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Prozess in Augsburg

15.11.2019

Frau aus Raum Aichach lässt Kühe hungern - Tiermisshandlung in 20 Fällen

Das Augsburger Landgericht verurteilt die 47-Jährige aus dem Raum Aichach wegen Tiermisshandlung in 20 Fällen.
Bild: Matthias Becker, Symbolbild

Das Augsburger Landgericht verurteilt die 47-Jährige aus dem Raum Aichach wegen Tiermisshandlung in 20 Fällen. Das steckt dahinter.

Ein Fall von Tiermisshandlung sorgt derzeit im Landkreis Aichach-Friedberg für Aufregung. Wie berichtet, ließ eine heute 47-jährige Frau aus dem Raum Aichach 20 Kühe in einem Stall hungern. Das Aichacher Amtsgericht hatte die Frau deshalb bereits zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen à 20 Euro verurteilt. Nachdem sie gegen dieses Urteil Berufung eingelegt hatte, beschäftigte sich das Augsburger Landgericht gestern erneut mit dem Vorwurf der Tiermisshandlung durch Unterlassung in 20 Fällen. Nach knapp fünfstündiger Verhandlung wurde jedoch lediglich die Höhe der Tagessätze an die Lebensverhältnisse der 47-Jährigen angepasst. Sie bleibt damit weiterhin vorbestraft.

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Tiermisshandlung: Veterinäramt greift nicht ein

Dabei hätte es gar nicht so weit kommen müssen. Immer wieder hatte das Veterinäramt den Stall im Raum Aichach kontrolliert. Drei Mal waren die Tierärzte allein in der Zeit von August bis Oktober 2018 vor Ort. Und jedes Mal fanden sie abgemagerte Kühe vor, die nicht ausreichend und vor allem nicht artgerecht gefüttert worden waren. Viel zu hoch sei der Anteil an Stroh im Futter gewesen, an Heu oder Grassilage habe es dagegen gefehlt, erklärten die Tierärzte dem Gericht. Stattdessen entschied sich die 47-Jährige, Kartoffeln zu verfüttern, obwohl Kohlenhydrate in größeren Mengen für das Verdauungssystem der Wiederkäuer nicht unbedingt förderlich seien, wie es im Gerichtssaal hieß.

Zudem gab es schlicht zu wenig zu fressen für die Kühe. So berichtete eine Zeugin im Gerichtssaal, dass die Tiere vor Hunger geschrien hätten, sobald sie hörten, dass sich jemand dem Stall näherte. Alle drei Veterinärmediziner, die gestern im Gericht als Zeugen zu Wort kamen, bestätigten, dass die Tiere abgemagert gewesen und falsch gefüttert worden seien. Sie hätten das der 47-Jährigen auch nach jeder Kontrolle mitgeteilt.

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Hungernde Kühe sind mittlerweile geschlachtet

Die 47-Jährige sagte im Gericht, sie habe immer wieder gefragt, was sie bei der Fütterung der Kühe anders machen soll, aber sie habe nie eine Antwort vom Veterinäramt erhalten. „Ich habe meine Tiere immer nach besten Wissen und Gewissen versorgt“, betonte die Frau im Gerichtssaal. Sie hat eine kaufmännische Ausbildung, ihr Lebensgefährte ist Landwirt. Er erklärte im Gerichtssaal, dass die Kühe durchaus noch etwas mehr Futter vertragen hätten. Dafür allerdings hätte er jeden zweiten Tag 20 Kilometer weit fahren müssen und das sei ihm zu aufwendig gewesen. Eine Tierärztin beschrieb die abgemagerten, verschmutzten Tiere im Gerichtssaal. „Wir sind nicht der Meinung, dass sie in der Lage ist, Tiere zu halten“, sagte sie über die 47-Jährige. „Jedes Tier, das hungert, leidet erheblich.“ Vor allem diese Kühe, die mittlerweile alle geschlachtet sind, mussten einiges aushalten. Der Vorbesitzer hatte sie der Frau im April 2018 geschenkt, weil er ein Halteverbot auferlegt bekommen hatte. Damals waren die Tiere aber noch gut genährt, wie es hieß. Mit Filmaufnahmen hatten die 47-Jährige und ihr Verteidiger Reinhard Baade versucht, zu dokumentieren, dass einige Kühe im Oktober 2018 in einem besseren Zustand gewesen seien. Doch die Staatsanwältin sah auf den vorgelegten Fotos und Videos „Klappergerüste“, wie sie die abgemagerten Kühe nannte. Dass die Tiere unterernährt waren, habe selbst der Laie erkannt.

Die Tierhalterin hätte früher reagieren müssen, befand sie und forderte, es bei der vom Aichacher Amtsgericht verhängten Strafe zu belassen. Die Frau wurde zu 100 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt.

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