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Fußball könnte so schön sein

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Kommentar Von Nicole Simüller
16.06.2018

In den nächsten vier Wochen verfolgen Fußballfans begeistert die WM. Doch ein unbeschwertes Vergnügen ist das längst nicht mehr.

„Fußball ist die schönste Nebensache der Welt“, heißt eine unumstößliche Lebensweisheit von Fußballfans. Diese Nebensache wird für manche immer wichtiger. Wer in den nächsten vier Wochen Geburtstag feiert, heiratet, ein Vereinsfest auf die Beine stellt oder ein Konzert organisiert, tut gut daran, einen Blick in den WM-Spielplan zu werfen. Sonst könnte es sein, dass ein Teil der Gäste ausbleibt oder sich vorzeitig verdrückt. Auch professionelle Veranstalter wissen das längst. Erst recht seit dem deutschen Sommermärchen, seit dem Public Viewing nicht mehr wegzudenken ist.

Aber wer den Fußball mag, tut sich immer schwerer, ihn unbeschwert anzuschauen. Denn Fußball ist längst keine Nebensache mehr. Er ist ein Riesengeschäft – siehe die immer irrwitzigeren Spielergehälter und Transfersummen und all das Geld, das vor und während einer WM verschoben wird.

Fußball ist Politik – und wenn er noch so oft darauf pocht, das nicht sein zu wollen. Nicht ohne Grund schmücken sich Autokraten wie Wladimir Putin gerne mit Großereignissen wie einer WM oder Olympia im eigenen Land. Dass dabei Werte wie Meinungsfreiheit, Diskriminierungsverbot, Versammlungsfreiheit oder Gleichheit vor dem Gesetz hinten runterfallen? Interessiert den Fußball-Weltverband Fifa nicht, solange die Kasse stimmt, und es ist auch dem derzeitigen Gastgeber egal. Aktuelles Beispiel: Deutsche Behörden raten einem renommierten Journalisten wie dem deutschen Doping-Experten Hajo Seppelt aus Sicherheitsgründen (!) von einer Reise nach Russland ab, weil er dort als Staatsfeind (!!) gilt.

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Im Fußball geht es um viel zu viel Geld, um Macht und schlimmstenfalls um Menschenleben – so wie auf den WM-Baustellen des Gastgebers 2022, Katar, wo das Leben der Arbeiter keinen Pfifferling wert ist. Fußball könnte so schön sein, wenn er nur eine Nebensache sein dürfte.

Und hier geht es zum Artikel dazu: „Fußball regiert den Terminkalender“.

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