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Chansons

03.11.2011

Erinnerungen an Pleitegeier früherer Tage

Isabell Münsch und Michael Friedrichs (hinten) gastieren mit „Wilde Bühne 2.0“ in Pöttmes.
Bild: Alexander Kaya

Fünf Künstler holen „Wilde Bühne 2.0“ in den Kultursaal von Pöttmes

„Wilde Bühne 2.0“ kommt nach Pöttmes. Am Freitag, 18. November, gastieren Isabell Münsch (Sopran), Franz Schlecht (Bariton), Kay Fischer (Saxophon), Geoff Abbott (Klavier), Dr. Michael Friedrichs (Konzept und Moderation) im Kultursaal der Marktgemeinde.

Das Original stand in Berlin

Das Original der „Wilden Bühne“ stand in den Jahren 1921 bis 1923 in Berlin. Bert Brecht hatte dort seinen ersten Berliner Auftritt und blieb prompt im Text stecken. Die Songs und Chansons waren damals zur Zeit der Inflation in Deutschland von ätzender Zeitkritik erfüllt, aber auch voll befreiter Sinnlichkeit. Die Texter und Komponisten waren zwar durchwegs Männer, die meisten Stars aber, die aus dieser Szene hervorgingen, waren Frauen.

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Mit ihrer Hommage an das Original „Wilde Bühne“ beginnen die Künstler. Aber nicht mit Brecht, sondern mit Frank Wedekind, einem wichtigen Vorbild Brechts. Bis heute ist Wedekind, der auch in München auftrat, skandalumwittert. Geboren 1864, starb er 1918. Brecht war auf der Beerdigung.

Ein anderer bekannter Texter hieß Walter Mehring. Seine Reime im Börsenlied zum Beispiel aus dem Jahr 1921 sind aktueller denn je: „und droht euch Streik, und liegt ihr schief,/per Saldo hilft kein Toben!/Und Zeit ist Geld, und Mensch ist Brief!/Noch lebt ein Mehrwert droben./… Es bieten die Parteien zum Kauf:/Republiken! Republiken!/Der Pleitegeier obenauf,/erbrütet Pleiteküken!/Und schreit ihr aus der Konfusion:/Helft uns! Wir sind am Ende!/Fragt man zurück am Telefon:/Was zahlt ihr Dividende?“

Der Thierhauptener Bariton Franz Schlecht sagt über dieses Stück: „Es gibt nichts Aktuelleres als diese Texte.“ In dieser Zeit der Geldentwertung und des sozialen Elends reimte der Berliner David Weber in seinem Stempellied: „Mensch, so stehste vor der Umwelt, jänzlich ohne was. Wenn dein Leichnam umfällt, wird keen Ooge nass.“ In Pöttmes legen die Künstler mit der „Wilden Bühne 2.0“ ihre Finger in die Wunden unserer Zeit. Beginn ist um 19.30 Uhr, Einlass zum Sektempfang bereits um 18.30 Uhr. (mgw)

Karten im Vorverkauf sind erhältlich bei Eva Ziegler unter Telefon (08276) 700 und bei Schreibwaren Schlaegel in Pöttmes.

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