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Aichach-Friedberg

09.09.2020

Ergebnis der Corona-Tests in Seniorenheimen im Wittelsbacher Land überrascht

Das Ergebnis der Corona-Reihentests in den Seniorenheimen im Landkreis Aichach-Friedberg ist überraschend.
Bild: Ralf Lienert (Symbol)

Plus Bei den Reihentests auf Covid-19 wurden im Wittelsbacher Land fast 1000 Menschen untersucht. Das Resultat verblüfft. Was der Gesundheitsamtsleiter dazu sagt.

Ein überraschendes Ergebnis haben die Corona-Reihentests in den Seniorenheimen im Landkreis Aichach-Friedberg erbracht. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen auf freiwilliger Basis getestet. Das Gesundheitsamt in Aichach half bei der Verwaltung der Tests. Auf Nachfrage unserer Redaktion gab das LGL jetzt das Ergebnis der Reihentests bekannt.

Nach Angaben des Amts wurde in elf Einrichtungen im Wittelsbacher Land getestet: in neun Pflegeheimen und zwei Heimen für Menschen mit Behinderung. Bei dem Test wurde ein Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum genommen und auf Erreger untersucht. Insgesamt wurden laut LGL Abstriche von 924 Personen gemacht: 546 Bewohner und 378 Mitarbeiter der Heime. Das Ergebnis: Alle Tests waren negativ. Das heißt, keiner der Untersuchten hatte zum Testzeitpunkt Corona.

Leiter des Gesundheitsamts Aichach: Testerei ins Blaue ist Unsinn

Dieses Ergebnis findet auch Dr. Friedrich Pürner, Leiter des Gesundheitsamts in Aichach, erstaunlich. Pürner ist bekanntlich ein Gegner von vorsorglichen Tests. „Die Testerei ins Blaue hinein ist vollkommener, fachlich-medizinischer Unsinn“, sagt er. Mediziner hätten gelernt, Untersuchungen nur nach Indikation durchzuführen, also wenn Krankheitssymptome auftreten. Die Ergebnisse der Reihentests in den Seniorenheimen hätten keinerlei Aussagekraft. Derartiger Aktionismus verstopfe laut Pürner nur die Labore. Er sorge dafür, dass Testergebnisse von Menschen, die diese dringend bräuchten, unnötig lange auf sich warten ließen.

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Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit verweist derweil auf die bayerische Teststrategie, präventive Reihentestungen bei besonders gefährdeten Personengruppen, etwa in Seniorenheimen, durchzuführen. Dort bestehe ein vergleichsweise hohes Risiko, dass sich eine Infektion mit Covid-19 schnell verbreite und Personengruppen erreiche, bei denen die Krankheit sogar tödlich verlaufen kann. In der Anfangsphase der Pandemie im April waren im Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt ( AWO) in Aichach 17 Bewohner an oder mit Covid-19 gestorben.

AWO fordert flächendeckende Corona-Tests

Die AWO betreibt in Schwaben 25 Seniorenheime. Verantwortliche der AWO hatten auch unter dem Eindruck der Todesfälle in Aichach vehement regelmäßige und flächendeckende Reihentests in allen stationären Pflegeeinrichtungen gefordert. Sie hatten auch beklagt, dass die Reihentests im Aichacher AWO-Heim im April zu spät gemacht worden seien. Pürner hatte dem Heim seinerseits vorgeworfen, nicht alle nötigen Schutzmaßnahmen ergriffen zu haben. Deshalb hätten sich immer mehr Mitarbeiter und Bewohner angesteckt.

Für Pürner ist der zentrale Punkt, um Bewohner und Mitarbeiter in Heimen zu schützen, die Hygiene- und die Infektionsschutzvorschriften hochzuhalten. Wenn trotzdem typische Symptome auftreten, müsse der Betroffene sofort getestet und isoliert werden.

Rückkehrer aus Risikogebiet: Amt rät zu besonders dichter Maske

Eine Wiederholung der Reihentests in ganz Bayern, bei denen nur ganz vereinzelt positive Fälle auftraten, ist laut LGL derzeit nicht geplant. Stattdessen soll bei Neuaufnahme oder Verlegungen stichprobenartig untersucht werden. Für Mitarbeiter, die aus einem Nicht-Risikogebiet aus dem Urlaub zurückkehren, besteht laut LGL keine Testpflicht. Für Rückkehrer aus Risikogebieten gelten die gängigen Regeln. Zudem rät das Amt diesen, auch bei einem negativen Test, 14 Tage nach Rückkehr aus dem Risikogebiet eine besonders dichte FFP2-Maske ohne Ausatemventil zu tragen. „FFP“ steht für „filtering face piece“, zu Deutsch „filtrierendes Gesichtsteil“.

Dass bei fast 1000 Untersuchungen kein Einziger positiv ausgefallen ist, könnte laut Pürner auch noch einen anderen Grund haben, nämlich die Qualität des Tests. Bewohner von Seniorenheimen seien oft bettlägerig, in ihren Bewegungen eingeschränkt und litten unter mehreren Erkrankungen. „Von diesen Personen einen hervorragenden, qualitativ hochwertigen Abstrich zu nehmen, ist schwierig“, so Pürner.

Einen Kommentar zum Thema finden sie hier:

Reihentests auf Corona helfen uns nicht weiter

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