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Aichach-Friedberg

13.04.2015

Familienvater prügelt vor Disco auf eine wehrlose Frau ein

Ein Mann hat ein Pärchen vor einer Disco angegriffen - und wurde deswegen verurteilt.
Bild: Symbolfoto, Alexander Kaya

Ein 36-jähriger Familienvater wirft eine wehrlose Frau zu Boden. Als ihr Freund einschreitet, prügelt der 36-Jährige auf ihn ein und holt sich dafür eine besondere Verstärkung.

Einen Zeugen aus dem Hut gezaubert hatte ein 36-jähriger Familienvater aus dem nördlichen Landkreis vor dem Aichacher Amtsgericht. Geholfen hat ihm das letztlich nicht. Staatsanwalt Martin Neumann warf dem Angeklagten vor, im Sommer vergangenen Jahres vor einer Diskothek eine 19-Jährige geschubst und ihrem 22-jährigen Freund die Faust ins Gesicht geschlagen zu haben.

Beide trugen schmerzhafte Verletzungen davon. Der „Zeuge aus der Wundertüte“ brachte aber nicht die erhoffte Entlastung für den Angeklagten. Richter Axel Hellriegel verurteilte ihn wegen gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung.

Parallele zum Fall Tugce in Offenbach

Nur noch „rudimentär“ seien die Erinnerungen seines Mandanten an die frühen Morgenstunden Ende August, sagte Rechtsanwalt Matthias Rother. Gegen 4.30 Uhr soll der 36-Jährige vor der Disco eine 19-Jährige so heftig geschubst haben, dass sie mit dem Hinterkopf auf den Asphalt stürzte und sich eine Schädelprellung zuzog. Bei dem Fall der Studentin Tugce in Offenbach endete ein solcher Sturz mit dem Tod.

Die junge Frau hatte gerade mit ihrem Vater telefoniert, um abgeholt zu werden, als der 36-Jährige aus dem Landkreis Aichach-Friedberg sie umgestoßen hatte,. Der Vater bekam am Telefon mit, dass es einen Tumult gab. Ihrem 22-jährigen Freund, der den 36-Jährigen daraufhin zur Rede stellen wollte, schlug der Familienvater laut Anklage mit der Faust ins Gesicht und brach ihm dabei mehrfach die Nase.

Danach ging die Prügelei aber noch weiter. Inzwischen mischte noch ein Zweiter mit, wie mehrere Zeugen bestätigten. Eine Freundin der 19-Jährigen glaubte, dass der Angeklagte und der zweite Mann sich kannten. Sie habe sie zusammen in der Disco gesehen. Die 19-Jährige sagte weiter, die Schlägerei habe sich hinter die Autos verlagert. Sie habe wirklich Angst um ihren Freund gehabt. „Sie schlagen ihn tot!“, schrie sie am Telefon, berichtete der Vater.

Mehrere Prellungen am Kopf und am Oberkörper und eine Platzwunde im Gesicht stellten die Ärzte bei dem 22-Jährigen fest. Beim Sturz hatte er sich die rechte Hand so stark geprellt, dass sie mehrere Wochen schmerzte. Wegen des mehrfachen Nasenbeinbruchs musste er operiert werden.

Der 22-Jährige konnte sich nur noch an den ersten Schlag mit der Faust ins Gesicht erinnern und dass die Angreifer zu zweit waren. Der zweite Mann blieb ein Phantom. Die Polizei hatte nur eine vage Beschreibung. „Er soll etwa 1,70 Meter groß sein und ein weißes Hemd getragen haben“, sagte der Polizeibeamte aus.

Der mysteriöse Komplize benahm sich wie in einem Action-Film

Eine genauere Beschreibung lieferte ein 29-jähriger Zeuge aus Schrobenhausen, der sich erst vor ein paar Wochen bei dem Angeklagten gemeldet hatte. Der zweite Angreifer habe eine Glatze gehabt und wie der Schauspieler Jason Statham in dem Kinofilm „Fast and Furios“ ausgesehen, sagte er aus. „Der wusste, wie man schlägert“, stellte der 29-Jährige fast anerkennend fest.

In vielen Punkten stimmte seine Erzählung mit den Aussagen der anderen Zeugen überein. In einigen wich sie aber komplett davon ab. Der 29-Jährige behauptete zum Beispiel, die 19-Jährige und ihr Freund seien sturzbetrunken gewesen. Das bestätigte keiner der anderen Zeugen. Auch seine Behauptung, der 22-Jährige sei dafür bekannt, dass er gern schlägere, ließ sich nicht erhärten.

Der Aussage des Schrobenhauseners, dass der 22-Jährige auf den Familienvater losgegangen sei und nicht umgekehrt, schenkte Staatsanwalt Martin Neumann wenig Glauben.

Richter Axel Hellriegel spricht Haftstrafe aus  

Auch Beate Krug-Braunmiller, die den 22-jährigen Nebenkläger vertrat, hielt den „Zeugen aus der Wundertüte“ für nicht glaubhaft. Unter der Auflage, dass der Angeklagte 8000 Euro Schmerzensgeld zahlt, sprach sie sich für eine einjährige Bewährungsstrafe aus. Der Staatsanwalt hatte ein Jahr und zwei Monate Haft gefordert. Verteidiger Rother plädierte für Freispruch.

Amtsrichter Axel Hellriegel folgte in seinem Urteil dem Plädoyer des Staatsanwalts. Die Voraussetzungen für eine Bewährungsstrafe, ein Geständnis, eine Entschuldigung oder eine Schadenswiedergutmachung, gab es nicht. Deshalb bleibe ihm gar keine andere Wahl, als eine Haftstrafe auszusprechen, sagte der Amtsrichter.

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