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Affing-Mühlhausen

31.07.2020

Entsteht am Ludwigshof in Mühlhausen bald ein Seniorenhotel?

Auf dem Gelände des Naherholungsgebietes Ludwigshof am See bei Mühlhausen könnte eine Residenz für Senioren gebaut werden.
Bild: Martin Golling

Plus Anstelle von Hotel und Campinghandel soll am Ludwigshof bei Mühlhausen ein Hotel für Senioren entstehen. Das finden in Affing nicht alle gut.

Es ist für alles gesorgt. Die älteren Menschen haben ihr eigenes Appartement. Bei Bedarf aber werden sie mit allem Nötigen versorgt vom Wäsche- bis zum Hausmeisterservice – und noch viel mehr. In der Anlage gibt es Restaurant, Fitnessräume, ja sogar ein Schwimmbad. Supermarkt, Bäcker, Metzger, Friseur, Apotheke – alles ist bequem zu Fuß zu erreichen, selbst für Senioren, die auf Gehstock oder Rollator angewiesen sind. In Augsburg ist das ein Erfolgsmodell. Es heißt „Albaretto 50plus“. Eine ähnliche Seniorenresidenz könnte nun in Ludwigshof am See bei Mühlhausen entstehen mit bis zu 200 Appartements. Doch es gibt Kritik.

32 Wochenendhäuschen entstehen am Ludwigshof bei Mühlhausen

Das kleine Naherholungsgebiet an der Staatsstraße von Mühlhausen Richtung Augsburg verändert sein Gesicht. Laut Bebauungsplan sind 32 Wochenendhäuschen im Nordwesten möglich. Sie sollen nach Auskunft von Planer Jochen Osterlehner nun realisiert werden. Die Parzellen, die verkauft werden sollen, sind jeweils 300 Quadratmeter groß.

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Das ist nicht alles. Auch der Nordost-Bereich am Ludwigshof wird neu entwickelt. Osterlehner ist der Architekt des Albaretto-Seniorenhotels an der Bürgermeister-Ackermann-Straße in Augsburg. Nun hat er im Auftrag der Betreiber der Campinganlage eine ähnliche Idee für den Ludwigshof entwickelt.

Dort besteht auf jeden Fall Handlungsbedarf. Denn das Hotel aus den 1950/1960er-Jahren sei stark baufällig. Es soll durch zwei Appartement-Gebäude ersetzt werden. Das Gebäude, in dem ein Camping-Handel betrieben wird, wäre als Gemeinschaftshaus für das Seniorenhotel denkbar. Auf den Tennisplätzen könnten zwei weitere Appartementgebäude entstehen. Camper, Bewohner der Wochenendhäuser und Senioren könnten Restaurant, Kiosk und Freizeiteinrichtungen gemeinsam nutzen, so Osterlehner.

Seit den 50er-Jahren ist der Ludwigshof bei Mühlhausen ein Campingplatz. Jetzt soll die Anlage um eine Wochenendsiedlung erweitert werden.
Bild: Monika Harrer-Jalsovec (Archiv)

Nun wollen Betreiber und Architekt wissen, welche Chancen das Projekt in Affing hat. Das Landratsamt jedenfalls, berichtete Osterlehner jüngst im Gemeinderat, beurteile eine Änderung des Bebauungsplans vom Gewerbe- zum allgemeinen Wohngebiet positiv.

Es gibt Kritik an den Plänen für ein Seniorenhotel am Ludwigshof

Die Resonanz im Gemeinderat war nicht so eindeutig. Es gab viele kritische Stimmen. Zweite Bürgermeisterin Christine Schmid-Mägele bezeichnete die Planung zwar als interessant, befürchtet aber eine „Gettoisierung“ der Senioren. Jüngst sei sich der Gemeinderat in einer Klausur einig gewesen, Affing solle eine ländliche Gemeinde bleiben. Dieses Projekt bereitet ihr deshalb Bauchweh. Noch klarer drückte sich Rudi Fuchs aus.

Das Konzept funktioniere in Augsburg hervorragend, sei aber nicht übertragbar auf Affing. Fuchs sprach von einer „Trabantenstadt“ in einem Kilometer Entfernung zu Mühlhausen und einer „absolut unorganischen städtebaulichen Entwicklung“. Das Vorhaben sei „unmöglich und in der Dimension abzulehnen“. Georg Engelhard stimmte Fuchs zu. In erster Linie würden Augsburger hierherziehen, „die Folgekosten bleiben an uns hängen, ohne dass wir davon profitieren“. Auch Gerhard Faltermeier hatte Bedenken vor allem hinsichtlich der „sehr intensiven Bebauung“ und der geplanten Höhe der Häuser, aber auch wegen einer fehlenden vernünftigen Anbindung an Mühlhausen. Faltermeier: „Ein Kiosk ersetzt nicht komplett das Thema Einkaufen.“

Gemeinderat gibt dem Wohnbauprojekt am Ludwigshof eine Chance

Doch es gab auch Befürworter. Marine Sarcone etwa, deren Großmutter im Albaretto in Augsburg wohnt, wie sie sagte, sprach von einer „schönen Einrichtung“. Andreas Widmann wünscht sich schon längst eine Unterbringungsmöglichkeit für Senioren in der Gemeinde und plädierte dafür, „dem Ding eine Chance“ zu geben.

Bürgermeister Markus Winklhofer sagte: „Es ist ein interessantes Konzept, städtebaulich aber natürlich noch diskutabel.“ Er schlug vor, die Bauherren sollten eine ausgereifte Variante vorlegen. Die Mehrheit folgte dem Gemeindechef. Mit 11:8 Stimmen nahm das Gremium das Konzept zur Kenntnis, bescheinigte ihm aber zugleich einen „deutlichen Klärungs- und Optimierungsbedarf“. Osterlehner hatte zuvor schon angemerkt, dass nichts festgelegt sei: „Es gibt noch keine Planung, es gibt nur eine Idee.“ Architekt und Bauherren können nun weiter an ihrer Idee feilen.

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