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Medizin

23.11.2018

Geburtshilfe: Landrat fordert bessere Rahmenbedingungen

Ist die Geburtenstation in Aichach noch nicht verloren?
Bild: dpa (Symbolbild)

Klaus Metzger schreibt an Gesundheitsministerin, Simone Strohmayr an Söder. SPD plant Diskussionen.

Das Aus für die Geburtshilfe am neuen Aichacher Krankenhaus bewegt die Menschen weiter. Landrat Klaus Metzger wendet sich in einem offenen Brief an die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml. Die Schließung sei ein „nicht hinnehmbarer Schlag“ für die Bürger im Großraum Aichach und vor allem für die werdenden Mütter. Der gesamte nördliche Landkreis und der südliche Kreis Neuburg-Schrobenhausen sei nun ohne diese im wahrsten Sinne des Wortes „lebensnotwendigen“ Einrichtungen.

Nicht nur die Bevölkerung sei schockiert, sondern auch alle aus der kommunalen Familie, die seit Jahren versuchen, den Standort Aichach mit allen Mitteln zu halten, so Metzger. Es könne nicht im Sinne der Ministerin und schon gar nicht der bayerischen Bevölkerung sein, dass die Geburtshilfen in den kleinen Krankenhäusern im ländlichen Raum geschlossen werden, weil die Rahmenbedingungen für Beleghebammen und -ärzte uninteressant sind. Metzger nennt Arbeitszeiten, steigende Haftpflichtversicherungsbeiträge und Verdienstmöglichkeiten. Wenn für Vor- und Nachsorge die Verdienstmöglichkeiten besser seien als für die Geburt, zeuge dies von grundsätzlichen Fehlentwicklungen im Gesundheitssystem. Viele Hebammen würden sich inzwischen bewusst gegen die Arbeit im Kreißsaal entscheiden. „Diese Entwicklung muss dringend umgekehrt werden“, so Metzger.

Er bittet Huml und die Staatsregierung, „unverzüglich und mit allem Nachruck gegenüber den zuständigen Stellen“ – Bundesgesundheitsministerium, Krankenkassen, Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) – auf eine unmittelbare Verbesserung der Rahmenbedingungen für Belegärzte und -hebammen zu drängen. „Sollten die hierfür erforderlichen Veränderungen nicht schnellstmöglich gelingen, sehe ich für die kleinen Geburtshilfen im ländlichen Raum bayernweit keine Perspektive.“

Den Kliniken fehlt Zeit

SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr nennt das Aus für die Aichacher Geburtshilfe in einem Brief an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder eine Katastrophe für die werdenden Mütter aus der Region. Im November hat Strohmayr gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) rund 300 Unterschriften gesammelt, mit dem Ziel die Situation der Hebammen zu verbessern. Ministerin Huml habe um Geduld geben. „Aber Zeit ist genau das, was Kliniken wie in Aichach fehlt“, so Strohmayr. Sie fordert, die Zukunft der Geburtsstationen im ländlichen Raum zu sichern. „Dafür muss eine ausreichende Finanzspritze an die kleinen Geburtskliniken erfolgen“, so die dreifache Mutter. Außerdem müsse der Berufsstand der Hebammen mit einer verlässlichen Finanzierung ausgestattet werden, ebenso Belegärzte.

Auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Christina Haubrich, soeben zur gesundheitspolitischen Sprecherin ihrer Fraktion gewählt, sagt: „Aus Sicht der Politikerin und Mutter ist der Wegfall der Geburtshilfestation in Aichach ein enormer Verlust. Ich möchte das so nicht stehen lassen und werde auch im Landtag das Thema noch mal aufgreifen.“ Eine Geburt sei für Mutter und Kind eine besondere Situation, in der sie auf einfühlsame Betreuung angewiesen sind. Kleine Häuser, in denen in der Regel eine ganz besondere Atmosphäre herrscht und die Frauen sich wohlfühlen, seien entscheidend für junge Familien.

Die Aichacher SPD, die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF), die Stadtratsfraktion und die Nachwuchsorganisation Juso planen gemeinsam am Freitag, 30. November, und Samstag, 1. Dezember, Gesprächsrunden mit Hebammen, jeweils von 10 bis 12 Uhr im Wintergarten des Café Koch. Gesprächspartner sind Pia Petrovic, Kreissprecherin der Hebammen in Augsburg, und Hebamme Christina Steinocher, Augsburg. (bac, kru)

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