orientalische Feuerzauber der Domini Ignis, der Herren des Feuers, das mittelalterliche Weihnachtstreiben noch einmal so richtig zum Glühen. Gastgeberin Carola Siedler, Freifrau von Schaezler und ihr Gatte Dr. Florian Sommer, dankten am Samstagabend allen Mitwirkenden für die einzigartige Leistung.

Der Erlös des Weihnachtsmarktes geht an die Bürgerstiftung „Bürger helfen Bürger“.

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Bilder vom Weihnachtsmarkt unter

aichacher-nachrichten.de/bilder

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