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22.11.2007

Ex-Frau mit SMS terrorisiert: "Ich mach' dich weg"

"Ich weine mir das Herz aus. Ich will ohne dich nicht mehr leben." Mit solchen Handy-Kurznachrichten bat ein 50-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis anfangs seine Ex-Frau, zu ihm zurückzukommen. Als sein Flehen nicht erhört wurde, folgten üble vulgäre Beschimpfungen. Zeitweise mehrmals täglich. Am Ende kamen Morddrohungen.

Von Nicole Simüller, Aichach

"Ich weine mir das Herz aus. Ich will ohne dich nicht mehr leben." Mit solchen Handy-Kurznachrichten (SMS) bat ein 50-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis anfangs seine Ex-Frau, zu ihm zurückzukommen.

Als sein Flehen nicht erhört wurde, folgten üble vulgäre Beschimpfungen. Zeitweise mehrmals täglich. Am Ende kamen Morddrohungen: "Ich bring' dich um!", "Du bist fällig!" So oder so ähnlich lautete der Inhalt einer langen Reihe von SMS, die Staatsanwalt Christoph Prinke vorlas.

Wegen Nachstellung, Beleidigung und Bedrohung wurde der Angeklagte gestern vor dem Amtsgericht Aichach zu neun Monaten Haft verurteilt. Erst seit März dieses Jahres erlaubt das deutsche Recht eine Verurteilung nach dem Stalking-Paragrafen. Richter Christian Grimmeisen sprach gestern von "einem Paradefall des Stalking": "Sie wussten, dass das gegen den Willen Ihrer Frau ist. Sie haben beharrlich weitergemacht. Und Sie haben die Lebensgestaltung Ihrer Frau stark beeinträchtigt."

Ex-Frau mit SMS terrorisiert: "Ich mach' dich weg"

Der Angeklagte schüttelte den Kopf: "Wenn ich gewusst hätte, dass meine Frau solche Angst hat, hätte ich das nie gemacht." Damit aber fand er beim Richter kein Gehör. Denn bereits im Mai war der 50-Jährige vor Richter Grimmeisen auf der Anklagebank gesessen. Grund: Er hatte seine Ex-Frau mit über 100 SMS belästigt. Auch darin hatte er sie teilweise bedroht. Schon damals stand er nach einer Trunkenheitsfahrt unter Bewährung. Nur die Versöhnung mit seiner Frau und seine Alkoholtherapie bewahrten ihn vor dem Gefängnis.

Doch der SMS-Terror ging weiter. Die Frau wandte sich in einem verzweifelten Brief an die Staatsanwaltschaft: "Ich lebe Tag und Nacht in Todesängsten. Mein Leben ist nur noch eine einzige Qual, wenn ich das Haus verlassen muss", las der Richter aus dem Brief vor.

Aber auch von Interventionen der Polizei ließ sich der Angeklagte nicht abschrecken. Erst als der Richter zufällig im Vorfeld des neuen Prozesses die eindeutigen Kurznachrichten zu sehen bekam, hatte die Qual ein Ende. Grimmeisen ließ den Angeklagten sofort wegen Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft nehmen. Bis das jetzige Urteil rechtskräftig wird, ist der Angeklagte aber wieder auf freiem Fuß.

Er schilderte die Beziehung zu seiner Ex-Frau als äußerst zwiespältig. Das Paar hatte sich bereits vor 16 Jahren scheiden lassen. Doch immer wieder sei die Frau zu ihm zurückgekehrt. Vor zwei Jahren zogen die beiden sogar kurzzeitig wieder zusammen. Heute wohnt die Frau im südlichen Landkreis.

Immer wieder habe er ihr finanziell aus der Patsche geholfen, so der 50-Jährige. Irgendwann fing er zu trinken an, machte eine Therapie, ist seit April angeblich wieder "trocken".

"Ich habe böse SMS geschrieben, die ich heute noch bereue", gab er zu. "Aber ich hatte Panik, dass sie wiederkommt. Ich wusste, dass ich sie nicht hätte abweisen können." Die Frau blieb vor Gericht gefasst. "Wir wussten, dass wir zusammengehören", sagte sie. "Im Grunde genommen ist er kein schlechter Mensch. Aber wenn er trinkt, dann legt sich bei ihm ein Schalter um."

Verteidiger Reinhard Baade riet seinem Mandanten, in Berufung zu gehen. Er will dann ein psychiatrisches Gutachten einholen lassen und hofft auf eine nochmalige Bewährungsstrafe - das wäre die dritte in Folge.

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