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Interview

23.02.2018

Gerhard Haunschild blickt auf seine am Deutschherren-Gymnasium zurück

Am heutigen Freitag räumt Gerhard Haunschild nach fast 15 Jahren Schulleitertätigkeit seinen Schreibtisch am Deutschherren-Gymnasium in Aichach. Seine Nachfolgerin wird Renate Schöffer.
Bild: Vicky Jeanty

Gerhard Haunschild verlässt nach 15 Jahren als Schulleiter das Deutschherren-Gymnasium in Aichach. Was ihn besonders bewegt hat.

Herr Haunschild, Sie waren fast 15 Jahre lang Schulleiter am Deutschherren Gymnasium in Aichach. Das ist eine lange Zeit.

Haunschild: Mir kommt das überhaupt nicht lange vor. Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Es war immer was los, mir war es nie langweilig.

Waren Sie sich bewusst, auf was Sie sich einließen, als Sie 2003 ans DHG berufen wurden?

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Haunschild: Ich glaube schon. Ich war ja zuvor eineinhalb Jahre stellvertretender Schulleiter am Gymnasium in Pullach. Ich hatte dort bereits Erfahrungen gesammelt und wusste, dass entsprechend was zu tun ist. Ich will mich allerdings nicht beklagen, schließlich habe ich mich freiwillig als Schulleiter nach Aichach beworben. Es war schon etwas Besonderes, in meiner Heimatstadt das Gymnasium zu leiten. Ich war immer sehr gerne Schulleiter des DHG.

Würden Sie sagen, dass im Lauf der Jahre die Anforderungen an einen Schulleiter gewachsen sind?

Haunschild: Mit der Einführung des G8 im Schuljahr 2004/2005 ging die Arbeit steil nach oben. Das Direktorat, aber auch das Sekretariat und das gesamte Kollegium mussten viele neue Aufgabenbereiche bewältigen. Es fielen zahlreiche bauliche Maßnahmen an, etwa der Anbau mit neuer Aula, Räume für die Ganztagsbetreuung. Entsprechend waren viele Besprechungen, unter anderem mit dem Landratsamt, erforderlich. 2011 kam der Modulbau für die Oberstufe hinzu. Eine große Herausforderung für uns alle war der doppelte Abiturjahrgang im gleichen Jahr.

Ab Oktober 2012 wurde mit dem Aufbau des Gymnasiums in Mering begonnen. Was bedeutete das für die Schulleitung des DHG?

Haunschild: Bis zur Selbstständigkeit am 1. August 2015 war ich als Schulleiter auch für Mering zuständig. Von uns wurden Lehrer nach Mering delegiert, die sowohl in Aichach als auch in Mering unterrichteten. Das alles war nur möglich dank kompetenter, flexibler und engagierter Kollegen. Sie alle haben den Aufbau des Meringer Gymnasiums mitgetragen. Hier im Haus haben meine Mitarbeiter im Direktorat, Rudi Bochskanl und Alfred Hammer, ebenfalls viele Aufgaben der stellvertretenden Schulleitung übernommen. Meine damaligen Stellvertreter Stefan Düll und Josef Maisch waren hauptsächlich in Mering tätig.

Gab es weitere Herausforderungen?

Haunschild: Vom Schuljahr 2012/13 bis 2016/17 hatten wir an unserer Schule ein Studienseminar für Deutsch und Geschichte. Wir waren an die Friedberger Seminarschule angebunden. Das war eine interessante Arbeit, bedeutete aber auch einen erheblichen organisatorischen Mehraufwand. Mir persönlich lag außerdem der Bereich der Inklusion sehr am Herzen. Am DHG wurden und werden Kinder mit unterschiedlichen körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen unterrichtet. In Einzelfällen war eine Begleitperson dabei. Unsere Lehrer waren aufgeschlossen, auch in diesem Bereich haben sie viel geleistet. Ohne deren Engagement wäre das alles nicht möglich gewesen.

Haunschild sieht Veränderungen

Haben sich die Schüler an Ihrer Schule in den letzten Jahren verändert?

Haunschild: Aufgrund der ländlichen Struktur geht es bei uns noch gesittet zu. Das bestätigen auch die Kollegen. Und doch haben schwierige Situationen bei Kindern und Jugendlichen zugenommen. Auffallend ist, beispielsweise, eine gelegentlich nachlassende Konzentrationsfähigkeit, eine innere Unruhe, die manche Kinder mitbringen und die sich auch im Unterricht niederschlägt.

Woran könnte das liegen?

Haunschild: Ein Grund liegt zweifellos im häufigen, oft unkontrollierten Umgang mit den Medien. Hier müssen vor allem Eltern deutliche Grenzen setzen und ihre Erziehungsarbeit zum Wohle ihrer Kinder wahrnehmen. Natürlich muss auch die Schule über den Unterricht hinaus Erziehungsarbeit leisten. Es ist unsere Aufgabe, einen Gegenpol zu bieten und zu zeigen, dass es durchaus andere Möglichkeiten der Kommunikation gibt. Genauso selbstverständlich ist es, dass unsere Schule Kinder und Jugendliche in schwierigen Situationen unterstützt. Die Klassenleiter und Fachlehrer, die Verbindungslehrer, der Schulpsychologe und das Direktorat arbeiten eng zusammen mit den Eltern. Wir kooperieren seit Jahren intensiv mit mehreren, in Aichach praktizierenden Kinder- und Jugendpsychotherapeuten.

Wie sehen Sie die zunehmende Digitalisierung im Klassenzimmer?

Haunschild: Intern wird überlegt, ob wir eine Tablet-Klasse einrichten sollen. Infrage käme in einer zweijährigen Versuchsphase eine sechste und siebte Klasse. Ob sich ein Mehrwert ergibt, wird sich zeigen. Im Fokus unseres zu erstellenden Medienkonzepts wird die sinnvolle Nutzung der Medien stehen. Medien bleiben allerdings immer ein Hilfsmittel im Bereich des Unterrichts, der nach wie vor ganz entscheidend auf der Lehrerpersönlichkeit und den fachlichen Kompetenzen basiert. Schule darf niemals ein technokratischer Betrieb werden.

Das hat Gerhard Haunschild besonders bewegt

Welche Ereignisse haben Sie besonders bewegt?

Haunschild: Beeindruckend waren die vielen kulturellen, wissenschaftlichen und sportlichen Veranstaltungen an unserer Schule. Das waren wahre Sternstunden, die unser Ansehen auch nach außen gestärkt haben. Dazu gehört ebenfalls der Schüleraustausch mit Frankreich und Italien. Einige Jahre hatten wir sogar in der chinesischen Stadt Shanghai eine Partnerschule. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, den Horizont zu erweitern und unsere Schüler zur Weltoffenheit zu erziehen, sie vor Abschottungstendenzen zu bewahren. Zu den besonders schmerzhaften Vorkommnissen gehört der Tod zwei unserer Schüler. Für die Eltern ist das das Schlimmste, was passieren kann. Auch uns hat das sehr mitgenommen, es war für unsere gesamte Schulgemeinschaft eine schwere Zeit.

Herr Haunschild, gehen Sie mit Wehmut? Was werden Sie am meisten vermissen?

Haunschild: Ich freue mich auf freie Zeiten, die ich mit Musik hören, Bücher lesen und Reisen ausfüllen werde. Aber ich gebe offen zu: Ich gehe schon mit einer gewissen Wehmut. Ich habe meinen durchaus auch anstrengenden, aber ebenso wunderbaren Beruf immer gerne ausgeübt. Vermissen werde ich den regen Kontakt mit den Eltern, den täglichen Umgang mit den Kollegen wie auch die Begegnung mit den jungen Leuten, deren Persönlichkeit, Neugierde und Offenheit ich immer mit großer Freude wahrgenommen habe.

Welche Ratschläge geben Sie ihrer Nachfolgerin Renate Schöffer mit auf den Weg?

Haunschild: Dass sie nach ihrem Herzen und ihrem Gefühl genauso weitermacht wie bisher. Dass sie, getreu ihrer langjährigen Erfahrung und ihrer Überzeugung, in gleichem Maße wie bisher, für Schüler, Eltern und Kollegen da ist.

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