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Aichach

08.04.2021

"Es war fast die Hölle": Aichacherin hat zweimal Corona - in drei Monaten

Eine Corona-Infektion ist für Betroffene oft eine große Belastung. Jasmin M. aus Aichach bekam den Befund "Corona-positiv" gleich zweimal.
Foto: Klaus-Dietmar Gabbert, dpa (Symbolbild)

Plus Nach ihrer ersten Corona-Infektion glaubt Jasmin M. aus Aichach, immun zu sein. Doch die 21-Jährige täuscht sich. Es folgen "traumatische" Wochen - und Fragen.

Es beginnt mit dem, was man kennt. Halsschmerzen, trockener Husten, Gliederschmerzen, Fieberschübe - all das sind "klassische" Anzeichen einer Corona-Infektion, all das widerfährt Jasmin M. aus Aichach Ende Oktober vergangenen Jahres. Die 21-Jährige lässt sich testen, und schnell ist klar: Hinter den Symptomen steckt tatsächlich das Virus. Ein Schock sei das damals gewesen, sagt die Aichacherin. Heute weiß sie: Es war nur der Anfang eines Leidenswegs, der sich - mit Unterbrechungen - über Monate hinweg zog. Ein Leidensweg, den man so fast nicht kennt. Denn es sollte nicht das einzige Mal bleiben, dass die junge Frau der Befund "Corona-positiv" ereilt.

Jasmin M. über die Zeit nach dem ersten Corona-Befund: "Ich war einsam"

Jasmin M. ist Auszubildende zur Gesundheits- und Krankenpflegerin in den Kliniken an der Paar, zweites Lehrjahr. Die Ausbildung teilt sich auf beide Standorte in Aichach und Friedberg auf. Im Oktober, kurz vor dem positiven Testergebnis, hatte die 21-Jährige gerade in Friedberg begonnen. Um in die Arbeit zu kommen, nutzte sie öffentliche Verkehrsmittel, auch den Zug. Genau dort, vermuten sie und das Gesundheitsamt, habe sie sich beim ersten Mal auch angesteckt. "Etwas anderes ist unwahrscheinlich", sagt die junge Frau. "Im Krankenhaus galten schon damals strenge Hygieneregeln, ich war außerdem gerade erst dorthin gekommen. Und sonst hatte ich in dieser Zeit mit niemandem Kontakt."

Auf den ersten Schock des positiven Tests folgten harte Tage und Wochen - wegen der Symptome, aber nicht nur. "Ich war ziemlich einsam in dieser Zeit", sagt die 21-Jährige, die alleine in einer Wohnung in Aichach lebt. Von ihrer Familie habe sie viel Unterstützung erfahren, auch ihr Arbeitgeber und das Gesundheitsamt hätten sich regelmäßig nach ihr erkundigt. Dafür sei sie sehr dankbar. "Letztlich darf man aber niemanden sehen und kann nur darauf warten, dass das wieder vorübergeht." Immer wieder sei sie getestet worden, immer wieder sei das Ergebnis positiv gewesen.

Zweimal Corona-positive Aichacherin arbeitet in Kliniken an der Paar

Nach rund einem Monat ging es wieder bergauf. Die Tests waren wieder negativ, die Symptome - bis auf einen eingeschränkten Geschmacks- und Geruchssinn - weg. Die junge Frau näherte sich langsam wieder der Normalität an. Sie konnte wieder ins Friedberger Krankenhaus, in die Arbeit, die ihr so viel Spaß macht. Inzwischen waren dort jedoch mehrere Corona-Fälle unter Mitarbeitern und Patienten bekannt geworden. Die Folge: regelmäßige Reihentests. Eine Formalität, dachte die Aichacherin. Sie sei auch nach dem ersten Mal vorsichtig geblieben, außerdem habe ihr Hausarzt damals gesagt, dass 70 Prozent der Corona-Positiven danach immun seien. "Ich dachte deshalb, dass ich mir keine großen Sorgen mehr machen müsste."

Am 23. Januar unterzog sich Jasmin M. im Friedberger Krankenhaus einem PCR-Reihentest. Er fiel positiv aus - drei Monate nach der ersten Corona-Infektion der 21-jährigen Aichacherin.
Foto: Benedikt Siegert (Symbolbild)

Dann kam der 23. Januar, und mit ihm ein weiterer PCR-Reihentest. Sein Ergebnis: Jasmin M., komplett beschwerdefrei, war rund drei Monate nach dem ersten Befund erneut Corona-positiv. Die Nachricht kam - und unter der 21-Jährigen tat sich der Boden auf. "Das war fast die Hölle", erinnert sie sich. "Kommen jetzt die Symptome und die Schmerzen wieder? Habe ich jemanden angesteckt? Wie geht das alles weiter? In so einem Moment geht einem vieles durch den Kopf, und nichts davon ist angenehm." Über allem habe jedoch eine Frage gestanden: "Wie kann es dazu überhaupt kommen?"

Re-Infektion oder PCR-Positivität? Was das Gesundheitsamt sagt

Dass jemand nach so langer Zeit erneut positiv getestet wird, ist äußerst selten. Das Phänomen wirft auch aus ärztlicher Sicht Fragen auf, wie Viktoria Schaefer, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts Aichach-Friedberg, gegenüber unserer Redaktion erklärt. In Fällen wie dem von Jasmin M. sei meist "vollkommen unklar", ob es sich um eine zweite, separate Infektion ("Re-Infektion") handle - oder um eine sogenannte „länger anhaltende PCR-Positivität nach Infektion“. Das bedeutet - stark vereinfacht -, dass sich Virus-RNA auch weiter im Nasenrachenraum hält, obwohl der Patient als genesen gilt. Ab einer bestimmten Menge Virus-RNA schlägt der PCR-Test an. Eine solche PCR-Positivität könne durchaus auch dann der Fall sein, "wenn ein dazwischenliegender Abstrich einmal negativ war", erklärt Schaefer.

Fälle von Re-Infektionen sind nach Auskunft von Schaefer bislang kaum beschrieben. Dazu könne es jedoch kommen, wenn die im Blut messbare Menge an Antikörpern abnehme oder wenn die betroffene Person Kontakt mit Genom-veränderten Viren gehabt habe - also Mutationen. Welchen Schutz eine bereits durchgemachte Corona-Infektion biete, sei nach wie vor unklar, sagt Schaefer. Studien würden jedoch eine Beständigkeit von Antikörpern über mehrere Monate nach einer Infektion belegen. Es gebe zudem deutliche Hinweise darauf, dass bereits Infizierte zumindest vor schweren Krankheitsverläufen geschützt seien.

21-Jährige spürt nach wie vor Folgen der Corona-Infektion

So war es auch bei Jasmin M. Ihre Sorge vor starken Symptomen und Schmerzen bestätigte sich beim zweiten Mal nicht. Eine Mutation sei nicht nachgewiesen worden, sagt sie. Dennoch musste sie nun zwei Monate zuhause bleiben: einen Monat in Quarantäne, einen weiteren wegen eines Tätigkeitsverbots im Krankenhaus. Zu groß war die Sorge, die 21-Jährigen könne das Virus im hochsensiblen Bereich der Klinik weiterverbreiten.

Das Krankenhaus in Friedberg.
Foto: Stefan Puchner, dpa

Die Vorsichtsmaßnahme wurde zu einer weiteren Belastungsprobe. "Das war hart", erinnert sich Jasmin M. Nicht nur, dass sie sich wochenlang mit niemandem persönlich treffen durfte. "Fast schlimmer war: Man hat sehr viel Zeit zum Nachdenken, ist in Sorge um die Menschen um sich. Diese Monate waren schon traumatisch." Bis heute treibe sie der Gedanke an ihre Krankheit um, gerade in ihrem beruflichen Umfeld werde sie schließlich immer wieder damit konfrontiert. "Das voneinander zu trennen, ist nicht ganz einfach."

Zweimal Corona: Jasmin M. aus Aichach hat Angst vor drittem Mal

Manchmal hat sie noch Probleme beim Schmecken und Riechen, sonst geht es der 21-Jährigen inzwischen wieder gut. Einen Gedanken wird sie aber nicht los: den, ein drittes Mal den Befund "Corona-positiv" zu bekommen. "Man weiß es ja nie", sagt die Aichacherin und lacht, aber nur kurz. "Diese Angst verfolgt mich jetzt nicht in meine Träume, aber ich habe sie schon. Natürlich." Um das Risiko weiterhin möglichst gering zu halten, beschränke sie ihre Kontakte auf den engsten Familienkreis. Sie wolle sich außerdem so schnell wie möglich impfen lassen. "Es wird dauern, bis ich wieder Vertrauen in ein halbwegs normales Leben aufbauen kann. Dafür ist mir zu viel passiert."

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