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Aindling-Pichl

18.07.2010

Frischer Glanz junger Stimmen

Ein Sommernachtskonzert beendete den Kultursommer 2010 auf Schloss Pichl. In Zusammenarbeit mit dem Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg fand es am Samstagabend unter dem Motto "Auf den Flügeln des Gesanges" statt. Fotos: Nico Litzel

Das idyllische Schloss Pichl als Sitz des Therapiezentrums Condrobs auch kulturell zu öffnen, war die Idee hinter dem Kultursommer 2010. Dabei zeigte sich, dass Offenheit, Begegnungen, Kommunikation, Theater, Musik und Drogentherapie durchaus auf einen sinnstiftenden Nenner zu bringen sind. Von Ulrich Ostermeir

Aindling-Pichl. Das idyllische Schloss Pichl als Sitz des Therapiezentrums Condrobs auch kulturell zu öffnen, war die Idee hinter dem Kultursommer 2010. Dabei zeigte sich, dass Offenheit, Begegnungen, Kommunikation, Theater, Musik und Drogentherapie durchaus auf einen sinnstiftenden Nenner zu bringen sind. Die glanzvolle Frische junger Stimmen sollte diesem abschließenden Sommerkonzert Flair geben, Studierende diverser Gesangsklassen des Leopold-Mozart-Zentrums der Universität Augsburg spannten einen weiten Bogen von Lied und Oper hin zu Operette und Musical.

Agnes Habereder-Kottler weiß als Dozentin für Stimmbildung und künstlerische Leiterin um diese Bandbreite, junge Stimmen sind nicht gleich einzugrenzen und festzulegen, sondern sollten erst reifen und sich ausentwickeln. Das Liedpodium führte noch in die romantische Innerlichkeit, die Beatrice Bergmann auf Mendelssohns „Flügeln des Gesangs“ und Brahms’ „Auf dem See“ feinfühlig artikulierte. Teresa Tieschkys präsente Sopranhelle lockte dann in Schumanns appellativem „Singet nicht in Trauertönen“ die heitere Muse, Singen ist ja auch eine Dimension der Fröhlichkeit.

Sogleich setzte der Buffo-Geist der komischen Oper die Akzente. Eva-Maria Amann und Vanessa Fasoli gaben dem „Flower-Duett“ aus Delibes’ „Lakme“ nahezu orientalisches Sopran-Fluidum, während Teresa Tieschky als Frau Fluth in „Nun eilt herbei“ kapriziöser und dramatischer die „Lustigen Weiber von Windsor“ herauf beschwor. Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ verflochten Traum und Wirklichkeit: Vanessa Fasolis geschmeidiger Mezzo in der Arie des Niklas und das wiegende Barcarole-Duett (Amann/Fasoli) zeugten davon. Auch Mozart wusste, dass sich’s im Singspiel, in der Buffo-Oper freier, unbeschwerter singt als im strengen Opern-Korsett, wie es Vanessa Fasoli als lyrischer Cherubino in „Non so piu“ und Teresa Tieschky und Daniel Holzhauser mit vielversprechender Stimmsubstanz im Giovanni-Duett „Reich mir die Hand“ locker auf den Punkt brachten.

Man war auf den Brettern, die die Welt bedeuten, angekommen. Lehars Operettenglanz griff im Duett „Lippen schweigen“ (erneut Tieschky/Holzhauser) um sich, nachdem Beatrice Bergmann im berühmten Vilja-Lied gekonnt die „Waldmägdelein-Erinnerungen“ der „Lustigen Witwe“ geweckt hatte. Heißes Theaterblut pochte schon in Anna-Janina Weis’ „Giuditta“- Ausflug: Das temperamentvolle „Meine Lippen, die küssen so heiß“ wurde alles andere als zu einer leeren Versprechung. Victor Herberts theatralische Anmut in „Art is calling for me“ - voller Substanz Eva-Maria Amann - wies dann den Weg in die USA, hin zu den Musicals. Gershwins „Summertime“ - vielseitig Vanessa Fasoli - gewann Jazz-Kontur, Bernsteins „Westside Story“ blitzte auf: Franziska Molz stellte Maria in „Somewhere“ und der Tonight-Balkonszene in den Raum. Lloyd Weber durfte da nicht fehlen: Beatrice Bergmann spürte „Memory“ und „Wishing you were somehow“ in lyrischem Feinsinn auf, das „Phantom der Oper“ tauchte auf, Tieschky und Holzhauser im Duett. Die Ereignisse überschlugen sich, Vanessa Fasoli als „Sissy“ rückte in „Ich gehör’ nur mir“ ab vom starren Rollenspiel der Kaiserin. Nicht nur Oberwittelsbach ließ grüßen, sondern auch das Conservatorio Salerno, begleitete doch Aniello de Vita als Erasmus-Stipendiat am Bechstein-Flügel mit italienischer Passion. Applaus und Beifall, die junge Stimmen immer einen Schritt weiter führen zum Ziel.

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