Newsticker

Bundesregierung erklärt fast ganz Österreich und Italien zu Risikogebieten
  1. Startseite
  2. Lokales (Aichach)
  3. Für seine Kinder zahlt Vater zwei Jahre lang keinen Cent

Prozess

14.02.2015

Für seine Kinder zahlt Vater zwei Jahre lang keinen Cent

33-Jähriger ist einfach im Ausland verschwunden. Seine Spielsucht hat der Mann jetzt wohl im Griff

Ziemlich „krass“ fand Amtsrichter Axel Hellriegel, dass ein 33-Jähriger seit über zwei Jahren keinen Unterhalt für seine beiden in Aichach lebenden Kinder zahlte. Der Angeklagte habe es selbst herbeigeführt, dass er nicht über ausreichend Einkommen für Unterhaltszahlungen verfügte, warf ihm Staatsanwältin Regina Grandl vor. Laut Anklage blieb er monatlich rund 600 Euro Unterhalt für seine beiden Kinder schuldig. Der 33-Jährige stand wegen Verletzung der Unterhaltspflicht in zwei Fällen vor dem Aichacher Amtsgericht.

Anfang Oktober 2012 hatte der heute 33-Jährige seine Familie verlassen. „An dem Tag ist er gegangen und hat nie etwas gezahlt“, sagte die 36-jährige Mutter zweier kleiner Kinder vor Gericht aus. Lange Zeit habe sie nicht mal gewusst, wo ihr Ehemann wohnte, bis er sich telefonisch bei ihr meldete. Bei der Scheidung ein Jahr später hatte sie ihn wiedergesehen und seitdem nicht mehr. Das Jugendamt, das seit Oktober 2012 Unterhaltsvorschussleistungen an die Mutter zahlt, hatte sich vergeblich bemüht, von dem 33-Jährigen Geld zu bekommen. Man habe ihn angeschrieben, Pfändungsaufträge erteilt und auch eine Kontopfändung versucht, sagte eine Sachbearbeiterin aus. Ein Gerichtsvollzieher habe festgestellt, dass es bei dem Angeklagten keine pfändbaren Gegenstände gebe.

Ihm sei einfach alles über den Kopf gewachsen, sagte der geständige Angeklagte vor Gericht aus. „Ich wollte damals einfach nur davonlaufen.“ Er ging nicht mehr zur Arbeit, woraufhin ihm sein Arbeitgeber kündigte, weil er unentschuldigt fehlte. Die Hoffnung des 33-Jährigen, der heute im Ausland lebt, dort einfach einen Job zu finden, hatte sich nicht bewahrheitet. „Es war nicht so einfach, wie ich es mir erhofft hatte.“ Dazu kommt, dass sich im Laufe der Jahre bei ihm rund 100000 Euro Wett- und Spielschulden angesammelt haben.

Seine Spielsucht habe er nach einer Therapie inzwischen im Griff, sagte der Angeklagte aus. Seit etwa einem Jahr spiele er nicht mehr. Seine Verteidigerin, Therese Steber, legte ein Schreiben vor, nach dem er jetzt einen festen Arbeitsplatz in Aussicht habe. Er wolle auch seinen Unterhaltszahlungen nachkommen, so der Angeklagte. Hellriegel verurteilte den Mann, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe. „Ihr Geständnis war von Vorteil, sonst hätte es neun Monate gegeben“, sagte Hellriegel. Dem Angeklagten hielt er vor: „Sie waren in der Lage, Unterhalt zu zahlen und haben selbst herbeigeführt, dass Sie nicht mehr zahlen können.“ Den erheblichen finanziellen Anspruch der Kinder und den langen Zeitraum, über den der Angeklagte nicht gezahlt hatte, sah der Richter als einen krassen Fall von Verletzung der Unterhaltspflicht. Als Auflage gab Hellriegel dem Angeklagten mit, monatlich mindestens 300 Euro Unterhalt zu zahlen. Der Angeklagte hatte vor Gericht einer Verpflichtung zugestimmt, ab März monatlich insgesamt 450 Euro Unterhalt für seine beiden Kinder zu zahlen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren