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Aichach

10.02.2015

Gestohlenes Fleisch verkauft: Gastwirt muss seine Waffen abgeben

Weil er gestohlenes Fleisch weiterverkauft hat, wurde ein Gastwirt aus dem Landkreis zu einer Geldstrafe verurteilt. Das hatte für ihn jetzt weitere Folgen.
Bild: Symbolbild, Andreas Brücken

Vor Jahren wurde in einer Schlachterei tonnenweise Fleisch gestohlen. Einer der Abnehmer des Diebesguts war ein Wirt. Die Verurteilung wegen Hehlerei hat nun weitere Folgen.

Er besitzt eine Doppelflinte und ein Kleinkalibergewehr. Beide soll ein wegen Hehlerei verurteilter Gastwirt nun abgeben oder unbrauchbar machen. Damit ist er jedoch nicht einverstanden. Der Mann zog daher vor Gericht. Dieses Mal nicht als Angeklagter, sondern als Kläger. Bislang allerdings erfolglos.

Waffengesetz: Nach vorsätzlicher Straftat kein Waffenbesitz

Der Fall hat eine pikante Vorgeschichte. Vor sechs Jahren war ein groß angelegter Fleisch-Diebstahl aus einer Schlachterei im nördlichen Landkreis aufgeflogen. Der Wirt, der ebenfalls aus dem Landkreisnorden stammt und einen Teil des tonnenweise geklauten Fleisches weiterverkauft hatte, wurde danach wegen Hehlerei zu einer Geldstrafe verurteilt. Ein Metzger aus dem Donaumoos musste ebenfalls eine Geldstrafe wegen Hehlerei bezahlen.

Ein Mitarbeiter der Schlachterei erhielt wegen besonders schweren Diebstahls eine Freiheitsstrafe auf Bewährung. Nun hat die Geschichte weitere Folgen für den Wirt: Er soll seine Waffen abgeben oder unbrauchbar machen. Das gestohlene Fleisch und seine Waffen haben zwar auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun. Laut Waffengesetz aber gilt jemand, der zum Beispiel wegen einer vorsätzlichen Tat zu einer Geldstrafe von mindestens 60 Tagessätzen verurteilt wurde, als nicht mehr zuverlässig genug, um Waffen zu besitzen. Der Wirt war vor vier Jahren zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 20 Euro (1800 Euro) verurteilt worden und lag damit deutlich über der Grenze.

Noch kann der Wirt Berufung einlegen

Seine Waffenbesitzkarte, die er seit dem Jahr 2002 hat, wurde daraufhin widerrufen. Das Landratsamt stellt diese Dokumente für Waffeninhaber aus. Mindestens alle drei Jahre holt die Behörde laut einer früheren Auskunft von Pressesprecher Wolfgang Müller eine Auskunft beim Bundesamt für Justiz über die Inhaber ein. So erfährt sie in der Regel von relevanten Urteilen. Direkt gemeldet bekommt die Behörde nur Urteile wegen Waffendelikten.

Dabei hatte der Wirt zusätzlich Pech: Laut Waffengesetz muss ein Betroffener seine Waffen nur dann abgeben, wenn das Urteil vor maximal fünf Jahren rechtskräftig wurde. So auch der Wirt, denn seine Verurteilung ist noch nicht so lange her. Er klagte zwar gegen den Widerruf seiner Waffenbesitzkarte, doch das Verwaltungsgericht Augsburg wies nun seine Klage ab. Das teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Allerdings kann der Gastwirt noch einen Antrag auf Zulassung der Berufung beim Verwaltungsgerichtshof in München stellen. Sollte der Antrag erfolgreich sein, müsste die nächste Instanz entscheiden. Das Urteil des Verwaltungsgerichts ist bis dahin nicht rechtskräftig.

Nach Fleisch-Diebstahl: Sachschaden in fünfstelliger Höhe

Seine Verurteilung wegen Hehlerei vor vier Jahren hatte der Wirt per Strafbefehl akzeptiert. Damit entging er einem öffentlichen Gerichtsprozess. Der Diebstahl von großen Mengen Fleisch in einer Schlachterei im nördlichen Landkreis war lange Zeit unbemerkt geblieben. Nach Informationen unserer Zeitung war ein Mitarbeiter, der über Monate kistenweise Fleisch aus der Schlachterei gestohlen hatte, erst nach internen Kontrollen aufgefallen. Der Dieb wurde angezeigt, die Polizei war damit auch auf der Spur der Hehler.

Während der Ermittlungen ging die Kriminalpolizei damals von einem finanziellen Schaden in fünfstelliger Höhe aus. Wie hoch er tatsächlich war, konnte nicht einmal der Inhaber der Schlachterei beziffern. Nur für einen Teil der von der Kripo ermittelten Fleisch-Diebstähle war der Tatnachweis möglich.

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