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Inklusion

19.10.2013

Gemeinsamer Unterricht, gemeinsame Projekte

Eng wird es bei bestimmten Fächern in der achten Klasse der Hollenbacher Schule, denn dann kommen die zehn Schüler der Partnerklasse dazu und der Unterricht findet gemeinsam statt.
Bild: Gerlinde Drexler

Die Achtklässler der Mittelschule Hollenbach sind seit diesem Schuljahr Partnerklasse der Hauptschulstufe der Elisabethschule

Hollenbach/Aichach Erst seit etwa fünf Wochen sitzen sie in bestimmten Fächern gemeinsam im Klassenzimmer. Zwischen den Achtklässlern der Mittelschule Hollenbach und den zehn Schülern aus der Hauptschulstufe der Elisabethschule war der Funke aber sofort übergesprungen. Seit sie die Partnerklasse haben, würde der Unterricht viel mehr Spaß machen, sagen die Schüler übereinstimmend.

Für die heutige Unterrichtsstunde haben die Schüler eine szenische Darstellung geprobt. Es geht darum, bestimmte Szenen eines Buches, das sie vorher gelesen haben, gemeinsam nachzuspielen. Gearbeitet haben die Schüler der Partnerklasse mit zwei verschiedenen Varianten des Buches „Die Mutprobe“ von Carolin Philipps. Die Schüler aus der Hauptschulstufe hatten eine Ausgabe mit einer vereinfachten Sprache gelesen, die Achtklässler das Buch mit dem komplizierteren Text. Jetzt sitzen sie gemeinsam im Klassenzimmer und fassen noch einmal kurz die wichtigsten Inhalte am Smartboard, einer Art elektronischer Wandtafel, zusammen, bevor sie sie nachspielen.

Seit Schuljahresbeginn hat die Hauptschulstufe der Elisabethschule im Rahmen der Inklusion ihr Klassenzimmer in der Hollenbacher Schule bezogen, zusammen mit den beiden Lehrern Silvia Frank und Theo Tauscher. Gleich gegenüber ist das Zimmer der Achtklässler. Beide Klassen hatten sich vorher bei gegenseitigen Besuchen an ihren Schulen bereits beschnuppern können. Für die Schüler, die zwischen 13 und 16 Jahre alt sind, ist es inzwischen schon Routine geworden, bei Fächern, wie Lektüre, mit ihrem Stuhl in der Hand in das Klassenzimmer gegenüber zu wechseln. Bunt zusammengewürfelt sitzen sie mit den 14-Jährigen an den Tischen.

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Eine erste Überlegung, die beiden Gruppen getrennt voneinander zu setzen, hätten sie gleich verworfen, sagt Reinhard Biederwolf, der Lehrer der Achtklässler. „Wir wollten es den Schülern selbst überlassen“ und die haben sich spontan für die bunt gemischte Variante entschieden.“

Sehr offen und ohne Berührungsängste seien die Schüler aufeinander zugegangen, freuen sich Biederwolf und Frank. Die beiden Lehrer gestalten den Unterricht der Partnerklasse gemeinsam. „Arbeitspraktische und kreative Fächer fassen wir zusammen“, sagen sie. Bei Fächern wie Mathematik haben die Klassen getrennten Unterricht.

Die Partnerklasse kommt bei beiden Klassen gut an. „Wir sind mehr und unternehmen coole Sachen zusammen“, sagt der 14-jährige Justin. Magdalena findet den Unterricht interessanter, weil dann auch andere Kinder dabei sind. Mit Esther aus der Hauptschulstufe habe sie auch privat schon telefoniert, erzählt sie. „Man hört besser zu, wenn jemand aus der Partnerklasse etwas sagt“, meint Jacqueline. Auch Niklas aus der Elisabethschule findet es toll, gemeinsam mit den Achtklässlern im Klassenzimmer zu sitzen. Nur „weniger Unterricht“ würde er sich wünschen. Nicht nur die Schüler, auch die Lehrer profitieren von dem Austausch. „Ich kann von den Lehrern der Elisabethschule etwas lernen“, sagt Biederwolf. Das war auch der Grund, weshalb er zugesagt hatte, mitzumachen. Nachdem es bisher noch wenig zum Thema Inklusion gibt, leisten alle beteiligten Lehrer Pionierarbeit. Ein Rezept, an das man anknüpfen könne, gebe es sowieso nicht, meint Frank. Deshalb sind auch von beiden Seiten Flexibilität und Spontanität gefragt. Als Nächstes ist angedacht, ein gemeinsames Projekt Richtung Theater auf die Beine zu stellen. Auch wolle man versuchen, Schüler in Kleingruppen zusammenzufassen, um die Schwächeren besser fördern zu können. Dafür müssten jedoch vom Kultusministerium zusätzliche Stunden bewilligt werden, sagt Biederwolf.

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