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Aichach

29.05.2019

Geburtshilfe Aichach sorgt für Frust und Frost

Die Geburtshilfestation im neuen Krankenhaus in Aichach wurde geschlossen, bevor sie eröffnet hat.
Bild: Christoph Lotter

Plus Klaus Habermann fürchtet, dass die Geburtshilfe in Aichach gar nicht mehr öffnet. Der Bürgermeister sieht eine Tendenz: Das belastet sein bislang gutes Verhältnis zu Landrat Klaus Metzger.

Klaus Habermann ist „ziemlich angefressen“. Das ist hörbar und das sagt der Aichacher Bürgermeister auch ganz deutlich. Die Zukunft der Geburtshilfe in seiner Stadt treibt ihn um. Vor einem guten halben Jahr wurde das Aus für die Station im nagelneuen Krankenhaus noch vor der Eröffnung bei einer Pressekonferenz spätabends im Landratsamt verkündet. Hauptgrund: Hebammen-Mangel. Das Ende zeichnete sich zwar irgendwie seit geraumer Zeit ab, dennoch war die Nachricht im Spätherbst ein Schock und schlug in der Öffentlichkeit ein wie eine Bombe. Geburtshilfe ist ein emotionales Thema, das die Menschen bewegt.

Habermann ballte damals schon spürbar die Faust in der Tasche und kündigte an, nicht zu ruhen oder zu rasten, bis in der topmodernen Geburtenabteilung auch Kinder auf die Welt kommen. Der Aichacher Bürgermeister und viele weitere Kommunalpolitiker und engagierte Bürger kämpfen seither, rund 10000 Menschen aus der Region haben für die Wiedereröffnung unterschrieben, es gibt Proteste, Petitionen, Gespräche und Aktionen – aber keine spürbare Bewegung und schon gar keinen Zeitpunkt für einen Neustart in Aichach.

Gegenwind bei Klinikleitung und aus dem Landkreis-Süden

Klaus Habermann, bislang nicht nur kämpferisch, sondern auch immer optimistisch, hat inzwischen die Befürchtung, dass die Aichacher Station überhaupt nicht mehr öffnet. Je länger sie geschlossen bleibe, umso schwieriger werde es: „In ein oder zwei Jahren ist das doch vorbei.“ Und er spürt Gegenwind bei Klinikleitung und auch aus dem südlichen Landkreis. Dort gebe es kein großes Interesse an der Wiederbelebung von Aichach.

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Die jetzt neu gestartete Hauptabteilung im Friedberger Krankenhaus koste eine Stange Geld. Ziel seien dort mindestens 1000 Geburten. Für eine Wirtschaftlichkeit brauche es noch mehr. „Ich kann rechnen“, sagt Habermann. Wenn in Aichach wieder Kinder geboren werden, würden die in Friedberg fehlen und die dortige Hauptabteilung mit ihren fixen Kosten unwirtschaftlicher machen. So werde zumindest in einigen der verantwortlichen Köpfe gedacht, ist sich der Rathauschef sicher.

Dabei sieht Habermann großes Potenzial für die Aichacher Station. Bei der Eröffnung des neuen Krankenhauses, ein 50-Millionen-Euro-Projekt, seien werdende Eltern begeistert von der Geburtshilfe gewesen. Die Paarstadt habe ein großes Hinterland und dazu komme noch die Region Schrobenhausen. Dort ist die Geburtshilfe ja auch vor einigen Jahren dichtgemacht worden. Diese Einzugsgebiete könne Friedberg nicht abdecken. Habermann spricht von einer „verpassten Chance“ und ärgert sich insbesondere über den Auftritt von CSU-Ministerpräsident Markus Söder bei der Klinik-Eröffnung kurz vor der Landtagswahl. Der habe damals die Bedeutung von heimatnahen Geburtsstationen hervorgehoben.

Das Thema belastet mittlerweile auch das bislang sehr gute Verhältnis des SPD-Politikers zu Landrat Klaus Metzger. Der ist von der CSU, überzeugter und handelnder Pragmatiker, und arbeitet mit Habermann seit seinem Amtsantritt 2014 geräuschlos und bestens zusammen.

Landrat zu Bürgermeister: "Unfair"

Im Werkausschuss des Kreitags wird es zwischen den beiden inzwischen aber frostig, wenn es um Babys geht. Bei der Sitzung am Montag (wir berichteten gestern) machte Habermann seinem Unmut Luft. Seinen Vorwurf, dass man „Aichach hinten runterfallen lässt“, bezeichnete Metzger als „unfair“. Der Landrat betont bei jeder Gelegenheit, dass an beiden Standorten festgehalten werden soll. Und der Kreis bleibe bei seinem Fahrplan, machte Wolfgang Müller, Sprecher des Landratsamtes, gestern auf Anfrage noch mal deutlich. Und der geht so: Friedberg wieder eröffnen, Personal einstellen, Friedberg stabilisieren, Kooperation mit der Uniklinik, Neustart einer Außenstelle der Hauptabteilung in Aichach.

Habermann fordert ein Signal: Personal ausschreiben

Für Klaus Habermann dauert das alles viel zu lange: „Bis dahin ist Aichach gestorben.“ Er fordert ein Signal, dass es in seiner Stadt weitergeht. Sein Vorstoß, jetzt schon die notwendigen Stellen für die Geburtshilfe Aichach auszuschreiben, ging ins Leere. Und Klinikchef Dr. Krzysztof Kazmierczak ließ zwischen den Zeilen durchblicken, dass die Uniklinik in Sachen Außenstelle Aichach nicht gerade Jubelsprünge vollführe. Habermann will zwar keineswegs aufgeben und er lasse sich auch gerne eines Besseren belehren. Aber wenn der Zug nicht bald aufs Gleis gesetzt werde, dann sei das Thema durch.

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