1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Flüchtlinge finden schneller Arbeit als erwartet

Aichach-Friedberg

19.01.2019

Flüchtlinge finden schneller Arbeit als erwartet

Die junge Frau absolviert einen Kurs im E-Schweißen. Das Jobcenter Aichach-Friedberg versucht, junge Flüchtlinge zu einer Ausbildung zu bewegen, um langfristig eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu haben.
Bild: Symbolfoto dpa/Ingo Wagner

Der Chef des Jobcenters Wittelsbacher Land zieht ein positives Fazit. Woran die Jobsuche der Zugewanderten jedoch auch scheitern kann

Lange waren sich die Experten unsicher: Wie sollen all die Flüchtlinge jemals auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen? Jetzt zieht Gottfried Denkel, Leiter des Jobcenters Wittelsbacher Land, ein überraschend positives Fazit: Die Zahl arbeitsloser Ausländer sinkt im Landkreis Aichach-Friedberg: 163 waren es im Dezember 2018. Das sind etwa 35 Prozent aller Hartz-IV-Empfänger. Knapp 5350 Arbeitnehmer im Landkreis (etwa elf Prozent) sind Ausländer. Gottfried Denkel klinkt erleichtert: Die Flüchtlinge würden sich deutlich besser auf dem Arbeitsmarkt integrieren lassen, als vermutet, sagt er.

180 haben im vergangenen Jahr eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen, 18 eine Ausbildung begonnen. Das Ergebnis ist vor allem überraschend, weil es bis vor Kurzem noch hieß, dass schon viel geschafft sei, wenn überhaupt die Hälfte der Flüchtlinge in Deutschland Arbeit finden würden, so Denkel weiter. Nun sehe es weit besser aus. Die Flüchtlinge haben über alle Berufsgruppen hinweg Arbeit gefunden. Sie seien aber verstärkt auch im Handwerk beschäftigt.

Viele Stellen im Wittelsbacher Land müssen laut Denkel auch dringend besetzt werden. Die Zahl unbesetzter Arbeitsplätze ist im vergangenen Jahr vor allem im Bereich Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit gewachsen. Derzeit sind hier 100 Stellen zu haben. Auch das Baugewerbe hat im Landkreis noch 78 Arbeitsplätze zu vergeben und Firmen im Bereich Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung suchen schon seit einiger Zeit händeringend nach Helfern. Hier sind 187 Stellen frei.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Auf dem Arbeitsmarkt gebe es immer weniger Potenzial, die Stellen zu befriedigen, berichtet Gottfried Denkel. Das Jobcenter habe jedoch nach wie vor genug Geld, um Qualifizierungen von Flüchtlingen und auch von allen anderen Arbeitslosen zu bezahlen, versichert der Chef des Jobcenters. Das gute Budget sei mit ein Grund dafür, warum die Integration auf dem Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr so erstaunlich gut funktioniert habe. Außerdem hat Gottfried Denkel festgestellt: „Die Arbeitgeber sind Flüchtlingen gegenüber aufgeschlossen“. Lediglich auffällige äußere Merkmale wie etwa das Tragen eines Kopftuches würden die Jobsuche weiterhin erschweren. „Eventuell handelt es sich hierbei um ein vorübergehendes Element“, sagt Gottfried Denkel. Die Chefin der Agentur für Arbeit Augsburg, Elsa Koller-Knedlik, vergleicht dies mit dem Tragen einer Tätowierung, die mitunter die Suche nach einer Arbeitsstelle in konservativen Landstrichen erschweren kann. In Städten wie Berlin hingegen spiele so etwas keine Rolle, glaubt Elsa Koller-Knedlik. „Wir können nur appellieren und motivieren“, sagt sie. Aus ihrer Überzeugung macht Elsa Koller-Knedlik keinen Hehl: „Wir sind auf den Zuzug angewiesen“.

Ein Blick auf die Prognosen scheint das zu bestätigen: So werden laut Agentur für Arbeit Augsburg auch 2019 sinkende Arbeitslosenzahlen vorhergesagt. Das gilt für den gesamten Agenturbezirk, also Stadt und Landkreis Augsburg mit dem Landkreis Aichach-Friedberg. „Der positive Trend soll anhalten“, berichtet Elsa Koller-Knedlik.

Nachdem im Gesamtbezirk viele Arbeitsplätze im Bereich der Autozulieferer-Industrie angesiedelt sind, hofft die Leiterin der Augsburger Arbeitsagentur auf eine langfristige Entwicklung beim Übergang vom Verbrennungs- zum Elektromotor, sodass die Mitarbeiter der Autozulieferer sich präventiv qualifizieren können. „Gerade kleine und mittlere Unternehmen müssen wir hier unterstützen und flankieren“, so Elsa Knoller-Knedlik.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren