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Aichach

14.09.2020

Frau landet nach Suizidversuch auf der B300 vor Gericht

Eine 49-jährige Frau muss sich nach einem Suizidversuch vor dem Amtsgericht Aichach verantworten.
Bild: Katja Röderer (Archiv)

Plus Eine 49-Jährige läuft betrunken bei Kühbach auf die B300. Polizisten wollen die Frau zum Arzt bringen. Dagegen wehrt sie sich aber. Jetzt steht sie vor Gericht.

Das Leben nehmen wollte sich eine 49-Jährige aus Eislingen ( Baden-Württemberg), als sie im Juli vergangenen Jahres bei Kühbach auf die Bundesstraße B300 lief. Der Grund waren Depressionen. Die herbeigerufenen Polizeibeamten bekamen das Temperament der gebürtigen Brasilianerin zu spüren. Sie wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen, ins Polizeiauto zu steigen. Jetzt stand die 49-Jährige deshalb wegen tätlichen Angriffs auf die Beamten sowie versuchter Körperverletzung vor dem Amtsgericht Aichach.

Weder an den Selbstmordversuch noch an ihr temperamentvolles Gerangel mit den Polizisten konnte sich die 49-Jährige vor Gericht erinnern. Sie bestätigte, dass sie Depressionen bekommen habe, nachdem innerhalb weniger Jahre einige Familienmitglieder verstorben waren. Deshalb erschien ihr der Vorschlag ihres damaligen Lebensgefährten, ein Konzert bei Freunden zu besuchen, auch eine gute Idee zu sein. Wortreich schilderte sie dem Gericht, wie sie ein Wochenende lang im Garten der Freunde kampierten.

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Auf dem Heimweg habe der Ex-Freund auf dem Parkplatz bei Kühbach angehalten. „Ich dachte, er macht Pause“, sagte die 49-Jährige vor Gericht aus. Laut ihrer Aussage verstand sie nicht, warum auf einmal Polizeibeamten da waren und sie mitnehmen wollten. Sie habe sich geweigert, mitzukommen, weil die ihre Frage nach dem Warum nicht beantwortet hätten, sagte die Angeklagte aus. „Ich bin ruhig geblieben“, betonte sie. Obwohl die Beamten sie „einfach auf den Boden geschmissen“ hätten.

Ex-Lebensgefährte schildert starke Depressionen der Frau

Ihr 61-jähriger Ex-Lebensgefährte schilderte die Heimfahrt anders. Danach war die 49-Jährige alkoholisiert und bekam dadurch starke Depressionen. Sie versuchte laut seiner Aussage immer wieder, sich abzugurten und während der Fahrt die Autotür zu öffnen. Auch als er sie auf die Rückbank setzte und die Kindersicherung der Tür aktivierte, half das nichts: „Sie hat den Kopf gegen die Rückenlehne geschlagen und sich hin- und her- geworfen.“ Auf dem Parkplatz bei Kühbach hielt der 61-Jährige, um die Angeklagte beruhigen zu können. Die 49-Jährige sprang aus dem Auto, lief auf die Bundesstraße und wollte sich vor ein Auto werfen. Vor Gericht sagte er aus: „Sie hat gesagt, dass sie sich umbringen will.“ Es habe schon mehrmals solche Aktionen gegeben, so der 61-Jährige. Er hatte sich nach diesem Vorfall von ihr getrennt. Von einem tätlichen Angriff auf die Polizeibeamten habe er allerdings nichts mitgekommen, sagte er aus. „Sie wollte sich halt den Beamten entziehen.“

Denen war es nach mehreren Anläufen gelungen, einen Alkoholtest bei ihr zu machen. 1,4 Promille hatte er ergeben. Aufgrund ihres Gesamtzustandes wollten die Beamten sie ins Bezirkskrankenhaus bringen. Dagegen setzte sich die 49-Jährige zur Wehr. „Sie hat wild um sich geschlagen“, sagte einer der Beamten aus. Auch als die Polizisten sie am Boden hatten, versuchte die Angeklagte noch, nach einem von ihnen zu treten. Sie habe ihn aber nicht getroffen, sagte der Beamte aus.

Amtsgericht Aichach: Staatsanwalt spricht von einem Ausnahmezustand

Staatsanwalt Burkard Weiß hielt ihr zugute, dass sie sich in einem seelisch-psychischen Ausnahmezustand befunden hatte. Er plädierte wegen tätlichen Angriffs auf die Beamten und versuchter Körperverletzung in zwei Fällen für eine Geldstrafe in Höhe von 1800 Euro (120 Tagessätze zu je 15 Euro). Dem schloss sich auch Richter Hell an. Die Polizisten hätten das einzig Richtige getan, betonte er. „Sie waren verpflichtet, Sie mitzunehmen zu einem Arzt.“ Laut Gesetz wird ein tätlicher Angriff auf Polizeibeamte mit einer Freiheitsstrafe geahndet. Nur in Ausnahmefällen, wie einer besonderen seelischen Verfassung, gelte das nicht, so Hell.

Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie darüber! Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten - per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch, auch anonym. Hier finden Sie eine Übersicht.

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