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Prozess

16.04.2015

Geldfälscherin zockt Giftmörderin ab

Ein Betrug im Aichacher Frauenknast landete vor dem Augsburger Landgericht. Symbolbild: Florian Rußler

Berufungsverhandlung um Betrug im Aichacher Frauenknast endet mit einer Bewährungsstrafe. Fall hat eine spektakuläre Vorgeschichte. Opfer wollte für Wiederaufnahmeverfahren zahlen 

Aichach/Augsburg Im Knast trifft man selten gute Freunde, denen man blindlings vertrauen kann. Eher ist das Gegenteil der Fall. Eine schmerzliche Erfahrung musste die 2007 zu lebenslanger Haft verurteilte Tanja E. im Aichacher Frauengefängnis machen. Sie zahlte buchstäblich Lehrgeld, weil sie auf ihre Zellengenossin, eine Geldfälscherin, hereinfiel. Die zockte die als „Giftmörderin“ bekannte Königsbrunnerin um fast 6000 Euro ab. Gestern fiel im Berufungsprozess vor dem Landgericht das Urteil gegen die Betrügerin. Sie kam mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr davon.

Dass sich ein Berufungsprozess vor dem Landgericht wegen eines – auf den ersten Blick – simplen Betruges über Wochen hinzieht, ist ungewöhnlich. Der Fall, der gestern vor der 7. Strafkammer in die bereits vierte Verhandlungsrunde ging, hat nicht nur eine spektakuläre Vorgeschichte. Was sich im Jahre 2008 im Aichacher Frauengefängnis abgespielt haben soll, mutet ziemlich skurril an.

Ein Jahr zuvor, also vor nunmehr fast acht Jahren, war die heute 38-jährige Tanja E. vom Augsburger Schwurgericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden, weil sie gemeinsam mit ihrem Liebhaber ihren Ehemann mit einem Medikamentencocktail umgebracht hatte. Der ungewöhnliche Fall machte bundesweit als „Königsbrunner Giftmord“ Schlagzeilen. Nach dem Schuldspruch saß die Mörderin, die sich nach wie vor unschuldig fühlte, in einer Zelle im Frauengefängnis. Ihre Zellengenossin, 41, wegen Geldfälschung zu sechs Jahren Knast verurteilt, soll sie damals mit einem fiesen Trick um 6000 Euro gelinkt haben.

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Angeblich versprach sie ihr, sie könne über einen befreundeten Anwalt ein Wiederaufnahmeverfahren erreichen, wofür allerdings 6000 Euro zu berappen seien. Das Geld floss tatsächlich. Es stammte kurioserweise aus dem Nachlass des ermordeten Ehemannes. Die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme des „Giftmordprozesses“ freilich platzte wie eine Seifenblase. Die Kanzlei in Wiesbaden verbuchte die 6000 Euro nämlich als Einzahlung für noch offene Rechnungen. Die Geldfälscherin hatte sich dort in einer Familienangelegenheit anwaltlich vertreten lassen. Wegen Betrugs war die 41-Jährige in erster Instanz vor dem Aichacher Amtsgericht zu 14 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden – ohne Bewährung. Dagegen ging sie in Berufung.

Vor der 7. Strafkammer beteuerte die inzwischen freigelassene Ex-Zellengenossin der Giftmörderin zunächst, das Geld sollte auf dem Konto des Anwalts nur „geparkt“ werden, um es vor Gläubigern der Königsbrunnerin beiseite zu schaffen. Tanja E. bestritt dies jedoch, fühlte sich weiterhin betrogen.

Das Gericht lud den Wiesbadener Anwalt als Zeugen. Der sagte, er sei inzwischen aus der Kanzlei ausgeschieden und könne sich nicht mehr so genau erinnern. Daraufhin ließ das Gericht per Durchsuchungsbefehl alle alten Unterlagen, die sich auf die Geldfälscherin beziehen, in der Kanzlei beschlagnahmen. Der mehr als 15 Zentimeter hohe Aktenstapel traf erst kurz vor der gestrigen Sitzung ein.

Der Vorsitzende Richter Christian Engelsberger übergab die Unterlagen zunächst dem Verteidiger der Angeklagten, der sich innerhalb einiger Stunden einlas. Sein Fazit: Er habe Anhaltspunkte gefunden, dass die Anwaltsakten manipuliert worden seien.

Nach einigem Hin und Her kam es zu Gesprächen zwischen dem Verteidiger Hans-Joachim Gerst aus Hamburg, Staatsanwältin Regina Grandl und dem Gericht, die mit einem sogenannten „Deal“ endeten. Die Angeklagte beschränkte ihre Berufung auf das Strafmaß, was einem Geständnis gleichkam. Die 7. Strafkammer verhängte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die 41-Jährige muss als Auflage 5000 Euro an den Augsburger Kinderschutzbund zahlen. (utz)

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