Newsticker
Vizekanzler Scholz rechnet mit Lockdown-Verlängerung um zwei Wochen
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Entlaufener Stier bei Schiltberg: Wie gefährlich ist das Tier?

Schiltberg

12.01.2021

Entlaufener Stier bei Schiltberg: Wie gefährlich ist das Tier?

Die Freiwillige Feuerwehr Schiltberg suchte am Sonntag nach einem entlaufenen Stier - später stellte sich heraus: Es handelte sich um eine junge Kuh. Gefunden wurde sie bis dato nicht.
Bild: Stefan Schmid (Feuerwehr Schiltberg)

Plus Die Meldung über einen entlaufenen Stier sorgt in Schiltberg für Aufsehen. Das Tier ist noch unterwegs. Wohin es ziehen könnte - und wie gefährlich es ist.

Erlebt habe er als Feuerwehrmann ja schon viel, sagt Stefan Schmid. Er leitet seit sieben Jahren die Freiwillige Feuerwehr in Schiltberg als Kommandant, ist in der Kreisbrandinspektion als Pressesprecher tätig und arbeitet hauptberuflich bei der Feuerwehr München. "Da bekommt man im Lauf der Jahre einiges mit. Aber das am Wochenende", sagt Schmid und macht eine kurze Pause, "das war neu. Sowas ist mir noch nie untergekommen." Er spricht von einer spektakulären Suchaktion, die am Sonntagnachmittag mit einer Meldung über einen entlaufenen Stier begann, unerwartete Wendungen nahm - und nach wie vor läuft. Wie gefährlich ist das Tier?

Am Sonntag, kurz nach 15 Uhr, klingelte Schmids Telefon. Am Apparat: ein Kamerad der Ruppertszeller Feuerwehr. Er informierte Schmid, Passanten hätten einen entlaufenen Stier gesehen. Dieser sei nun von der Dreifaltigkeitskapelle am Hofberg in Richtung Schiltberg unterwegs. "Das lässt einem im ersten Moment schon den Atem stocken", sagt Schmid. "Man weiß ja nie, welche Gefahr von so einem Tier für die Bevölkerung ausgeht. Ich wollte deshalb auf Nummer sicher gehen und habe eine Vollalarmierung veranlasst." Die Sirene ertönte, rund 20 Einsatzkräfte folgten dem Ruf.

Stier entlaufen? Feuerwehr Schiltberg mit 17 Kräften im Einsatz

Drei Fahrzeuge der Schiltberger Feuerwehr sowie das Dienstfahrzeug von Kreisbrandmeister Michael Bergmeier kamen also zum Einsatz, um das Gebiet rund um die Dreifaltigkeitskapelle weiträumig zu erkunden. Die zentrale Einsatzleitung wurde im Feuerwehrhaus Schiltberg eingerichtet. Die Suche der Einsatzkräfte verlief ohne Erfolg - dafür erreichte sie kurz darauf eine weitere Meldung: In der Dreifaltigkeitskapelle hätten sich Passanten eingeschlossen, offenbar aus Angst vor dem frei laufenden Tier. Die Besatzung eines Mannschaftstransportwagens (MTW) fand die Kapelle jedoch leer vor.

Eine Stunde lang suchte die Freiwillige Feuerwehr Schiltberg am Sonntag nach einem entlaufenen Stier.
Bild: Stefan Schmid (Feuerwehr Schiltberg)

Dann änderte sich die Sachlage erneut: Nach Rücksprache mit dem Halter stellte sich der Stier als junge, circa 300 Kilogramm schwere Kuh heraus. Bis etwa 16.15 Uhr setzten die Schiltberger Feuerwehr und die ebenfalls herbeigeeilte Polizei die Suche fort, dann wurde sie wegen einsetzender Dunkelheit eingestellt.

300 Kilogramm schwere Kuh auf der Flucht: Wie groß ist die Gefahr?

Nach Auskunft von Schmid fanden die Einsatzkräfte während der Suche rund um die Kapelle und nahe dem Hofberg-Freilichttheater Fußspuren im Schnee, die offenbar der Kuh zuzuordnen waren. "Wir sind den Spuren bis zu einer geteerten Straße gefolgt, dort haben sie sich aber verlaufen. Danach konnten wir nichts mehr feststellen, was auf die Kuh hingedeutet hätte." Anhand der vorliegenden Spuren geht Schmid davon aus, dass sie von Schiltberg aus in südöstliche Richtung ging. "Sie kann ihre Richtung aber jederzeit geändert haben", gibt der Kommandant zu bedenken. Wo sich das Tier aufhält, blieb bis Montagabend ungeklärt.

17 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Schiltberg waren am Sonntag im Einsatz, um nach einem Stier zu suchen.
Bild: Stefan Schmid (Feuerwehr Schiltberg)

Nach Auskunft der Polizeiinspektion Aichach setzte der Eigentümer die Suche am Montag fort. Die Kuh stammt mutmaßlich aus einem Hof im Landkreis Dachau und ist, wie Schmid nach einem Gespräch mit dem Eigentümer berichtet, grundsätzlich friedlich. "Im Gegensatz zu einem Stier ist sie eher scheu und für Spaziergänger eher ungefährlich - es sei denn, sie fühlt sich in die Enge getrieben. Dann kann man nie wissen, was passiert", sagt Schmid. Eine Gefahr könne die Kuh außerdem für den Straßenverkehr darstellen. "Das gilt für Kühe genauso wie für Wildschweine oder Rehe: Wenn sie eine Straße überqueren, kann es heikel werden."

Jäger dürfen entlaufene Stiere oder Kühe nur im Ausnahmefall erschießen

Dass landwirtschaftlich gehaltene Tiere ausbrechen, passiert bei Weitem nicht mehr so oft wie früher, ist aber auch heute keine Seltenheit. Im November flüchtete etwa ein Ochse von einem Schlachthof in Brunnen (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen), 2012 sorgte das ausgebüxte Hochlandrind Asina im Adelzhausener Forst für Aufsehen. Informiert werden in diesen Fällen normalerweise nicht nur Feuerwehr und Polizei, sondern auch Jäger. Jedoch nicht, um das Tier zu erlegen. "Kühe oder Stiere sind keine jagdbaren Tiere", sagt Paul Berchtenbreiter, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Aichach. "Jäger dürfen sie nicht erschießen - es sei denn, eine Genehmigung vom Besitzer und von den Behörden liegt vor."

Nach Auskunft von Berchtenbreiter würden Jäger, die vor allem in der Dämmerung und in den Abendstunden unterwegs sind, vielmehr die Augen aufhalten und so die Suche unterstützen. Die Gefahr, die von der bei Schiltberg aufgetauchten Kuh für Passanten ausgeht, hält auch er für gering: "Eher verkriecht sie sich oder haut ab. Das Tier hat vor Menschen wahrscheinlich mehr Angst als andersherum."

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren