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Zugausfälle

09.07.2019

Fahrgäste in Aichach ärgern sich über die Paartalbahn

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Der Bayerischen Regiobahn fehlen Lokführer, weshalb im Juli viele Züge ausfallen. Die Strecke Augsburg-Ingolstadt wird nur noch im Halbstundentakt bedient.

Plus Seit dem Wochenende fahren die Züge auf der Strecke Augsburg-Ingolstadt nur noch stündlich. Der Betreiber, die Bayerische Regiobahn, hat Personal-Probleme.

Durchsagen an Bahnhöfen ertönen häufig mit einer weiblichen Stimme. So ist es auch am Montagnachmittag in Aichach. „Information zu BRB 86663 von Augsburg Hauptbahnhof – wird heute entfallen“, sagt die Stimme. In diesem Moment macht Ingeborg Daumert ihrem Ärger Luft. Sie steht am Bahnsteig und sagt: „Das ist eine Riesensauerei.“ Die Entschuldigung, die über die Fahrgastinformation flimmert, könne sich die Bayerische Regiobahn sparen, schimpft sie. In der Ukraine und Albanien kämen die Züge pünktlicher, die deutschen Manager sollten das Personal besser bezahlen.

Seit dem Wochenende kann die Bayerische Regiobahn (BRB) als Betreiber der Paartalbahn-Strecke Augsburg–Ingolstadt den Halbstundentakt nicht mehr aufrechterhalten. Züge fallen aus und fahren nur noch stündlich. Zwischen Ingolstadt und Eichstätt fahren bis auf Weiteres gar keine BRB-Züge mehr. Auch von Augsburg zum Ammersee und weiter nach Weilheim und Schongau verkehrt die gelb-blau-weiße Bahn nur noch jede Stunde. Dem Betreiber fehlen nach eigenen Angaben Lokführer.

Fahrgäste machen ihrem Ärger im Internet Luft

Das hat großen Unmut bei den Fahrgästen ausgelöst, sie machen ihrem Ärger in den sozialen Medien und bei unserer Zeitung Luft. Auch der Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Winfried Karg aus Aichach, ist verärgert. Er beobachtet schon länger, dass es zu wenige Lokführer gibt. Vor Jahren seien solche Situationen undenkbar gewesen, aber die Eisenbahnen seien kaputtgespart worden und litten unter einem schlechten Image, beklagt Karg. „Die Folgen sind insgesamt schwer abschätzbar“, sagt er. Mittlerweile steuere man wieder stärker dagegen. Zudem sei die Konkurrenz durch andere Arbeitgeber stark und teilweise attraktiver für junge Menschen. Wichtig werde in den nächsten Wochen sein, dass das Unternehmen immer zwei bis drei Triebwagen einsetze.

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Eisenbahngesellschaft spricht von einem bundesweiten Problem

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) ist für den Regionalverkehr zuständig. Sprecher Wolfgang Oeser sagt: Dass Triebfahrzeugführer ausfielen, sei ein bundesweites Problem. Jedes Bahn-Unternehmen tue alles, um ausreichend Personal zu haben. Dass die Bayerische Regiobahn Probleme habe, habe sich bereits im vergangenen halben Jahr abgezeichnet.

Die BRB habe ein wirtschaftliches Interesse daran, dass sich die Situation verbessere, stellt Oeser klar. Bei Zugausfällen zahlt die BEG als Auftraggeber nicht an die Regiobahn. Um für Ausfälle entschädigt zu werden, könnten sich Fahrgäste entweder an die BRB wenden und auf Kulanz hoffen – oder ein Fahrgastrechte-Formular einreichen. Informationen dazu finden Kunden im Internet unter www.fahrgastrechte.info. Oeser hofft darauf, dass es bald neue Triebfahrzeugführer gibt.

BRB-Pressesprecher Christopher Raabe bedauert, dass die Fahrgäste von der aktuellen Entwicklung überrascht wurden: „Wir haben bis Samstagfrüh noch gedacht, wir würden das nötige Personal trotz Personalmangel und Krankmeldungen zusammenbekommen.“ Die BRB-Verantwortlichen betonen zwar, dass sie sich um eigenen Nachwuchs bemühen. Die ersten Lokführer werden aber erst Ende Juli mit ihrer Ausbildung fertig. Bis dahin müssten Zugfahrten ausfallen, so Raabe.

Am Bahnhof diskutieren zwei Frauen über die Ausfälle

Am Aichacher Bahnhof diskutieren zwei Frauen, die eben mit einem Zug angekommen sind, über die Ausfälle. Auf der Hinfahrt nach Augsburg hatte eine von ihnen erst kurzfristig gemerkt, dass ihr Zug ausfällt. Sie wollte eigentlich eine halbe Stunde eher zu ihrem Termin fahren. „Ich hatte Stress“, sagt sie. Erst auf die Minute genau sei sie angekommen.

Susanne Weiß aus Aichach hatte keine Probleme. Sie ist seit 27 Jahren Pendlerin: „Mich kann nicht mehr viel erschüttern.“ Für die Personalprobleme der BRB hat sie Verständnis. Die gebe es in jedem Beruf. Irgendwann werde sich die Lage verbessern. Dennoch ist sie froh, bald nicht mehr auf den Zug angewiesen zu sein, sagt die 66-Jährige.

Am Bahnsteig fährt kurze Zeit später der Zug von Ingolstadt nach Augsburg ein. Die Fahrgäste laufen zum Gleis zwei. Darunter ist auch Ingeborg Daumert, die ihrem Ärger eben noch Luft gemacht hatte. Sie scheint erleichtert. Es war der Zug von, und nicht der nach Augsburg, der ausfällt. Sie kommt nun also doch schneller voran, als sie vorhin befürchtet hatte.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Philipp Schulte: Zugausfälle: Regiobahn muss dringend Abhilfe schaffen

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