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Kreis Aichach-Friedberg

28.08.2019

Geschäftsführer der Kliniken an der Paar muss sofort gehen

Der Druck auf Klinik-Geschäftsführer Kazmierczak stieg nach der Schließung der Geburtenstation im Krankenhaus Aichach.
Bild: Erich Echter

Plus Klinik-Geschäftsführer Kazmierczak wird freigestellt. Ein angekündigtes Defizit von 30 Millionen Euro bringt das Fass zum Überlaufen.

Die Kliniken an der Paar stecken in massiven wirtschaftlichen Problemen. Das ist seit gut drei Monaten bekannt. Weil die Geschäftsführung jetzt für die nächsten drei Jahre Verluste von insgesamt rund 30 Millionen Euro ankündigte, hat der Landkreis am Mittwoch die Reißleine gezogen: Werkausschuss und Kreistag haben in nichtöffentlichen Sondersitzungen beschlossen, Klinik-Geschäftsführer Krzysztof Kazmierczak abzuberufen und ab Sonntag, 1. September, freizustellen. Das teilte das Landratsamt am späten Mittwochabend mit.

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Übergangsphase: Großhauser und Schiele übernehmen Geschäftsführung

Für eine Übergangsphase sollen jetzt ab September Georg Großhauser und Peter Schiele die Geschäftsführung übernehmen. Großhauser ist als Abteilungsleiter im Landratsamt für die Kliniken zuständig. Schiele ist seit gut zwei Jahren Geschäftsführer der kreiseigenen Dienstleistungsgesellschaft Service Wittelsbacher Land, die vor allem für die Krankenhäuser arbeitet. Zuvor war er über viele Jahre hinweg Kaufmännischer Direktor der Kliniken an der Paar. Die Chemie zwischen Kazmierczak und Schiele hatte ganz offensichtlich nicht mehr gepasst. Eines der Probleme, die in den letzten Jahren zutage getreten waren.

Kazmierczak leitete die kreiseigenen Kliniken (rund 750 Mitarbeiter) seit fast zwölf Jahren. Vor allem in den ersten Jahren mit Erfolg. Das Defizit von bis zu sechs Millionen Euro aus der Zeit vor der Schließung des Krankenhauses in Mering ging deutlich zurück. In einigen Jahren gelang nahezu eine schwarze Null. Kazmierczaks Vertrag war vor zweieinhalb Jahren um fünf Jahre verlängert worden. Schon damals aber stand der Geschäftsführer in der Kritik – vor allem aus den eigenen Reihen des Führungspersonals im Krankenhaus. Die Kreistagsfraktion der Unabhängigen witterte eine Intrige gegen den Klinikchef.

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Druck auf Kazmierczak stieg nach Schließung der Geburtenstation Aichach

Der Druck auf ihn wurde zuletzt immer stärker, besonders aus Aichach. Die Schließung der Geburtenstation noch vor ihrer Eröffnung im nagelneuen Krankenhaus wurde vor allem dem Geschäftsführer angelastet. Bürgermeister Klaus Habermann forderte nach der Ende Juli vorgestellten Verteilung der Aufgaben zwischen den beiden Krankenhäusern zumindest indirekt personelle Konsequenzen an der Spitze der Kliniken. Wie berichtet, soll Aichach zum Schwerpunkt für die Innere und Friedberg für die Operative Medizin werden. Die Spezialisierung bedeutet, dass nicht mehr alle Leistungen in beiden Häusern angeboten werden. Landrat Klaus Metzger betonte damals bei einer Pressekonferenz: Wir halten beide Krankenhäuser.

Krzysztof Kazmierczak ist als Geschäftsführer der Klinken an der Paar abberufen worden.
Bild: Kliniken

Vor eineinhalb Wochen lud Landrat Klaus Metzger den Ältestenrat des Kreistags plus der Bürgermeister Klaus Habermann (Aichach) und Roland Eichmann (Friedberg) ein. Einziges Thema sei der Nachtragswirtschaftsplan 2019 mit dem Finanzplan für die Jahre ab 2020 für die Kliniken gewesen, so das Landratsamt in seiner Mitteilung. Im Finanzplan sei von der Geschäftsführung ein Defizit für die nächsten drei Jahre von weit über 30 Millionen Euro prognostiziert worden.

Ältestenrat empfiehlt Kreistag "personelle Konsequenzen"

Der Ältestenrat sei sich weitestgehend einig gewesen, dass der vom Geschäftsführer vorgelegte Plan den Landkreis in den nächsten Jahren finanziell komplett überfordern würde. Es habe auch keine Vorschläge für zukunftsfähige Ideen und Strategien zur effektiven Reduzierung des prognostizierten Defizits gegeben, heißt es weiter. Nach intensiver Diskussion und einer Empfehlung, personelle Konsequenzen zu ziehen, seien innerhalb der kürzest möglichen Ladungsfrist Werkausschuss und Kreistag zu Sitzungen einberufen worden. Am Mittwoch wurde dann die Trennung beschlossen. Das Abstimmungsergebnis in den Gremien wurde nicht mitgeteilt.

Laut Landrat Metzger sei dem Kreistag im Frühjahr klar gewesen, „dass die Kliniken ein schwieriges Jahr vor sich haben“. Nach den schlechten Nachrichten vom Mai (statt 6,3 bis zu 10,7 Millionen Euro Defizit in 2019) habe der Werkausschuss ein neues strategisches Konzept für die beiden Häuser gefordert, um zumindest ab 2020 eine Perspektive zu bekommen. Die neuen Zahlen würden konsequentes Handeln nötig machen. Metzger: „Was den Zeitpunkt betrifft: Man trennt sich nicht einfach zu einem beliebigen Zeitpunkt X von einem Geschäftsführer. Über eine personelle Neuausrichtung kann erst dann diskutiert werden, wenn auch zuverlässig klar ist, wer für den Übergang die Klinken an der Paar verantwortlich leiten könnte.“

Landrat Klaus Metzger fordert Aufbruchstimmung

Metzger setzt jetzt auf die beiden Übergangs-Geschäftsführer: „Beide kennen die Kliniken an der Paar bestens. Wir brauchen einen neuen Geist des Miteinanders, neue Motivation, schnelle Entscheidungen, klare Ziele; kurzum: Aufbruchstimmung.“ Das sei entscheidend, um eine Steigerung der Patientenzufriedenheit und damit der Leistungszahlen zu erreichen. Ab Oktober werde das Duo weitere Unterstützung erhalten.

Externe Hilfe bei Suche nach neuem Geschäftsführer

Die Zeit des Übergangs will der Landkreis nutzen, um mit externer Unterstützung nach einer neuen Geschäftsführung zu suchen. Metzger weiter: „Um zum wiederholten Mal den Gerüchten entgegenzutreten: Weil ein Krankenhaus nicht ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten ist, ist es klarer politischer Wille des Kreistages, beide Standorte in kommunaler Hand für die Grund- und Regelversorgung der Menschen im Wittelsbacher Land dauerhaft zu sichern – entgegen den aktuellen Tendenzen der Bundespolitik.“ Ob und wie das von der Unternehmensleitung im Juli vorgeschlagene Umstrukturierungskonzept tatsächlich dazu beitragen könne oder eventuell andere Konstruktionen hilfreicher wären, werde sich unter der neuen Führung zeigen. Schluss der Mitteilung des Landrats: Er bedanke sich auch im Namen des Landkreises Aichach-Friedberg und der Kliniken an der Paar bei Krzysztof Kazmierczak.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Kliniken an der Paar stecken tief in der Krise

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Die Diskussion ist geschlossen.

29.08.2019

Genau, da ist dann der Geschäftsführer schuld wenn die Politik aus Regionalproporz auf 2 eigenständigen Krankenhäusern beharrt welche dann natürlich nicht wirtschaftlich arbeiten können. Da wurden Millionen in Aichach versenkt für einen Krankenhausneubau welchen eigentlich niemand braucht. Da sollten in der Politik die "Köpfe rollen", nicht beim Führungspersonal welches sicherlich am wenigsten dafür kann.
(edit/mod)

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29.08.2019

Dass sich Aichach Friedberg aus Regional(Städte)proporz 2 voll ausgestatte Kliniken leistet ist ein wirtschaftlicher Witz. Anstatt sich auf eine Klinik zu konzentrieren wurde für viel Geld in Aichach ein komplett neues Krankenhaus aus dem Boden gestampft, KOSTE WAS ES WOLLE. Da müssten eigentlich auch in der Polik Köpfe rollen, nicht nur beim Führungspersonal.

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