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Kabarett

08.07.2019

FJS und ein neuer Helmut Schleich

Vor ausverkauften Reihen trat Kabarettist Helmut Schleich im Aichacher Pfarrzentrum auf. Dort zog er ordentlich vom Leder.
Bild: Brigitte Glas

Im ausverkauften Aichacher Pfarrzentrum geht es heiß her – von den Machenschaften der Autoindustrie bis zu Ursula von der Leyen

Als er das Gewinnstreben der Autoindustrie anprangert, rechnet keiner im Publikum mit. Das passt Helmut Schleich gar nicht: „Nicht einfach dahocken und warten, bis der Strauß kommt!“, sagt er zu seinen Zuhörern im Aichacher Pfarrzentrum. Aber natürlich schlüpfte der bayerische Kabarettist dann doch noch in seine Paraderolle als ehemaliger Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender – aber erst zum Finale. Vorher hatte er in seinem neuen Programm „Kauf, du Sau!“ noch vieles andere zu sagen.

Zu einem „kabarettistischen Sau-naabend“ begrüßte Schleich sein Publikum im ausverkauften Pfarr-zentrum. 30 Grad draußen und nicht viel weniger im Saal waren für den Kabarettisten wie für seine Gäste eine Herausforderung. Leichter wurde es nicht, denn Schleich heizte die Atmosphäre mit seinen oft schrägen Gedanken und brillanter Rhetorik gehörig an.

In seinem neuen Programm mit dem doch etwas derben Titel nimmt Schleich die Konsumgesellschaft aufs Korn. Wir sollen kaufen, aber nicht nur. Sondern auch verkauft werden. Nämlich für dumm. So er-zählte er von Konsumenten, die auf hohem Wohlstandsniveau jammern, aber mit dem SUV zum Dallmayr fahren, um ein Gläschen „kandierte Langustenhoden“ einzukaufen, und dabei lamentieren, dass sie keinen Parkplatz finden. Oder von Dieselfahrern, die sich von der Autoindustrie übers Ohr hauen lassen mit angeblich immer saubereren fahrbaren Untersätzen, die ihre Besitzer immer teurer zu stehen kommen – frei nach dem Motto „Fahr einen, zahl drei!“

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Auch die Dienstleister und deren übertriebene Freundlichkeit, auf ein „danke“ mit „sehr sehr gerne“ zu antworten, nahm er aufs Korn. Da ist ihm die gestandene Bedienung Berta aus dem Weißen Bräuhaus schon viel lieber. Als ein Gast allzu großzügig von 18,90 auf 19 Euro aufrundet, meint sie trocken: „Buali b’halt dei Geld, i hab di scho beim Z’ammrechnen b’schissn.“

Der Programmtitel führt ein biss-chen in die Irre. Nur am Anfang geht es um die betrügerische Autoindustrie und das von ihr produ-zierte „Straßenbegleitblech“ – mit welchem Antrieb auch immer. Gleich danach dreht sich das Programm um den Alltag mit all seinen Absurditäten. Zwar haben die Älteren immer schon die Jugend für „g’spinnert“ gehalten. Jetzt endlich könnte es aber stimmen bei den jungen Eltern: „Pippi Langstrumpf ist Gift für den zuckerfrei lebenden Nachwuchs im Vollkorn-Paradies“, beispielsweise. Auch analysiert Schleich die Sprache samt Dialekt und denkt weiter bis ins Groteske. „Mia san mia“, die bayerische Lebensweisheit, schreibe sich korrekt „mir san mir“. Auf Russisch aber bedeute „Mir“ den „Frieden“, was wiederum mit Bayern und den weltweit verkauften „Patronen aus Bavaria“ des „Napalm-Duos“ nicht vereinbar sei.

Und natürlich bekommt die Politik ihr Fett weg. Söder zum Beispiel und Dorothea Bär – „die mit dem angewachsenen Smartphone“. Gerade sie sei ein Beispiel, wie die Parteien versuchen würden, junge Leute zu positionieren – nach dem Motto „Altersstarrsinn gegen Welpendummheit“. Schleich bleibt tagesaktuell. Die Aufregungen um Ursula von der Leyen als mögliche EU-Kommissionspräsidentin in der laufenden Woche waren schon ins Programm eingearbeitet. Das Publikum erlebte im neuen Programm einen neuen Schleich. Statt der vielen Figuren und ständigen Kostümwechsel ist er einfach er selbst. Damit begeisterte er sein Publikum von Anfang bis Ende. Zugabe? Aber selbstverständlich. Da gab es einen der vom „Schleich-Fernsehen“ bekannten Dialoge der Ratzinger-Brüder.

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