1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Ex-Konrektor muss wieder vor Gericht

Aichach-Friedberg

23.07.2019

Ex-Konrektor muss wieder vor Gericht

Gegen ein Urteil des Amtsgericht Aichach legt die Staatsanwaltschaft Berufung ein. (Symbolfoto)
Bild: Katja Röderer

Plus Die Staatsanwaltschaft akzeptiert die Bewährungsstrafe des Aichacher Schöffengerichts nicht und legt Berufung gegen das Urteil ein.

Er hat Prüfungsaufgaben verraten und über 260000 Euro veruntreut: Ein ehemaliger Konrektor einer Realschule aus dem Landkreis Aichach-Friedberg musste sich deshalb in Aichach vor Gericht verantworten. Vor einer Woche bildete das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Walter Hell eine Gesamtstrafe aus beiden Delikten. Das Gericht entschied auf eine zweijährige Bewährungsstrafe gegen den 44-jährigen geständigen Angeklagten ( wir berichteten ). Es bezog damit das Urteil wegen Verrats des Dienstgeheimnisses vom Juni ( wir berichteten )mit ein. Der Fall ist für den suspendierten Pädagogen aber noch nicht ausgestanden.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Staatsanwaltschaft hält Urteil für zu milde

Die Staatsanwaltschaft lässt den Fall nämlich nicht auf sich beruhen. Sie legt Berufung gegen das Urteil des Aichacher Schöffengerichts ein. Das erklärte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai auf Anfrage unserer Redaktion. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist das Urteil viel zu milde ausgefallen.

Staatsanwältin Beate Schauer hatte am Ende der Verhandlung am 15. Juli ein weitaus härteres Urteil gegen den Angeklagten gefordert. Sie plädierte für eine Gefängnisstrafe von drei Jahren und drei Monaten.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Zwar erkannte die Staatsanwältin an, dass der ehemalige Konrektor in beiden Fällen geständig war. Nachdem er aufgeflogen war, leugnete er nicht, dass er aus Liebe zu einer Frau, die Aufgaben für die Realschulabschlussprüfung 2018 aus dem Schultresor geholt hatte, damit der Sohn seiner Geliebten die Prüfung schaffen kann.

Beim Berufsverband immer wieder Gelder abgezweigt

Im Zuge dieser Ermittlungen kam sein zweites Vergehen auf: Der Pädagoge, der Schatzmeister eines Bezirkes beim Berufsverband der Realschullehrer war, hatte seit 2010 immer wieder Gelder abgezweigt. Am Ende waren es rund 260000 Euro. Die Summe zahlte der ehemalige Lehrer samt Zinsen und Zineszinsen zurück. Das alles hielt ihm die Staatsanwältin zwar zugute. Sie argumentierte allerdings mit seiner „erheblich kriminellen Energie“. Er habe über Jahre Geld unterschlagen „ohne irgendwann mal ein schlechtes Gewissen zu haben“, sagte Schauer, die dem Angeklagten deshalb keine Bewährungsstrafe mehr geben wollte.

Gericht hielt dem mann Wiedergutmachung zugute

Ganz anders das Schöffengericht. Walter Hell begründete die Entscheidung für die Bewährungsstrafe damit, dass der Angeklagte alles im Sinne einer Wiedergutmachung unternommen habe. Noch schwerer wog für das Schöffengericht aber ein eigenes Urteil vom Mai gegen einen 57-jährigen Maler aus Friedberg auf eine vierjährige Gefängnisstrafe. Der hatte nach Überzeugung des Gerichts als Betreuer eine kranke Frau „ausgenommen wie eine Weihnachtsgans“. 700000 Euro sollen es insgesamt gewesen sein.

In der Urteilsbegründung gegen den Lehrer betonte Hell: „Die Strafe soll gerecht sein.“ Das Gericht könne dem 44-Jährigen nicht die gleiche Strafe geben wie dem 57-jährigen Maler. Der ehemalige Konrektor habe keinen Menschen geschädigt, keiner habe durch ihn persönliches Leid erlitten. Außerdem sei er im Gegensatz zu dem 57-Jährigen geständig und habe den Schaden wieder gut gemacht. Hell sprach deshalb von „gravierend auseinander klaffenden Fällen“.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren