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Einsatz

08.12.2017

Frust bei Adelzhausens Feuerwehr

Sieht auf den ersten Blick noch recht schneidig aus, hatte aber keine Chance mehr beim TÜV: das 30 Jahre alte Löschfahrzeug, mit dem die Feuerwehr Adelzhausen den Verkehrssicherungsanhänger zu Unfällen auf die Autobahn transportierte.
Bild: Tim Kuhn (Archivfoto)

Kommandant sieht seine Mannschaft bei Einsätzen auf der Autobahn gefährdet. Denn das neue Löschfahrzeug kommt nicht. Dabei steht man auf Platz eins der bayerischen Warteliste

Bei der Feuerwehr in Adelzhausen ist der Frust groß: Das neue Löschfahrzeug, das dringend zur Absicherung der Mannschaft bei Einsätzen auf der Autobahn benötigt wird, lässt weiter auf sich warten. Dabei steht das Gefährt auf Platz eins der bayerischen Beschaffungsliste. Doch das hat bislang nicht geholfen. Noch immer ist völlig offen, wann es die Adelzhausener Feuerwehr bekommen wird. Kommandant Helmut Müller sagt: „Wir kommen uns im Stich gelassen vor.“

Mit dem Löschfahrzeug transportiert die Adelzhausener Feuerwehr den Verkehrssicherungsanhänger (VSA) auf die Autobahn. Mit diesem kann nach einem Unfall zum Beispiel eine Fahrspur abgeriegelt werden. Das ist wichtig für die Sicherheit der Mannschaft im Einsatz. Nachdem im Frühjahr die Problematik mit dem absehbaren TÜV-Ende des alten Fahrzeugs bekannt geworden war (wir berichteten), tat sich zunächst viel. Im Mai kletterte man von Platz 15 auf Platz eins der bayerischen Warteliste für Fahrzeuge, die der Bund für den Katastrophenschutz beschafft.

Es kam allerdings ganz anders. Wie Kommandant Helmut Müller im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt, wurde zwar im September ein Fahrzeug nach Bayern geliefert. Es sei allerdings nicht ins Wittelsbacher Land, sondern nach Augsburg geliefert worden.

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Bürgermeister Lorenz Braun berichtete nun am Mittwoch im Gemeinderat, dass es nach neuesten Aussagen des Innenstaatssekretärs im nächsten Jahr für ganz Bayern keine Katastrophenschutzfahrzeuge geben wird. „Sollte eines kommen, wären wir an erster Stelle“, so Braun. Doch wie es momentan aussieht, wird das jedoch weder 2018 noch 2019 der Fall sein. Der Gemeindechef bedauerte: „Wir haben eine Top-Mannschaft, die helfen will. Aber wenn sie das notwendige Gerät nicht hat, dann geht das halt nicht.“ Derzeit müssten sich die Feuerwehrleute bei Einsätzen auf der Autobahn hinter der Leitplanke in Sicherheit bringen und jeder sei mit einem unguten Gefühl dabei.

Das ungute Gefühl hat ganz besonders auch der Kommandant. Angesichts der guten Aussichten im Sommer hatte man einem Kompromiss zugestimmt. Der VSA wird seither mit einem Fahrzeug der Feuerwehr Heretshausen auf die A8 transportiert. Für eine Weile wollte man das Risiko eingehen, wie Müller sagt. Ein Risiko deshalb, weil das Ersatzgefährt nur viereinhalb Tonnen hat. Laut Feuerwehrgesetz sollte allerdings ein möglichst schweres Zugfahrzeug verwendet werden – als Puffer. Das Löschfahrzeug zum Beispiel hatte zwölf Tonnen.

Weil ein Ersatz nun doch nicht in absehbarer Zeit kommen wird, will die Adelzhausener Wehr die Übergangszeit nicht verlängern. Im Februar oder März sei definitiv Schluss, sagt der Kommandant. Ihm seien Risiko und Verantwortung zu groß. Es geht schließlich um die Sicherheit seiner Aktiven im Einsatz. Dass man zu einer Übergangslösung bereit war, „sollte man halt auch ein bisserl schätzen“, findet Müller. So aber rumort es gewaltig im Verein und in der Bevölkerung, wie er berichtet. Und auch er selbst kommt ins Überlegen, ob er nicht sein Ehrenamt an den Nagel hängen sollte. Denn es werde nicht wertgeschätzt. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen, betont Müller: Die Hilfeleistung werde seine Feuerwehr selbstverständlich weiterhin leisten, Menschenrettung sei oberstes Gebot. „Dafür sind wir da und das machen wir gern“, aber es müsse für die Sicherheit gesorgt sein.

Wie es weitergeht, wird in der Woche vor Weihnachten gemeinsam mit Landrat Klaus Metzger und Verantwortlichen der Kreisfeuerwehr beraten, berichtete der Bürgermeister im Gemeinderat. Braun betonte: „Ich hoffe, dass wir eine Lösung zusammenbringen.“

Das hofft der Kommandant auch. Erst kürzlich war bei einem schweren Unfall auf der A9 zu sehen, was passieren kann. Dort donnerte ein Lastwagen auf den Verkehrssicherungsanhänger. Verletzt wurde zum Glück niemand. Das Zugfahrzeug war schwer genug. „Das wenn mit unserem passiert“, sagt Müller nachdenklich.

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