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Todtenweis

30.06.2009

Gelb aber giftig: das Jakobskreuzkraut

Wegen seiner Schönheit wird das gelb blühende Jakobskreuzkraut oft von Wanderern am Straßenrand bewundert. Doch die harmlos aussehende Pflanze ist hochgiftig. Immer wieder gibt es Fälle, in denen Pferde oder Rinder schwere Magen- und Darmprobleme bekommen, wenn sie Heu gefressen haben, in dem Jakobskreuzkraut war. "Von solchen Fällen höre ich inzwischen häufiger," berichtet der Pflanzenschutzberater am Landwirtschaftsamt Augsburg/Aichach-Friedberg, Manfred Faber.

Das heimische Gewächs wird bis zu einem Meter hoch und trägt im Frühsommer gelbe Blüten. Ein Ausbreiten dieser Pflanze sei in vielen Regionen zu verzeichnen, weiß Faber. Besonders das Unterallgäu sei betroffen. Es gebe insgesamt 1200 Arten des Kreuzkrautes auf der Welt, 25 davon seien giftig. Am giftigsten sei das Alpenkreuzkraut, gefolgt vom im Flachland wachsenden Jakobskreuzkraut und vom Wasserkreuzkraut auf feuchten Flächen. Alkaloide in den Pflanzen würden bei Pferden und Rindern Darmbeschwerden und Leberschäden hervorrufen. Dies könne auch zum Tod führen, so Faber.

Am stärksten ist das Gift in den Blüten enthalten. Der Experte vom Landwirtschaftsamt rät daher dazu, Wiesen früh zu mähen. Problem: Das Jakobskreuzkraut sei auch im Heu noch giftig, weniger in der Silage. Instinktiv würden Weidetiere das frische Kraut auf der Wiese beim Fressen meiden, im Heu merken sie es nicht mehr und sind daher nicht mehr geschützt.

Das im Jakobskreuzkraut enthaltene Pyrroliszidin-Alkaloide (PA) wird durch Stoffwechselvorgänge zu einem toxischen Produkt und zerstört zuerst das Lebergewebe. Hohe Dosen schädigen außerdem das zentrale Nervensystem, die Lunge und die Nieren. Die Giftstoffe bewirken eine irreversible Schädigung der Leberzellen, eine chronische Vergiftung erfolgt auch durch geringe Mengen über einen längeren Zeitraum.

Gelb aber giftig: das Jakobskreuzkraut

Pflege der Flächen ist der beste Schutz

Für die zunehmende Verbreitung des Jakobskreuzkrauts gibt es mehrere Erklärungen. So fördere die landwirtschaftliche Veränderung das Ausbreiten des Greiskrauts, wie es auch genannt wird. Weiden werden zu Brachflächen und dadurch ungenügend gepflegt. So können offene Flächen entstehen, auf denen sich der Greiskrautsamen ansiedeln kann. Auf einer gut gepflegten Kuhweide mit geschlossener Grasnarbe hat das Kraut keine Chance zu wachsen. Es gilt als genügsam, aber nicht besonders durchsetzungsfähig.

Hauptsächlich wächst es auf eher trockenen Wiesen und Weiden, an Wegrändern, Straßen- und Eisenbahnböschungen. Im ersten Jahr entwickelt das Jakobskreuzkraut zuerst eine sogenannte Rosette, erst im zweiten Jahr blüht das Kraut gelb. Im Rosettenstadium wird die Pflanze eher gefressen, weil sie noch nicht bitter schmeckt und unangenehm riecht. Auf den ersten Blick kann man es mit dem Johanniskraut verwechseln, dies hat jedoch nur fünf Blütenblätter. Beim Entfernen der Pflanze muss man sehr sorgfältig sein, bleibt nur ein geringer Teil der Wurzel im Boden, treibt die Pflanze wieder neu aus. Nicht nur die Blüte, sondern alle Pflanzenteile des Jakobskreuzkrauts sind giftig.

Georg Wenger von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt in Aichach sieht dennoch noch keinen Grund zur Panik: "Das ist kein Massenphänomen." Dem Landratsamt seien noch keine massiven Vergiftungsfälle gemeldet worden. Wegen des hohen ph-Wertes sei das Lechraingebiet eher begünstigt für den Wuchs des Jakobskreuzkrauts.

A und O zur Vorbeugung von Vergiftungen von Tieren ist eine Pflege der Flächen. Pflanzenschutzberater Faber rät dazu, die Wiesen früh zu mähen und die Pflanzen vor der Blüte rauszureißen. Mit Herbiziden allein sei es nicht getan.

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