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Benefizaktion

16.07.2018

Feuerwehr Pöttmes macht Marius glücklich

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9 Bilder
„Feuerwehrmann“ Marius Eichler löscht den Brand im Eisenbehälter. Der Pöttmeser Feuerwehrkommandant Richard Hammerl geht dem 13-Jährigen zur Hand, Zugführer Anton Hartwig (hinten) ist für die Wasserzuführung zuständig. Der Feuerwehreinsatz war einer der Höhepunkte bei der Benefizaktion von Familie Schmidberger für den Jungen.
Bild: Vicky Jeanty

Familie Schmidberger gibt für den 13-jährigen, behinderten Jungen aus Wundersdorf ein Fest und bereitet ihm eine besondere Überraschung

Von Vicky Jeanty

Pöttmes Die Pöttmeser Feuerwehr fuhr mit Sirenengeheul vor. Kommandant Richard Hammerl und Zugführer Anton Hartwig entrollten den Schlauch. Marius Eichler bekam eine Feuerwehrweste und einen Feuerwehrhelm verpasst. Dann hieß es „Wasser marsch“ und der 13-jährige „Feuerwehrmann“ Marius lenkte den Strahl geschickt in den großen Eisenbehälter, aus dem die Flammen hochschlugen. Der simulierte Feuerwehreinsatz war zweifellos der größte Überraschungscoup, den Silvia und Franz Schmidberger eigens für den mit Downsyndrom geborenen Jungen aus dem Schiltberger Ortsteil Wundersdorf arrangiert hatten.

Das Fest für Marius war bereits die dritte Benefizaktion, zu der die Pöttmeser Familie am Samstag auf ihrem Betriebsgelände am Laichanger geladen hatte. Der Erlös kommt jedes Mal einem behinderten Kind zugute.

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Der Feuerwehreinsatz sollte nicht der einzige Höhepunkt der gut besuchten Veranstaltung sein. Die zahlreichen Gäste, zu denen viele Familien mit Kindern gehörten, erlebten das komplette Musical „Wolle, Wiwi und Wawa auf der Suche nach Wuwu“ mit zwei Darstellern und Puppenfiguren. Musiker Andreas Matthes und Sängerin Janina Maria Schmaus wussten zu begeistern und animierten die Zuschauer zum Mitmachen. Das Musical, dessen Uraufführung mit Kindern aus der Aichacher Elisabethschule vor einigen Jahren für überregionales Aufsehen gesorgt hatte, war gerade für die Familie Eichler von besonderer Bedeutung. Ihr Sohn Marius hatte in dem Stück mitgespielt und seine Rolle als Frosch mit großem Engagement wahrgenommen.

Die Schmidbergers warteten mit einem weiteren Schmankerl auf: Für die Versteigerung hatten sie den aus Film und Fernsehen bekannten Florian Simbeck gewinnen können, den viele aus dem früheren Comedy-Duo Erkan und Stefan kennen. Humorig und redegewandt pries der Profi die vielen gesponserten Preise an: Essens- und Veranstaltungsgutscheine, Zoobesuche, ein Bollerwagen, signierte Helene-Fischer- oder Andreas-Gabalier-Karten, ein Schokoladenbrunnen und Autositzschonbezüge, eine Fahrt im Romantik-Taxi oder einen Segelflugturn – Simbeck brachte alles mühelos an den Mann und die Frau.

Im Festzelt war bestens für reichhaltige Verköstigung gesorgt. In der großen Halle der Schmidbergers konnten die Kinder Kicker spielen oder Nägel in den Holzbock donnern. Mit Discomusik klang der Abend aus.

Als „Wiederholungstäter“, so Silvia Schmidberger, wollen sie mit ihrer jährlichen Aktion Gutes tun und eine Familie mit behindertem Kind unterstützen. Mittlerweile können sie sich auf ein großes Helferteam verlassen, ohne dessen Unterstützung ihre Benefizveranstaltung in dem Umfang nicht zu stemmen wäre. Freunde, Bekannte, Schmidbergers Angestellter und die beiden Töchter sind zur Stelle, wenn es gilt, das Festzelt aufzustellen und zu bestücken, die Werkhalle leer zu räumen oder Sponsoren an Land zu ziehen. „Viele, bei denen ich um Sachspenden nachgefragt habe, haben spontan zugesagt“, sagte die Veranstalterin. Dazu gehört auch die Pöttmeser Wehr, deren Einsatz besonders aufwendig war. An der Essensausgabe stand heuer die Familie Gerbl mit der älteren Tochter Céline. Ihr schwer kranker Sohn und Bruder Lenny hatte dank der letztjährigen Benefizaktion eine Delfintherapie in der Türkei wahrnehmen können. Der Kontakt zur fünfköpfigen Familie Eichler aus Wundersdorf kam über die Leitung der Elisabethschule zustande. Eichlers ältester Sohn Marius hat das Downsyndrom und besucht seit vielen Jahren die Aichacher Förderschule. Die Benefizaktion in Pöttmes hat sie alle regelrecht überwältigt. „Wir sind gerührt und dankbar. Das kann man nicht verstehen“, sagte Mutter Nadine, den Tränen nahe. Marius interessiere sich seit jeher für Feuerwehrangelegenheiten und entdecke in jedem Supermarkt als Erstes den Feuerlöscher. Dass die Schmidbergers diese Randbemerkung in einen mit Sirenen begleiteten Feuerwehreinsatz samt Löschaktion und Fahrt im Feuerwehrauto umgemünzt hätten, sei „Wahnsinn“. Das werde ihr Junge nie vergessen.

Marius bedankte sich bei den Schmidbergers mit einer großen Torte, auf der sein Konterfei prangte. Versteigerer Florian Simbeck überreichte er einen Blumenstrauß. Im privaten Rahmen beisammen sein und ein paar unbeschwerte Stunden gemeinsam verbringen, das war eines der Anliegen der Familie Schmidberger. Oder: „Gemeinsam mehr erreichen“, wie in großen Buchstaben unter einem lachenden Marius-Foto im Festzelt stand. Ein einleuchtendes Rezept, das Schule machen könnte.

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