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25.03.2009

Erfolgreicher Familienbetrieb seit 160 Jahren

Aichach Lebertran, Fischleim und Gesundheitskuchenpulver, Seifengeist, Parquettbodenwichse und Tinte für Schule und Kanzlei - Ware und Materialien, die den Alltag längst vergangener Zeiten bestimmten. Am 29. März 1849 hatte Richard Ignatz Werlberger seinen Kolonialwaren- und Lebensmittelhandel im Haus am Aichacher Stadtplatz 9 begonnen. Das Geschäft, heute als Foto Reformhaus Rehle bekannt, ist damit seit 160 Jahren ununterbrochen in Familienbesitz und damit eines der ältesten in ganz Bayern.

Oft war das Haus in Frauenhand

Noch immer blicken der Gründer und seine Nachfahren sehr ernst aus ihren gerahmten Fotos der heutigen Besitzerin Gertraud Niedermayr auf den Schreibtisch, wenn sie in ihrem kleinen Büro die Geschäfte führt. Die 57-Jährige ist stolz auf die Familientradition: "Das ist schon etwas Besonderes: Man ist einfach immer wieder zusammengestanden und hat geschaut, dass es irgendwie weitergeht." Oft war das Geschäft auch in Frauenhand, deshalb der häufige Namenswechsel. Anno 1940 war ihre Großmutter Maria Rehle ebenfalls eingesprungen: Ihr Bruder Richard Miller war ohne Nachkommen gestorben. Krieg und Krise verlangten von der Familie damals einige Opfer: "Sie hat sich nicht einmal einen Kaffee gegönnt, obwohl es ihn im Laden gab", weiß Niedermayr aus den Erzählungen.

Die gelernte Drogistin wuchs selbst mit dem Geschäft auf. Gerne half sie in der Dunkelkammer des Vaters mit, Fotos zu entwickeln. Bis heute hat sie es "wohl aus Tradition" nicht übers Herz gebracht, ein Negativ wegzuschmeißen. Alles ruht wohlsortiert in einem Schrank des bis zur Stadtmauer reichenden Anwesens.

Erfolgreicher Familienbetrieb seit 160 Jahren

"Damals fuhren die Bauern aus der Umgebung noch mit dem Bulldog und Karren am Stadtplatz vor, um beispielsweise Grassamen einzukaufen", erinnert sich die Aichacherin an ihre Kindheit. In einer Ecke seien große Kisten mit rotem Viehsalz gestanden und die Eltern Gerda und Richard Rehle bedienten die Kunden hinter einer langen Theke stehend. Erst 1982 wurde ein Selbstbedienungsladen daraus. Sieben Jahre später übernahm Niedermayr das Geschäft. Ausgebildet als Ernährungs- und Diätberaterin erweiterte sie das Sortiment um Naturkost. Ständige Weiterbildung und der Austausch mit Kollegen gehören für sie bis heute dazu, um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden: "Inzwischen sind drei Viertel unserer Ware in Bioqualität."

Ehemann Hans (63) kümmert sich um das eingegliederte Fotogeschäft, das etwa ein Drittel des Umsatzes ausmacht. Vier feste Mitarbeiter und drei Aushilfen beschäftigen die Niedermayrs. Und wenn es einmal eng wird, springen auch die Kinder Susanne (36) und Ulrich (33) ein. Letzterer, studierter Betriebswirt, wird vielleicht auch einmal die Familientradition weiterführen. Um gegen Drogeriemärkte und andere Mitbewerber zu bestehen, setzen die Niedermayrs bis dahin vor allem auf kompetente Beratung und Service: "Nervige Kunden gibt es für uns nicht, das war schon immer die Einstellung in unserer Familie - sonst wären wir nicht so alt geworden." Da ist sich Gertraud Niedermayr ganz sicher.

Infos im Internet unter

www.fotorehle.de

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