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Schauspiel

24.04.2019

Gestresstem Ortsvorsteher fehlen plötzlich fünf Jahre

Bürgermeister Franz Kübele (Nick Kreppold) lässt sich von Ludwiga (Melanie Asam) und Heinz-Harald von Silberstein (Jürgen Aidelsburger) erklären, was tags zuvor mit dem Schoßhund Nofretete geschehen ist.
Bild: Alice Lauria

Theaterverein Sielenbach begeistert vor ausverkauftem Haus mit seinem Stück „Die Gedächtnislücke“

Die Zuschauer staunen nicht schlecht, als plötzlich Bürgermeister Franz Kübele, urkomisch dargestellt von Nick Kreppold, im halb offenen Bademantel die Bühne im Sielenbacher Pfarrheim betritt. Mit des Ortsvorstehers täglicher Morgenroutine beginnt das Stück „Die Gedächtnislücke“ von Bernd Gombold, das der Sielenbacher Theaterverein in diesen Tagen auf die Bühne bringt. Bei der Premiere vor ausverkauftem Haus war das Publikum begeistert.

Auf der Bühne zeigt der Blick in die Amtsstube, wie der nervlich, trotz vieler bunter Tabletten, völlig abgespannte Bürgermeister gegen die Beschwerden, Sorgen und Nöte seiner Mitbürger anzukämpfen versucht. Meist erfolglos. Der Tag beginnt für Franz Kübele besonders unschön, als ihm und seiner Gattin, alias Franziska Asam, klar wird, dass er ihren 25. Hochzeitstag vergessen hat. In seinem Büro kriecht überdies der verkaterte Gemeindediener Sepp, brillant verkörpert von Korbinian Schmid, unter dem Schreibtisch hervor.

Schon steht der erste Ärger vor der Tür, in Gestalt von Ludwiga und Heinz-Harald von Silberstein, bravourös gespielt von Melanie Asam und Jürgen Aidelsburger, einem vornehmen zugezogenen Pärchen, welches sich an den typischen Geräuschen des Landlebens stört. So soll beispielsweise ein Gockel am Krähen, die Kirchglocken am Läuten und sogar die Blaskapelle am Proben gehindert werden. Hierfür macht das Paar den Bürgermeister persönlich verantwortlich. Außerdem echauffieren sich die von Silbersteins ganz vehement über das Verhalten des Gemeindedieners, da dieser am Vorabend nicht nur das hochwohlgeborene Schoßhündchen Nofretete getreten haben soll, sondern wohl zu allem Überfluss noch dabei erwischt wurde, wie er seine Notdurft im Pool der von Silbersteins verrichtete. All dies muss sich der stressgeplagte Bürgermeister trotz heftiger Bauchkrämpfe anhören, ob er will oder nicht. Da hilft auch seine stets bemühte und kompetente Sekretärin Hannelore, alias Johanna Schober, nicht, obwohl diese ihm eine Anti-Stress-Pille nach der anderen verabreicht.

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Dank Tratschweib Emma aus dem Laden gegenüber, sehr passend besetzt von Hedwig Breitsameter, die den versoffenen Gemeindediener Sepp mit Hochprozentigem für den neuesten, meist erfundenen, Klatsch und Tratsch bezahlt, ist dieser praktisch nie nüchtern.

Blaskapellen-Vorstand und Gockelbesitzer Doni, ausgezeichnet gespielt von Martin Straßmair, nimmt es sehr persönlich, als ihm der Bürgermeister vorschreiben will, wie sein Hahn zu krähen und die Blaskapelle zu proben hat. Also nimmt der Rathauschef die Dinge selbst in die Hand und zieht mit Axt und Seil los, um sich um die Lärmbelästigungen zu kümmern. Mit dem Ergebnis, dass er selbst den Schlegel der Kirchturmglocke an den Kopf bekommt.

Sepp bringt’s kurzerhand auf den Punkt: „Jetzt hast an Dachschodn“, als er erkennt, dass dem Bürgermeister die Erinnerung an die vergangenen fünf Jahre fehlt. Er kann sich nicht erinnern, dass er Bürgermeister ist, und auch nicht an die von Silbersteins. Da beschließt Sepp, den Frieden im Dorf wieder herzustellen, indem er seinem Chef die eine oder andere Lüge auftischt. Sekretärin Hannelore muss sich derweil mit Gottlieb, dem Professor der Psychiatrie, dargestellt von Thomas Deißer, sowie der heiratswilligen Rosalinde, alias Julia Straßmair, auseinandersetzen. Während der eine ihr unerwünschte Avancen macht, denkt die andere, dass Franz ihr Traummann sei. Warum nun Ludwiga von Silberstein in Ohnmacht und ihre „frisierte Ratte“ alias Schoßhündchen Nofretete ins Koma fällt und ob Franz Kübele jemals sein Gedächtnis wiederfindet, können Interessierte noch bei drei Aufführungen miterleben: am Freitag, 26. April, und Samstag, 27. April, jeweils um 19.30 Uhr sowie am Sonntag, 28. April, um 19 Uhr im Pfarrheim Sielenbach.

Reservierungen sind möglich unter Telefon 0170/5795651.

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